Unter dem Motto "Zehn Jahre rosa Hochzeit" begeht Amsterdam am heutigen Freitag ein besonderes Jubiläum: die weltweit ersten Eheschließungen schwuler und lesbischer Paare. Doch ausgerechnet in der selbst ernannten Hauptstadt der Homosexuellen werden diese immer öfter angegriffen.
Es war ein historisches Ja, das im Stadthaus von Amsterdam vor zehn Jahren erklang, aus acht Mündern nacheinander, zwei weiblichen und sechs männlichen. Denn es waren ein lesbisches und drei schwule Paare, die an diesem Tag Geschichte schrieben, indem sie sich die Ehe versprachen. Geschichte schrieben auch die Niederlande, deren Parlament zuvor eine Gesetzesänderung beschlossen hatte, das den Hochzeitsparagraphen des Bürgerlichen Gesetzbuchs für Homosexuelle zugänglich machte. Das Modell sieht eine weit reichende rechtliche Gleichstellung mit heterosexuellen Ehepaaren vor und reicht damit deutlich über die eingetragenen Partnerschaften vor, die in der Schweiz, Österreich oder Deutschland gelten.
30.000 Ehepartner
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Mittlerweile hat sich eine Reihe von Ländern angeschlossen: Belgien, Spanien, Kanada, Südafrika, Norwegen, Schweden, Portugal, Island und Argentinien, dazu einige Bundesstaaten in Mexiko und den USA. "Unser schönstes nicht-materielles Exportprodukt" freut sich Henk Krol, Chefredakteur der Zeitschrift "Gay Krant", die anderthalb Jahrzehnte für diesen Schritt gekämpft hatte. Gut 30.000 Menschen haben seither in den Niederlanden eine gleichgeschlechtliche Ehe geschlossen. Die Scheidungsquote liegt laut Krol im Bereich heterosexueller Ehepaare.
Von der "großen emotionalen Bedeutung" dieses Schritts spricht folglich Vera Bergkamp, Vorsitzende der Organisation COC, der wichtigsten Interessenvertretung Homosexueller in den Niederlanden. Bergkamp sieht eine stufenweise Entwicklung, auf der das Land mit der sprichwörtlichen liberalen Reputation inzwischen das zweite von drei Stadien erreicht habe. "Nach der Abschaffung von Strafbarkeit und dem Einsatz für Gleiche Rechte arbeiten wir nun an der sozialen Akzeptanz" betont sie, dass der Weg noch lange nicht zu Ende ist.
Gewaltsame Übergriffe
Genau hier drückt die Feiergesellschaft in diesen Jubiläumstagen der Schuh. Seit Jahren macht gerade die selbst ernannte "Gay Capital" Amsterdam, die einzige Stadt der Welt, in der ein Denkmal an die Diskriminierung Homosexueller erinnert, mit einer Welle homophober Vorfälle von sich reden. Beleidigungen, Bedrohungen, selbst körperliche Übergriffe sind keine Seltenheit. 2009 registrierte die Polizei 371 Fälle von Diskriminierung, 82 davon waren gewaltsame Übergriffe. 2008 lag die Quote bei 300 (54 gewaltsam). Andrée van Es, Stadträtin für Diversität und Integration, betont denn auch den ambivalenten Charakter des Jubiläums. "Es ist ein besonderer Tag, um diese Errungenschaft zu feiern, aber auch um daran zu denken, dass Schwule und Lesben sich noch immer nicht sicher fühlen."
Im Alltag weniger Emanzipation
Damit zeigt sich in der Hauptstadt nur, was auch im Rest des Landes Realität ist: Der Alltag hängt den gesetzlichen Standards in puncto Emanzipation von Homosexuellen oft dramatisch hinterher. Neben den verbalen und physischen Formen der Diskriminierung steht die institutionelle Ebene: So können Standesbeamte auf Initiative christlich- fundamentalistischer Parteien sich noch immer auf ihr Gewissen berufen und die Trauung eines homosexuellen Paares ablehnen.
Aktivisten richten den Fokus daher mehr und mehr auf den Aspekt der Öffentlichkeit homosexuellen Lebens. "Wenn zwei Männer Hand in Hand laufen oder Frauen sich einen Kuss geben, ist das für manche noch immer konfrontierend", bilanziert Irene Hemelaar, Vorsitzende der Stiftung Pro Gay, die die berühmte Bootsparade auf den Grachten im Rahmen des jährlichen Gay Pride- Festivals organisiert. Für Stadträtin Es ist dies kein Zustand: "Amsterdamer sein bedeutet, dass man mit Unterschieden umgehen können muss. Ich finde es wichtig, dass Homosexuelle überall Hand in Hand herumlaufen können."
Bild: Die Zeitschrift "Gay Krant" feiert das schönste Exportprodukt der Niederlande.
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