Die Schweiz deckt ihren Energiebedarf noch immer zu 80 Prozent aus nicht erneuerbaren Quellen. Viel wird diskutiert, ob in Zukunft zumindest der Strombedarf rein durch erneuerbare Energie gedeckt werden kann. Der Kanton Basel-Stadt zeigt, dass dies heute schon möglich ist.Die Industriellen Werke Basel (IWB) machen es vor: Die Stromversorgung einer Stadt mit rund 170'000 Einwohner kann heute vollständig mit erneuerbarer Energie bewerkstelligt werden. „Wir sind das einzige Schweizer Stadtwerk, das eine zu 100 Prozent erneuerbare Strombeschaffung als Standard und ohne Aufpreis anbietet“, sagt Erik Rummer, Pressesprecher der IWB. Damit das auch in Zukunft so bleibt, will die IWB in den nächsten Jahren vermehrt in erneuerbare Energie investieren.
Basel-Stadt als VorbildkantonDas Fördern von erneuerbarer Energie hat in Basel Tradition. Als erster Kanton hat Basel-Stadt eine Förderabgabe eingeführt. Die Stimmbürger haben bereits 1984 einer Abgabe von acht Prozent auf die Stromrechnung zugestimmt. Mit dem Geld aus den Förderbeiträgen werden Haushalte, aber auch Unternehmen unterstützt, auf erneuerbare Energie zu setzen. „Wir hatten in Basel den Vorteil, dass die Basler Strompreise ziemlich tief waren – auch, weil wir keine teuren Atomverträge abstottern mussten“, sagt Beat Jans, Basler SP-Nationalrat und Umweltwissenschafter. Der Stadtkanton unterstützt mit dem Geld Niedrigenergiebauten, Sonnenenergieanlagen, Wärmepumpen oder Holzheizungen. „Basel hat erkannt, dass energetische Massnahmen den lokalen KMU dienen und Arbeitsplätze schaffen“, sagt Jürg Hofer, Leiter des Amtes für Umwelt und Energie Basel. Zudem gibt es in Basel seit 1998 eine Lenkungsabgabe, die Bürger und Unternehmen dazu anhalten soll, Energie einzusparen. Auch hier war Basel schweizweit der Vorreiter. Und die Bestrebungen zeigen Wirkung. „In der Schweiz hat jede Person einen durchschnittlichen Energieleistungsbedarf von 5'200 Watt. Bei uns sind es bloss 3'600 Watt“, sagt Hofer. Damit sei Basel näher an der angestrebten 2000-Watt Gesellschaft. Auch die Förderung bringt Erfolge: Seit 1995 hat sich die Quadratmeteranzahl von Sonnenkollektoren in Basel auf rund 11'730 Quadratmeter mehr als verzehnfacht. Im gleichen Masse hat auch die Fläche der Fotovoltaik-Anlagen zugenommen. Auf heute rund 25'800 Quadratmetern wird Strom gewonnen. „So konnte Basel die Ziele des CO2-Gesetzes erreichen und hat den CO2-Austoss seit 1990 um 10 Prozent gesenkt“, so Hofer. Kernkraft wird in Basel nicht genutzt. Schon vor Jahrzehnten hat sich die Stadt von der Atomenergie losgesagt. „Die Basis für die heutige Energiepolitik bildete in den 70er-Jahren der breit geführte Widerstand gegen das AKW Kaiseraugst“, sagt Hofer. Laut dem Atomschutzgesetz aus dem Jahre 1978 ist es die Aufgabe der Regierung „mit allen ihnen zur Verfügung stehenden rechtlichen und politischen Mitteln darauf hinzuwirken, dass auf dem Kantonsgebiet und in dessen Nachbarschaft keine Kernkraftwerke (...) errichtet werden“. “Der Geist von Kaiseraugst hält bis heute an“, sagt auch Jans. Hauptsächlich WasserkraftDie Energie, die heute in Basel produziert wird, stammt hauptsächlich aus Wasserkraft. Sie deckte im Jahr 2009 rund 90 Prozent von Basels Energiebedarf. Rund 6 Prozent produziert die IWB aus Erdgas in dezentralen Wärme-Kraft-Kopplungsanlagen. Die Kehrrichtverbrennung liefert gut 1,5 Prozent des Basler Strombedarfs. Lediglich 1,7 Prozent nicht überprüfbare Energieträger benötigt das Stadtwerk zum Ausgleich fehlender Produktion der Wasserkraftwerke. „Den gesamten aus nicht erneuerbaren Quellen gewonnenen Anteil der Stromproduktion werten wir mit Wasserkraftzertifikaten auf“, sagt Rummer. So kann die IWB ihren Kunden Strom aus 100 Prozent erneuerbaren Energie anbieten. Strom vom MeerDie IWB wird auch in Zukunft auf erneuerbare Energie setzen. Das Unternehmen, das im Besitz des Kantons Basel-Stadt ist, möchte auf dem Schweizer Markt eine führende Rolle für ökologisch nachhaltige Energien einnehmen. Damit der Stromabsatz auch in Zukunft vollständig mit erneuerbaren Energien gedeckt werden kann, will die IWB in den nächsten drei Jahren in ganz Europa 120 Millionen Franken investieren. „Schon 2013 sollen Windkraftwerke, thermische Solaranlagen und Biomassekraftwerke gut 10 Prozent des heute in Basel benötigen Stroms produzieren“, sagt Rummer. Ein wichtiges Standbein sollen dabei Windkraftwerke auf dem offenen Meer wie das deutsche Projekt BARD OS1 sein. „Bei diesem Projekt befindet sich die IWB in finalen Verhandlungen, 6,25 Prozent des im Bau befindlichen Windparks zu übernehmen“, so Rummer. Dies entspräche einem jährlichen Produktionsanteil von 95 GWh. Auch thermische Solarkraftwerke und Photovoltaikanlagen sollen Teil des neuen Portfolios werden. Die IWB beteiligt sich mit 12 Prozent am thermischen Solarkraftwerk Puerto Errado in Spanien, das sich noch im Bau befindet. Im Gegenzug erhält die sie 6GWh pro Jahr. Auch in der Schweiz sieht die IWB Potential für erneuerbare Energie. So zum Beispiel auf der Jura-Hochebene. „Auf der Chassalp könnten jährlich rund 36 GWh Strom aus Wind produziert werden“, so Rummer. Dies setzt aber die Bewilligungen und Zustimmung der Standortgemeinden voraus. Die IWB hat die Erfahrung gemacht, dass die Basler bereit sind, für saubere Energie mehr zu bezahlen. „Die Zahl der Kunden, die für besonders ökologische Stromprodukte einen Aufpreis bezahlt, steigt an“, sagt Rummer. Auch die Energieberatungsstelle wurde wegen der grossen Nachfrage personell aufgestockt. Schweiz noch immer in AbhängigkeitDie Schweiz bezieht noch immer 80 Franken des gesamten Energiebedarfs in Form von Öl, Gas und Uran. Im Jahr 2009 wurden dafür 8 Milliarden Franken ausgegeben. Geld, das ins Ausland fliesst. „Die Wertschöpfung wäre bei Investitionen in inländische erneuerbare Energie um einiges höher“, sagt Hofer. Würde die Schweiz auf erneuerbare inländische Energie setzen, wäre sie ausserdem unabhängiger vom Ausland und unabhängig von Preissprüngen der Rohstoffe. Rohstoffe, die knapp werden. „Wir sind überzeugt, dass die Umstellung schweizweit machbar ist - wenn auch nicht von heute auf morgen“, sagt Hofer. Auch Beat Jans ist glaubt, dass sich die erneuerbaren Stromquellen in den nächsten zehn Jahren durchsetzen werden. „Die Kostenkurve der Erneuerbaren sinkt rapid, die Kostenkurve der Fossilen inklusive Atom steigt hingegen ständig“, sagt er. Fossile Energie sei bald nicht mehr konkurrenzfähig. Foto: Basel Stadt
|