Berlin/München – Die Verbraucherorganisation foodwatch und das Umweltinstitut München haben die Informationspolitik der Bundesregierung über die Lebensmittelsicherheit nach der Reaktorkatastrophe in Japan kritisiert. Bundesverbraucherministerin Ilse Aigner verweist zwar seit Tagen auf „verstärkte Kontrollmassnahmen“ und "spezielle Schutzstandards", schreiben die beiden Organisationen in einer gemeinsamen Presseerklärung. Die Ministerin informiere die Öffentlichkeit jedoch nicht darüber, dass die EU-weit geltenden Grenzwerte für die radioaktive Belastung von Lebensmitteln aus den betroffenen Regionen Japans am vergangenen Wochenende deutlich angehoben worden seien. Wenn bisher eine kumulierte Radioaktivität von Cäsium-134 und Cäsium-137 von maximal 600 Becquerel/Kilogramm zulässig gewesen sei, seien am vergangenen Wochenende von bis zu 12.500 Becquerel/Kilogramm für bestimmte Produkte aus Japan in Kraft getreten. Zwar gibt es in Europa derzeit keinen Anlass zur Sorge über hochbelastete Produkte aus Japan im Handel – dies rechtfertigt jedoch weder die lückenhafte Informationspolitik der Bundesregierung noch die Heraufsetzung der Grenzwerte, heisst es. "Die Ministerin redet nur von verstärkten Kontrollen und verschweigt, dass gleichzeitig die Sicherheitsstandards für japanische Lebensmittel gesenkt wurden. Frau Aigner enthält der Öffentlichkeit wichtige Informationen vor – so gewinnt sie sicher nicht das Vertrauen der Bürger", wird Thilo Bode zitiert, Geschäftsführer der Verbraucherorganisation foodwatch. "Es ist absurd, in der jetzigen Situation Grenzwerte für japanische Lebensmittel zu erhöhen, um sie in die EU einführen zu können", meint laut der Presseerklärung auch Christina Hacker, Vorstand im Umweltinstitut München. Beide Organisationen sprechen sich dafür aus, einen kompletten Importstopp zu verhängen. Ohnehin seien die Einfuhrmengen für Lebensmittel aus Japan nach Europa nur sehr gering. Hintergrund für die Anhebung sei die nach der Tschernobyl-Katastrophe im Jahr 1987 erlassene EU-Verordnung 3954/1987. Demnach könnten im Falle eines "nuklearen Notstandes" die Höchstgrenzen für die zulässige radioaktive Belastung von Lebensmitteln angehoben werden, um einer Nahrungsmittelknappheit vorzubeugen. "Diese Regelung jetzt in Kraft zu setzen, ist absurd, denn es gibt in Europa keinen nuklearen Notstand und erst recht keine Nahrungsmittelknappheit. Importe aus Japan spielen für die Versorgungssicherheit der europäischen Bürger überhaupt keine Rolle", sagten laut der Erklärung Thilo Bode und Christina Hacker. (eg)
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