Streit über Endlager in den USA

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Geschrieben von: John Dyer, Boston 25.03.11
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Präsident Obama hatte den Bau eines Endlagers gestoppt, viele Politiker im Land laufen dagegen Sturm. Ohne das geplante Endlager müssen die abgebrannten Brennstäbe in Wasserbecken neben den Kernkraftwerken lagern – wie in Fukushima.

In zivilen und militärischen Anlagen der Vereinigten Staaten lagern derzeit rund 72.000 Tonnen radioaktiven Mülls. Und die Menge abgebrannter Kernbrennstäbe nimmt täglich zu. Die Katastrophe der japanischen Kernkraftwerke von Fukushima mit führt den Amerikanern vor Augen, dass auch sie kein Endlager für radioaktiven Abfall haben. Die geplante Anlage in den Yucca Mountains in Nevada wird nicht zu Ende gebaut. Präsident Barack Obama hat den vom US-Kongress 1987 genehmigten Bau im vergangenen Jahr gestoppt. Die verbrauchten nuklearen Brennstäbe werden auf lange Zeit weiter in Wasserbecken neben den Reaktoren, die sie zuvor bestückt hatten, gelagert – ganz wie in Fukushima.

Spät entdeckt: Yucca ist nicht sicher

Präsident Obama hat mit dem Stopp des Endlagerbaus Yucca ein Wahlversprechen erfüllt, das er dem demokratischen Mehrheitsführer im Senat, Harry Reid aus Nevada, gegeben hatte. Die Atombehörde NRC stoppte den Ausbau, in den schon zehn Milliarden Dollar investiert worden sind. Als Grund wurden Studien angeben, die die Yucca Mountains als doch nicht so sicher aussehen lassen. Das Endlager solle über einem Grabriss stehen, der möglicherweise zu Rissen im Gestein, Eindringen von Wasser und als Folge radioaktiver Verseuchung des Grundwassers führen könne, hieß es. Auch sei der Transport radioaktiven Abfalls aus den 104 Atommeilern überall im Lande quer durch die Vereinigten Staaten nach Nevada eine Gefahrenquelle. Die demokratische Abgeordnete Shelley Berkley aus Nevada warnte: „Ob es ein tragischer Unfall mit einem Lastwagen oder einem Zug ist, der radioaktiven Müller transportiert, oder ein bewusster Anschlag nach dem Muster vom 11. September auf nur einen einzigen Transport – die Gefahr für Menschenleben und der potentiell in die Milliarden Dollar gehende wirtschaftliche Schaden ist erschütternd.“

Lagerung nach dem Muster von Fukushima

Die amerikanische Bevölkerung muss jetzt hinnehmen, dass derselbe Atommüll, der jetzt in Japan zur Katastrophe führt, in Zukunft in Wasserbecken neben den Kernkraftwerken in ihrer Nähe bleiben wird, statt nach Yucca transportiert zu werden. Noch schlimmer: Die NRC hat den Atomkraftwerken erlaubt, mehr radioaktiven Abfall in diesen Becken zu lagern, als bei deren Einrichtung vorgesehen war. Andere Lagerstätten für das viele tausend Jahre strahlende Material gibt es nicht.
„Sie haben ein unheiliges Ding in den Händen“, sagte der demokratische Abgeordnete John Dingell aus Michigan bei einer Anhörung im Kongress zu NRC-Chef Gregory Jaczko. Der ist ein früherer enger Mitarbeiter von Senator Reid aus Nevada. „Gibt es überhaupt einen Endlager-Plan irgendwo bei der Regierung?“

Seit der Genehmigung von Yucca durch den US-Kongress 1987 ist das Endlager zu einem großen Teil schon ausgebaut worden. Allerdings würde noch mehrere Jahre weiter gebaut werden müssen, um es fertig zu stellen. Als er Yucca stoppen ließ, setzte Obama eine Kommission ein, die Alternativen erarbeiten soll. Sie schlägt bisher entweder Wiederaufbereitung nach französischem Muster vor oder die Lagerung in „Trockenbehältern.“ Darin werden die abgebrannten Elemente nach einer Auskühlzeit in einem Wasserbecken trocken gelagert. Die Stahlbehälter werden mit einem Gas gefüllt, das Korrosion vermeiden soll. Sie sollen dann in Hochsicherheits-Lagern auf Dauer abgestellt werden.

Baustopp verfassungswidrig?

Obamas Baustopp wird von einigen Politikern als verfassungswidrig kritisiert. Der stellvertretende Justizminister des Bundesstaates Washington, Andrew Fitz, erklärte, der Präsident „hatte kein Recht, den bau aufzuheben“, weil dieses durch ein Gesetz des US-Kongresses genehmigt worden war. Das könne kein Präsident einfach aufheben. Gerichtsverfahren dazu laufen derzeit.
Es gibt auch Befürworter des Endlagers Yucca Mountains. Die Initiative „Nevadans 4 Carbon-Free Energy“ will Nevada sogar zum weltweit führenden Standort für Wiederaufbereitung und Endlagerung radiaktiver Abfälle machen. Die Katastrophe in Japan unterstreiche nur, „wie dringend ein solches Vorhaben ist.“  

Sollte die Anlage Yucca doch zu Ende gebaut werden, so müsste sie wahrscheinlich erweitert werden. „Selbst wenn sie morgen eingeweiht würde, dann würde es Jahrzehnte dauern, alle jetzt irgendwo lagernden Brennstäbe dorthin zu bringen“, sagte der ehemalige NRC-Mitarbeiter Robert Alvarez. „Und dann wird immer noch einiges irgendwo in Wasserbecken lagern.“

 

Bild: US Department of Energy

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