Berlin/Ankara - Vor 50 Jahren kamen die ersten türkischen Gastarbeiter nach Deutschland. Im Jahr 2009 lebten 2,5 Millionen türkischstämmige Personen in der Bundesrepublik - davon rund 70.000 Unternehmer. Angesichts des Geburtenrückgangs und des wieder zunehmenden Wirtschaftswachstum werden trotz aller Unkenrufe vom Schlage Thilo Sarrazins neue Zuwanderer auch aus der Türkei gebraucht. "Mitte des 20. Jahrhunderts brauchte Deutschland Zuwanderer, um die expandierende Industrie mit Arbeitskräften zu versorgen. Also wurde im Herbst 1961 nach Verträgen mit Italien, Spanien und Griechenland auch ein Anwerbeabkommen mit der Türkei unterschrieben", erläutert das arbeitgebernahe Institut der deutschen Wirtschaft, Köln (IW) in einer Mitteilung. Das Jubiläum wurde laut einem Bericht des Berliner Tagesspiegel in der vergangenen Woche am Hauptbahnhof der türkischen Hauptstadt begangen. Ehrengast war der Rentner Ismail Bahadir, der 1969 als millionster Zuwanderer aus der Türkei nach Westdeutschland begrüsst worden. Der Rentner, der sich 1973 wieder in seiner türkischen Heimatgemeinde Konya niederliess, berichtete gemäss Tagesspiegel bei der Feier in Ankara in Anwesenheit des für fünf Millionen Auslandstürken zuständigen türkischen Ministers Faruk Celik und dem deutschen Botschafter in Ankara, Eckart Cuntz, davon, wie es war, in den 1960er Jahren als Türke nach Deutschland zu gehen. Mittlerweile sind nach Angaben des IW zwie Fünftel aller Menschen mit türkischen Wurzeln, die in Deutschland leben, in der Bundesrepublik geboren und aufgewachsen. Sie haben nach Angaben der Kölner Wirtschaftsforscher deutlich bessere Bildungschancen als die Zuwanderer der ersten Generation. Der Anteil unqualifizierter türkischer Migranten sei von 68 Prozent in der 1. Generation auf 27 Prozent in der 2. Generation gesunken. Inzwischen kehren mehr Türken Deutschland in Richtung der boomenden Türkei den Rücken, als von dort zuwandern. Im Jahr 2009 waren es gemäss IW unter dem Strich 10.000 Personen. "Um vorzubeugen, dass auch Hochqualifizierte der Bundesrepublik den Rücken kehren, sollte die Politik aktiver werden – etwa, indem sie die Einstellung von Migranten im öffentlichen Dienst fördert", verlangt das Wirtschaftsinsitut ion Köln. (ug)
|