Schweizer Lohnunzufriedenheit hoch

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Geschrieben von: Anna Birkenmeier, Zürich 04.04.11
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Das diesjährige Schweizer Human Relations Barometer zeigt Unsicherheit in Bezug auf den Arbeitsplatz und Lohnunzufriedenheit bei den Löhnen. Mitautorin Gudela Grote von der ETH Zürich rät Arbeitnehmenden, der Unzufriedenheit auf den Grund zu gehen, bevor mehr Lohn gefordert wird. Denn häufig handelt es sich hierbei auch um mangelndes Vertrauen in den Arbeitgeber.

Anna Birkenmeier: Wie äussert sich Lohnunzufriedenheit in der täglichen Arbeit?

Gudela Grote:Lohnunzufriedenheit äussert sich letztlich nicht anders als sonstige Formen der Unzufriedenheit. Zentral ist, ob die Unzufriedenheit durch nicht gehaltene Versprechen von Seiten des Arbeitgebers entstanden ist. Dann wird sie sich akut und sehr negativ auf die Motivation auswirken. Wenn es eher eine diffuse Unzufriedenheit ist, weil man beispielsweise meint, man verdiene mehr, als man verdient, dann sind die Auswirkungen weniger sichtbar. Man arrangiert sich meist mit der Situation und geht gewohnt seiner Arbeit nach.

Anna Birkenmeier:Was gibt es aus Sicht der Firmen für Möglichkeiten, die Arbeitnehmer zufriedener zu machen, ohne dabei den Lohn zu erhöhen?

Gudela Grote:Da hat der Arbeitgeber sehr viele Möglichkeiten. Etwa indem er interessante Arbeiten vergibt, den Beschäftigten Entwicklungsmöglichkeiten bietet, ein gutes Arbeitsklima schafft oder die Arbeit in immaterieller Hinsicht anerkennt. Ein wichtiger Punkt ist hier auch, Vertrauen und Identifikation zwischen Mitarbeitenden und Unternehmen zu schaffen, damit bei den Mitarbeitenden nicht der Eindruck von Trostpflastern angesichts nicht erfolgter Lohnerhöhungen entsteht.

Anna Birkenmeier:Stichwort Vertrauen. Jeder vierte Arbeitnehmer gibt an, dem Betrieb nicht zu vertrauen…

Gudela Grote:Hier muss man sich erst einmal fragen, was mit Vertrauen genau gemeint ist. Vertraue ich aus der Not heraus, weil ich als Arbeitnehmer keine Einflussmöglichkeiten im Betrieb habe und mich darauf verlassen muss, dass die Vorgesetzten schon alles richtig machen? Oder vertraue ich auf der Grundlage einer Vertrautheit, die durch Transparenz der Entscheidungsprozesse im Betrieb entsteht? Dadurch entsteht Vorhersehbarkeit und Sicherheit für die Mitarbeitenden. Für die Beschäftigten ist ganz besonders wichtig, darauf vertrauen zu können, dass wichtige Informationen rechtzeitig bei ihnen ankommen.

Anna Birkenmeier:Was kann man als Arbeitnehmer für die eigene Zufriedenheit tun?

Gudela Grote:Sich bewusst hinterfragen, was man von der Arbeitssituation erwartet, was sich in letzter Zeit verändert hat und ob die Motivation noch dieselbe ist. Denn oftmals ist einem nicht klar, was die Gründe für eine Unzufriedenheit sind, und macht man schnell das Umfeld dafür verantwortlich.

Anna Birkenmeier:In wieweit wird sich aus Ihrer Sicht die Arbeitswelt in den nächsten Jahren verändern?

Gudela Grote: Die Entwicklungstendenzen, wie wir sie momentan sehen, setzen sich fort. Die weltweite Verteilung der Arbeit bleibt ein grosses Thema und wir kommen nicht umhin, uns je länger, je mehr zu fragen, welche Gründe es gibt, dass unsere Arbeit hier und nicht in China oder Indien ausgeführt werden sollte.


Zur Person:
Prof. Dr. Gudela Grote, Professorin für Arbeits- und Organisationspsychologie der ETH Zürich und Mitherausgeberin des Schweizer Human-Relations-Barometer 2011. Vor ihrer Tätigkeit in Zürich hat sie in Marburg, Berlin und Atlanta studiert und promoviert. In ihrer Forschung geht sie der Frage nach, wie Individuen und Organisationen mit Unsicherheit umgehen.

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