Minergie lanciert einen neuen Standard. „Minergie A“ soll künftig Nullenergiehäuser auszeichnen, die ihren Energieverbrauch massiv senken und den Rest aus erneuerbaren Quellen selber erzeugen.
Ein neues Label zeichnet ab sofort Neubauten aus, die ohne Energie von aussen auskommen. Das Label Minergie-A erhalten Gebäude, die fast keine Energie brauchen und ihren minimalen Energieaufwand vollständig durch erneuerbare Energien decken können. Beispielsweise durch Sonnenergie und Biomasse, durch Erdwärme und Wärme aus der Aussenluft. Minergie-A heisst Autonomie: Ein Haus produziert mehr Energie, als es tatsächlich braucht. Für die Gebäudehülle gelten die üblichen Anforderungen, die der Minergie-Basisstandard stellt; die Wärme muss also gedämmt werden. Gleichzeitig muss ein Minergie-A-Haus auch die Anforderungen eines besonders niedrigen Energieverbrauchs von Minergie-P erfüllen. Dazu kommt nun die Energiebilanz, die am Ende eines Jahres mit einer Null abschliessen muss. Das enthält auch Regelungen für die Graue Energie und den Haushaltsstrom eingehalten werden. Ein dickes Paket also, das am Donnerstag an der ersten Minergie-Messe in Luzern vorgestellt worden ist. Zusätzlicher Anreiz für BauherrenAngesichts der neuen Vorgaben, die ab 2020 für EU-Mitgliedsstaaten gelten und die für Neubauten einen Energieverbrauch von fast Null verlangen, agiert Minergie mit dem neuen Label in einer bereits vorgegebenen Richtung. Doch Minergie geht noch etwas weiter – und setzt die neuen Ziele vor allem schneller um. Heinz Tännler, Präsident von Minergie und Regierungsrat des Kantons Zug, betonte bei der Eröffnung der Minergie-Messe, die Vorgaben ab 2020 forderten von allen ein hohes Umsetzungstempo. Aber braucht es ein solches Label überhaupt? Weist die Entwicklung nicht ohnehin und auch ohne Label in die Richtung von Nullenergiehäusern? „Solche Labels sind eine wichtige Motivation und Aufforderung zum nachhaltigen Bauen. Darum sind sie wichtig“, sagt Tännler. Er ist überzeugt, ein zusätzlicher Anreiz sei nach wie vor nötig, da viele Bauherren nicht von sich aus nachhaltig bauen würden. Entwicklung koordinierenDass aber durch die Lancierung eines neuen Minergie-Labels das Angebot im Labelmarkt nicht übersichtlicher wird, ist Tännler bewusst. Es gibt von Minergie bereits das Basis-Minergie-Label, Minergie-P, Minergie-ECO und Minergie P-ECO. Neben den Labels von Minergie gibt es national und international noch rund 100 andere. „Wir müssen aufpassen, dass es keinen Labelsalat gibt“, sagt Tännler. Darum hat sich eine Gruppe von Fachleuten zusammengetan. Sie will die Entwicklung koordinieren und darauf reagieren, dass immer mehr Labels auch aus dem Ausland in die Schweiz drängen. „Es ist klar, dass alle ein ähnliches Ziel haben. Es geht überall um nachhaltiges Bauen. Da macht es Sinn, dass man die Köpfe zusammensteckt. Und wer weiss, vielleicht resultieren daraus auch Kooperationen“, so Tännler. Klarer Katalog von KriterienTrotz der Gefahr eines „Labelsalats“ erklärt Minergie, mit dem neuen Label etwas Ordnung schaffen zu wollen: „Es gibt viele Projekte, die in diese Richtung arbeiten. Wir wollen die Kräfte fokussieren und eine unnötige Begriffsvielfalt vermeiden“, sagt Ruedi Kriesi, Mitgründer und Vizepräsident von Minergie. Mit den Projekten meint Kriesi Bauten, die beispielsweise unter dem Begriff Nullenergie, Pluseneregie oder ähnlichen bekannt wurden. Bastian Burger, der das Minergie-A-Label mitentwickelt hat, ergänzt: „Bei den Begriffen, mit denen bisher gearbeitet wurde, war nie richtig klar, welche Kriterien die Bauten explizit erfüllen. Nun haben wir einen klaren Kriterienkatalog und alle, die von Minergie-A sprechen, sprechen vom Gleichen.“ Den Bauvorschriften einen Schritt vorausDer Bedarf für ein neues Label entstand laut Kreisi auch durch den Erfolg, der Minergie bisher beschert war: Rund 25 Prozent aller Neubauten werden nach Minergie-Standards gebaut. Die staatlichen Vorschriften nähern sich immer mehr den Kriterien für die herkömmlichen Labels an. „Der Schritt zwischen vorschriftsgemässem Bauen und der Zertifizierung durch Minergie wird immer kleiner“, so Kriesi. Nun müsse man sich noch mehr anstrengen, um das Minergie-A-Label zu erreichen. „Ich freue mich, dass wir bereits soweit sind, dass wir einen Nullenergie-Standard einführen können“, sagt er. Vielfalt an der MesseZur Lancierung des neuen Labels nutzte Minergie die erste Stunde der ersten Schweizer Minergie-Expo. In der Messe Luzern öffnete die Messe erstmals ihre Tore. Messeleiter Marco Biland von ZT Fachmessen betont, dass dort auch Aussteller zu finden seien, die nicht Minergie-Partner sind. „Es geht bei dieser Messe um energetisch sinnvolles Bauen, da haben auch Anbieter Platz, die nicht mit Minergie arbeiten“, sagt er. Mit 247 Ausstellern an der ersten Minergie-Messe ist die Vielfalt gross. „Die Idee stösst auf Anklang. Wir werden diese Messe ab sofort alle zwei Jahre durchführen“, so Biland. Die diesjährige Messe dauert noch bis Sonntag. Bild: Monte-Rosa-Hütte (ETH Zürich)
|