Japan-Trauma in Kalifornien

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Geschrieben von: John Dyer, Boston 23.03.11
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Mehrere Staats-Senatoren haben in Kalifornien die Aussetzung von Laufzeitverlängerungen für Kernkraftwerke gefordert. Zuvor sollen neue Studien feststellen, wie die AKWs dort für Erdbeben vom Ausmaß wie in Japan gerüstet sind.

Im Kongress des Bundesstaates Kalifornien formiert sich widerstand gegen die Verlängerung der Laufzeiten von zwei Atomkraftwerken nahe der Pazifikküste, die zudem auch noch auf erdbebengefährdeten geologischen Verwerfungen stehen sollen. Erst wenn neue Studien Auskunft gäben, wie gefährdet die Kernkraftwerke im Vergleich mit der japanischen Katastrophe wirklich seien, könne im Staats-Kongress über die Laufzeitverlängerung entschieden werden. Die demokratische Senatorin Ellen Corbett, Vorsitzende des Ausschusses für Erdbebensicherheit, sagte: „Es ist an der Zeit, die Sicherheit dieser Anlagen im Licht dessen zu prüfen, was wir aus Japan gelernt haben.” Die beiden Kraftwerke sind Diablo Canyon bei San Luis Obispo und San Onofre in der Nähe von San Diego.

Erdbeben kommt - aber wann?

Kalifornien lebt unter einer ständigen Erdbebenbedrohung. Die Wahrscheinlichkeit, dass ein starkes Beben an einem der nächsten Tage ausbrechen könnte, wird mit etwa drei Prozent angegeben. Mit 50-prozentiger Wahrscheinlichkeit wird ein großes Beben - The Big One, wie man in Kalifornien sagt - innerhalb der nächsten drei Jahrzehnte ereignen und so stark sein wie jenes, das 1906 San Francisco zum großen Teil zerstört hat. Die beiden Anlagen produzieren ungefähr 15 Prozent des gesamten kalifornischen Stromverbrauchs. Rund um San Onofre leben etwa sieben Millionen Menschen. Anhängig sind die Laufzeitverlängerungen für zwei Reaktoren des Diablo Canyon-Komplexes. Diese laufen 2024 und 2025 aus. Allerdings dauert die Genehmigung verlängerter Laufzeiten in Kalifornien mehrere Jahre. Die Genehmigung von San Onofre erlischt 2022; bisher ist noch kein Verlängerungsantrag gestellt worden.

Senator Sam Blakeslee sagte im Staatskongress von Kalifornien: „Die grundlegende Frage ist, ob diese Anlagen wirklich in der Nähe von aktiven Erdbebenverwerfungen stehen müssen und ob sie sicher betreiben werden können. Angesichts dessen, was in Japan geschieht - warum sollte irgendwer die Erlaubnis geben, dass diese Kraftwerke weiterlaufen, bis jede Frage beantwortet ist?”

Viele Störungen in der Vergangenheit

In bisherigen Berichten wurde zahlreiche Fehler in San Onofre festgestellt, vom Ausfall der Notgeneratoren, falsch eingebauten Batterien, die seit vier Jahren nicht mehr betrieben werden konnten, gefälschten Feuer-Berichten und ähnliche Vorkommnisse. In der Anlage Diablo Canyon fanden die Inspektoren festsitzende Sicherheitsventile, die seit mehr als einem Jahr nicht mehr funktionieren. Diese sollen im Fall einer Havarie Kühlmitteln in die Reaktoren pumpen.
Senator Blakeslee ist seit langen Jahren als Kritiker von Diablo Canyon bekannt. Er machte sich große Sorgen, sagte er, warum die beiden Anlagen seit 2008 nicht auf einen Bericht reagiert haben, der Studien über die Sicherheit aufgrund der Lage auf einer erdbebengefährdeten Bodenverwerfung verlangte. 2009 hat der kalifornische Kongress die Studie per Gesetz in Auftrag gegeben, aber der damals amtierende Gouverneur Arnold Schwarzenegger stoppte die Ausführung mit seinem Vetorecht.

James Becker, Vizepräsident von Diablo Canyon, sagte: „Unsere geologischen Experten haben nach dem neuesten Stand der Wissenschaft festgestellt, dass sich alle Beben der nahe legenden Erdbebengräben sind innerhalb der Sicherheitsgrenzen bewegen würden. Diablo Canyon ist erdbebensicher.”

Keine Verstrahlung aus Japan

Nach dem starken Erdbeben in Japan hat das Weiße Haus die US-Atombehörde angewiesen, alle 104 Kernkraftwerke der Vereinigten Staaten neu zu überprüfen. Allerdings haben sowohl Wissenschaftler als auch der renommierte Umweltschutzklub Sierra Club Bedenken gegen die Prüfpraxis der US-Umweltbehörde EPA geäußert. „Es ist enttäuschend”, sagte der Kalifornien-Direktor des Sierra Clubs, Bill Magavern. „Ich habe den starken Verdacht, dass die EPA durch jene in der Bundesregierung zum Schweigen gebracht wird, die nicht wollen, dass der umfangreich mit Steuergeldern subventionierten Expansion der Atomkraft in diesem Land irgend etwas im Wege steht.”

Die EPA hat inzwischen mitgeteilt, dass neue Monitore zur Feststellung von Radioaktivität in Kaliforniens größten Städten von Los Angeles, Fresno und Sacramento, bis San Francisco, San Jose und San Diego installiert worden sind. Diese haben nur harmlose aus Japan herüberwehende Strahlungen registriert. „Die Dosierungen an Radioaktivität, die Menschen aus natürlichen Quellen wie Felsen, Bauwerken, der Sonne und anderem abbekommen, sind 100.000-fach höher, als die Partikel und Gas, die in Kalifornien entdeckt worden sind”, erklärte die EPA.

Bild: Pacific Gas & Electric Co.

 

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