München - In Südafrika werden jährlich hunderte Paviane auf Holzplantagen abgeschossen, die vom FSC (Forest Stewardship Council) für ihre angebliche ökologische Nachhaltigkeit zertifiziert sind. Die Artenschutzorganisation Pro Wildlife kritisiert die Abschüsse als grausam und ökologisch nicht vertretbar.
Das Holz der betroffenen FSC-Plantagen wird unter anderem zu Zellstoff weiterverarbeitet und als „ökologisch korrektes“ FSC-Papier verkauft. „Wir fordern den FSC auf, diesen Plantagen die Zertifizierung sofort zu entziehen, solange weiter Affen getötet werden“, wird Birgit Trinks von Pro Wildlife in einer Pressemitteilung von heute zitiert.
Der Fall bezieht sich auf die Provinz Mpumalanga, dem Zentrum der Holzindustrie Südafrikas, wo nach Angaben südafrikanischer Umweltschützer allein in den letzten drei Monaten 395 Affen auf den Holzplantagen von Komatiland Forest und York Timber getötet wurden. Für weitere 1040 Affen gibt es Abschussgenehmigungen noch für dieses Jahr. Die meisten Tiere sterben ausgerechnet auf Plantagen, die das FSC-Zertifikat tragen, obwohl die Abschüsse negative Auswirkungen für die Artenvielfalt befürchten lassen: Paviane verbreiten die Samen zahlloser heimischer Baum- und anderer Pflanzenarten der Region Mpumalanga. Studien zeigen, dass gerade stark bedrohte Baumarten auf Paviane angewiesen sind. Sie werden dennoch abgeschossen, da sie für Plantagenbetreiber lästige Schädlinge darstellen. Denn die Tiere fressen die Baumrinde von Pinien. Wo die Rinde beschädigt ist, sind die Bäume anfälliger für Schädlinge oder der Baum wächst schief. Das Holz lässt sich schlechter verarbeiten und erzielt geringere Preise, erklärt Pro Wildlife. Die Holzfirmen lassen deshalb jährlich hunderte Affen abschiessen. Sie versehen einzelne Tiere aus den Herden mit Überwachungshalsbändern. Nähern sich Paviane gefährdeten Pinienplantagen, dann greifen sie zur Waffe. „Studien zeigen jedoch, dass die Schäden nicht zurückgehen, wenn die Paviane getötet werden. Die Abschüsse sind also nicht nur grausam, sondern auch völlig unsinnig“, so Trinks.
Schutzgürtel als Alternative und harsche FSC-Kritik
Doch die Tierschützer sehen Alternativen: „Statt viel Geld für die Abschüsse auszugeben, könnten Schutzgürtel um die Plantagen angelegt werden – aus Pflanzen, die den Affen als geeigneteres Futter dienen können“, so Pro Wildlife. Da Pinien nicht auf den natürlichen Speiseplan von Pavianen gehören, lässt das Fressen der Rinde darauf schliessen, dass die Affen in den Monokulturen der Plantagen Mangelerscheinungen haben, weil ihr natürlicher Lebensraum schwindet.
„Vollkommen unverständlich ist, dass die Plantagen jährlich von einer Zertifizierungsstelle des FSC begutachtet werden und trotz der Abschusspraxis ihr Siegel behalten“, kritisiert Birgit Trinks. Der Affenabschuss in Südafrika wirft einen weiteren Schatten auf das Umweltsiegel, das erst kürzlich mit Berichten über Kahlschlag in schwedischen Primärwäldern für Schlagzeilen sorgte.
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