Die Angst vor den Folgen von Erdbeben und Tsunami veranlasst viele Ausländer, Japan zu verlassen. Besonders eilig hat es die deutsche Regierung, ihre Bürger zurückzuholen. Unterdessen versuchen auch viele Japaner, in den sicheren Süden des Landes zu gehen.
Ausländer verlassen die Katastrophenregion rund um Sendai im Norden Japans. Rund 100 Deutsche sowie Angehörige anderer Nationalitäten wurden am Montagabend aus der Millionenstadt mit Busen der Deutschen Botschaft und unter Begleitung des deutschen Technischen Hilfswerks (THW) aus dem Krisengebiet Miyagi evakuiert. Mit drei Bussen wurden Familien und Studenten durchs gesamte Krisengebiet in sechs Stunden nach Tokio in die Deutsche Botschaft gebracht. Für viele war dies die einzige Möglichkeit, die Krisenregion zu verlassen, da viele andere Nationen auf die unmittelbare Evakuierung ihrer Staatsangehörigen bisher verzichtet. Korea und die USA haben in Sendai immerhin Aussenstellen ihrer Botschaften eingerichtet.
Benzinvorrat geht zuende
Währenddessen bleibt die Lage im Nordosten Japans weiterhin angespannt. Die Opferzahlen wachsen stündlich. Allein in Miyagi werden mehr als 10.000 Tote erwartet. Auch die Situation um den Krisenreaktor in Fukushima bleibt weiterhin ernst. Allerdings wird die Angst vor einer Explosion des Kernkraftwerks in Tohoku von den Schrecken und Anstrengen der Erdbeben und Tsunami-Katastrophe vom Freitag überdeckt. Viele Menschen harren weiterhin in Notlagern aus. Die Versorgungslage bleibt weiterhin angespannt. Am Montag ging der Benzinvorrat in Sendai zu Ende. Auch das kalte und nasse Wetter erschwert den ohnehin mühsamen Alltag der Menschen in der Krisenregion sowie den tausenden Helfern bei ihren Bergungsarbeiten. Fast eine halbe Million Menschen mussten ihre Wohnungen verlassen, allein in Sendai leben 90.000 Menschen in Notunterkünften.
Hoffnung, noch Überlebende zu bergen, hat jedoch kaum jemand mehr. Die Anstrengungen die Situation in der Krisenregion zu mildern, laufen unterdessen auf Hochtouren. Auf der Fahrt südwärts Richtung Tokio auf den weiterhin gesperrten Autobahnen begegnen einem lange Lastwagenkolonnen mit Hilfslieferungen und schwerem Bergungsgeräte in Richtung Krisenregion.
Tokio bereitet sich auf die Wolke vor
Auch in Tokio, das vom Erdbeben weniger stark und vom Tsunami kaum getroffen worden ist, müssen die Menschen mit den Folgen der Naturkatastrophe kämpfen. Seit dem der Krisenreaktor in Fukushima des Energiebetreibers TEPCO vom Netz ist, wird in der Hauptstadt der Stromverbrauch durch Stromsperren gedrosselt. Bahnverbindungen werden reduziert und Arbeitszeiten gekürzt.
Das Fernsehen zeigt inzwischen immer wieder, wie man sich im Fall einer radioaktiven Wolke verhalten sollte: möglichst in geschlossenen Räumen bleiben, kein Wasser aus der Wasserleitung trinken. Entsprechend sind neben vielen Lebensmitteln auch Wasserflaschen aus vielen Supermärkten verschwunden.
Wer kann, verlässt die Hauptstadtregion mit ihren 30 Millionen Einwohnern und geht in den Süden. Auch von den evakuierten Ausländern aus Sendai versuchen viele für die Dauer der nächsten Wochen Unterkunft bei Bekannten und Freunden in Osaka und anderen Orten in Südjapan zu finden, bis sich die Lage in Sendai und Umgebung wieder entspannt hat.
„Hauptsache weg“
Diejenigen Ausländer, die Japan verlassen wollen, werden unterdessen von ihren Botschaften betreut. So wurden die Deutschen in einem von der Botschaft vorbereitetes Hotel untergebracht, während Botschaftsangehörige anderer Staaten ihre Landsleute in Empfang nahmen. Finnische Botschaftsangehörige, die ihre Staatsangehörigen in der deutschen Botschaft in Empfang nahmen, bedankten sich mit den bewegten Worten "Thank you Germany" für die Evakuierung aus Sendai. Andere, etwa Briten und Chinesen, mussten vergeblich um Bemühungen ihrer Botschaften warten. Aber auch ihnen wurde nach Ankunft in der Deutschen Botschaft geholfen.
Das nächste Nadelöhr ist der internationale Flughafen in Narita. Dort kommen inzwischen tausende von Ausländern an, die vor den Folgen der Naturkatastrophe flüchten. Doch das ist nicht einfach. Vor den Schaltern bilden sich lange Schlangen, die Menschen hoffen auf Tickets. Manche Flüge wurden gestrichen, die anderen sind überfüllt. Die Lufthansa hat am Dienstag abend entschieden, die für Narita bestimmten Flüge nach Nagoya umzuleiten. Doch die Zugverbindung dorthin wurde wieder eingestellt, da in Nagoya erneut die Erde gebebt hat.
Einige Chinesen am Ticketschalter bemühten sich um einen Flug raus aus Japan - "wohin?", "Egal! Hauptsache weg."
Bild: Szenen aus dem Narita Flughafen in Tokio (http://www.flickr.com/photos/freshyk/).
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