Nur 30 Meilen nördlich von Manhattan steht das Atomkraftwerk Indian Point. Gouverneur Cuomo hat angesichts der Ereignisse in Japan eine Sicherheitsüberprüfung und die Schließung verlangt. Der bisher unerschütterlich scheinende Glaube an die Kernenergie als saubere, zuverlässige und sichere Quelle der Stromversorgung hat in den Vereinigten Staaten Risse bekommen. Die Angst vor einem atomaren Störfall wie im japanischen Atomkraftwerkskomplex Fukushima in einem der 104 US-Nuklearkraftwerke nimmt mit Dauer und Häufigkeit der Fernsehbilder über die Katastrophe in Japan zu. Parlamentarier wie Umweltschützer nehmen dies zum Anlass, die Kernkraftwerke schärfer zu kontrollieren. Und das Weisse Haus hat versichert, dass man auf die Sorgen hören werde. Besonders alarmiert ist die Bevölkerung, seit die Regierung den in Japan lebenden Amerikanern geraten hat, sich mindestens 80 Kilometer von den Fukushima-Reaktoren fernzuhalten. Für gewöhnlich hält die US-Atombehörde 16 Kilometer Abstand von einer Nuklearkatastrophe für ausreichend. Die Sorgen in Amerika nehmen angesichts der Bilder von den hilflos wirkenden Versuchen japanische Hubschrauberpiloten, mit Wasserabwurf aus der Luft die Brennstäbe in Fukushima zu kühlen. Von New York bis Kalifornien verlangen Politiker und Umweltaktivisten, alte AKWs ganz zu schließen und jene besser zu kontrollieren, die – wie die japanischen – in erdbebengefährdeten Landstrichen liegen. New Yorks Gouverneur Andre Cuomo forderte am Mittwochabend die sofortige Stillegung des Kernkraftwerks Indian Point in Westchester County, etwa knapp 50 Kilometer nördlich von New York City. In einem Bericht der Bundesbehörde war dieser Standort als der durch Erdbeben am stärksten gefährdete aller 104 Atomkraftwerke bezeichnet worden. Die Anlage steht demnach über einem Grabenriss, bei dem zwei Gesteinsschichten aufeinander stoßen, ähnlich dem immer wieder von Erdbeben erschütterten Andreas-Graben in Kalifornien. „Das muss geschlossen werden“, sagte Cuomo. „Dieses Kraftwerk in der Nähe der Stadt war von Anfang an ein zu hohes Risiko.“ Kabel nur 27 Minuten feuerfestErst vor zwei Wochen hatte ein Bundesrichter den Weiterbetrieb von Indian Point gestattet und die Schließungsklage eines früheren Staatsabgeordneten abgewiesen, der die Stilllegung verlangt hatte, weil die Kabel zur Kontrolle der Reaktorkühlung nur für 27 Minuten lang einem Feuer standhalten würden. Mit diesen wenig feuerfesten Kabeln werde das Abschalten des Reaktors gesteuert, sagte Richard Brodsky, ehemaliger demokratischer Abgeordneter des New York State-Kongresses. „Man kann die Sicherheit von New York nicht darauf aufbauen, dass die Feuerwehr in 25 Minuten vor Ort ist. Die Folgen wären ungeheuerlich.“ Die 40 Jahre alte Anlage hat eine Geschichte zahlreicher Störfälle, von Austritt von Radioaktivität, Ausfall der Warnsysteme bis zu Explosionen. Nach den Anschlägen vom 11. September 2001 wurde festgestellt, dass das Dach durch Erosion so schwach geworden war, dass es dem Aufprall eines entführten Flugzeugs nicht mehr widerstanden hätte. „Das ist einer der schlechtesten Standorte“, sagte Paul Gallay, Direktor der Umweltgruppe Riverkeeper aus New York, die sich dem Schutz des Hudson Rivers zum Ziel gesetzt hat. „Es gibt rund 20 Millionen Menschen innerhalb von 50 Meilen rund um Indian Point. Das ist eine größere Dichte als um die Anlagen in Japan.“ Besorgnis in San Diego und VermontÄhnlich skeptische Äußerungen waren bei einer Anhörung im US-Senat am Mittwoch zu hören. Dort wurden Energieminister Steven Chu und der Leiter der Atombehörde Gregory Jaczko zu einem Bericht gehört, laut dem ein Atomkraftwerk nahe San Diego an der mexikanischen Grenze nicht sicher ist. „In diesem Bericht steht, dass San Onofre „grössere und häufigere“ Erdbeben erleben könnte als die Stärke sieben, die beim Bau zugrunde gelegt wurde“, sagte die demokratische Senatorin Barbara Boxer aus Kalifornien. Rund um die Anlage San Onofre leben in einem Radius von 80 Kilometern rund 7,4 Millionen Menschen. Jaczko versicherte, dass das AKW verstärkt worden sei und mit Erdbeben oder einem Tsunami fertig würde. In derselben Anhörung forderte der unabhängige Senator Bernard Sanders aus Vermont Minister Chu – ein Nobelpreisträger für Physik – und Jaczko auf, die 20-Jahres-Genehmigung für das AKW Vermont Yankee am Connecticut River zu überdenken. Die Menschen in Vermont hätten sich schon vor der Katastrophe in Japan Sorgen um die Sicherheit der Anlage gemacht, sagte Sanders. „Heute haben sie noch viel mehr Angst.“ Energieminister Chu sicherte vor dem Kongress zu, dass alle amerikanischen Kernkraftwerke überprüft würden. „Wir sehen uns sehr, sehr genau an, was in Japan geschieht und wir ziehen unsere Lehren daraus.“ Bild: Governor Andrew Cuomo (Flickr.com)
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