Diesmal hat es diese Schildkröte noch geschafft, sie wurde nach der Explosion auf der Bohrplattform Deepwater Horizon gerettet. Doch schon gehen die beteiligten Unternehmen zur Tagesordnung über. BP steht vor einer Vereinbarung mit den Behörden über neue Bohrungen. Transocean zahlt Boni für vorbildliche Sicherheit. BP soll wieder bohren dürfen. Laut Medienberichten stehen die US-Behörden und der britische Ölkonzern kurz vor einer Vereinbarung, die zehn Bohrungen im Golf von Mexiko zulassen soll. Die Bohrungen könnten bereits im Juli aufgenommen werden. Sie waren durch die Explosion der Bohrplattform Deepwater Horizon im April 2010 gestoppt worden. Andere bohren bereits wieder Die Einzelheiten der Vereinbarung sind noch geheim. Die Sprecherin der US-Meeresschutzbehörde dementierte sie sogar. Doch BP bestätigte ihre Existenz gegen über britischen Medien. „BP hofft, die Bohrungen im Sommer wieder aufnehmen zu können. Bis dahin werden wir gezeigt haben, dass wir die Normen der US-Aufsichtsbehörde erfüllen“, sagte ein BP-Vertreter. Andere Ölunternehmen wie die britisch-niederländische Shell haben bereits zuvor neue Bohrgenehmigungen erhalten. Unternehmen wie Exxon Mobile und Chevron haben die Förderung auf den bestehenden Plattformen aufgenommen, sobald die US-Regierung ihr Moratorium gegen die Ölförderung im Oktober wieder aufgehoben hatte. Das Gesuch von BP für neue Bohrungen dagegen war am stärksten umstritten. Umweltschützer protestierten dagegen, dass Washington damit eine Firma für eine Katastrophe belohnt, bei der elf Menschen ums Leben gekommen und 5 Millionen Fass Öl ins Meer ausgelaufen waren. „Trotz dieser Nahtoderfahrung führt BP die bisherige hochriskante Strategie fort“, sagte Ben Ayliffe, Kampagnenmanager bei Greenpeace. „Die künftige BP scheint genau das gleiche zu tun wie die alte BP.“ Die Umweltschützer vertrauen auch nicht darauf, dass die Behörden ihre schärferen Regeln gegenüber BP durchsetzen könnten. Diese sehen vor, dass Inspektoren rund um die Uhr Prüfungen durchführen können. „Es ist nicht zu sehen, wie das die Gefahren der Tiefseebohrungen mildern kann“, sagt Charlie Kroninck, Klimaberater von Greenpeace. Die Inspektoren könnten nicht jederzeit vor Ort sein. Transocean zahlt Boni für Sicherheit Doch nicht nur BP irritiert die Umweltschützer. Am Montag wurde bekannt, dass Transocean seinen für die Sicherheit verantwortlichen Managern Boni für 2011 zahlen will. Der US-Konzern mit juristischem Sitz in der Schweiz war der Betreiber der explodierten Ölplattform. Eine von US-Präsident Barack Obama eingesetzte Kommission kam im Januar zum Schluss, dass BP, Transocean und andere laxe Sicherheits- und Managementstandards hatten. Transocean weist aber weiter jede Schuld von sich. „Trotz des tragischen Verlustes von Menschenleben im Golf von Mexiko haben wir ein beispielhaftes Sicherheitsniveau erreicht“, schreibt das Unternehmen in seinem Jahresbericht. Die Zahl der Verletzungen der Sicherheitsvorschriften sei um 4 Prozent gesunken, die Schwere der Unfälle sogar um 15 Prozent. „Wir haben in Sachen Sicherheit das beste Resultat in unserer Geschichte erzielt.“
Obama im Dilemma
Wenn sowohl BP als auch Transocean den Eindruck erwecken, als hätten sie nichts gelernt, dann erschwert das die Arbeit von US-Präsident Obama. Er hatte in der vergangenen Woche eine Grundsatzrede zur Energiepolitik gehalten. Darin erklärte er, er wolle die Anhängigkeit der USA von Energieimporten und vom Öl verringern. BP könnte mit seinen Bohrungen die Unabhängigkeit von Importen stärken. Aber die Genehmigung für BP-Bohrungen könnte gleichzeitig die Akzeptanz von Obamas Politik in der Bevölkerung schwächen. Das US-Justizdepartement prüft derzeit neue zivile und strafrechtliche Verfahren gegen BP. Dem Unternehmen soll auch Totschlag für den Tod der Arbeiter auf der Plattform vorgeworfen werden. BP hat bereits 40 Milliarden Dollar (29 Milliarden Euro/37 Milliarden Franken) für Entschädigungen von Anwohnern des Golfs und für Strafzahlungen ausgegeben. Bild: Gerettete Golf-Schildkröte (BP America)
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