Nigeria baut Petrochemie aus

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Geschrieben von: Kristin Palitza, Kapstadt 09.03.11
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Nigeria plant acht neue Industrieanlagen, um das öl- und gasreiche westafrikanische Land zum petrochemischen Angelpunkt der Region zu verwandeln. Von 2020 an will man keine Mineralölerzeugnisse mehr importieren müssen.

Obwohl Nigeria Afrikas größter Energieerzeuger ist, muss das Land momentan den Großteil seiner Kraftstoffe importieren, da seine eigenen Raffinerien sich in desolatem Zustand befinden. Die Ankündigung des Baus von acht neuen Industrieanlagen ist ein strategischer Aspekt in Präsident Goodluck Jonathans Kampagne für die Wahlen am 9. April.

300.000 Arbeitsplätze versprochen

Die Regierung habe den Bau einer ersten petrochemischen Anlage genehmigt. Zwei Düngemittelfabriken sowie fünf Düngemittel-Mischanlagen seien auch geplant, erklärte Mineralölministerin Diezani Alison-Madueke. Die Errichtung der Anlagen werde 300.000 Arbeitsplätze schaffen, versprach sie. Die Pläne sind Teil der nigerianischen Industrialisierungsstrategie, die vor allem Lagos in eine globale Megastadt verwandeln soll. Die Regierung werde in den kommenden Wochen verbindliche Vereinbarungen mit einem Konsortium internationaler Öl- und Gasfirmen treffen, erklärte die Ministerin. Momentan pumpen Exxon Mobil Corp., Royal Dutch Shell, Chevron Corp., Total SA and Eni SpA in einem Jointventure mit der staatseigenen NNPC circa 90 Prozent von Nigerias Öl.

Reformen sind überfällig

Nur wenige Tage zuvor hatte die Ministerin die NNPC als „uneffizient” bezeichnet und wegen „mangelnder Transparenz ihrer Tätigkeiten” kritisiert, berichtete die Zeitung Nigerian Tribune. Danach sagte Alison-Madueke in der Hauptstadt Abuja, der Öl- und Gassektor müsse dringend reformiert werden. „Um Rechenschaftspflicht in dem Sektor zu erzielen, muss die Regierung entscheidende Reformen durchführen”, sagte sie.

Unter anderem soll ein geplantes neues Mineralölgesetz sicherstellen, dass Regierungseinnahmen demnächst 490 Milliarden Euro erreichen, was dem Land helfen werde, die nationale Ölindustrie weiter anzukurbeln. Laut Angaben von Alison-Madueke nimmt Nigeria zurzeit durchschnittlich 204 Millionen Euro pro Tag durch die Rohölproduktion ein.

Finanzierung kommt auch aus China

Alison-Madueke gab keine näheren Erklärungen zur Finanzierung der acht neuen Anlagen. Vier der Bauprojekte - der petrochemische Komplex sowie drei weitere Raffinerien - sollen von der China State Construction Engineering Corporation (CSCEC) finanziert werden, die im Mai 2010 ein 20,6 Milliarden-Abkommen mit der Nigerian National Petroleum Corporation (NNPC) unterzeichnete.
Die drei Raffinerien sollen täglich circa 750.000 Barrel Rohöl verarbeiten. Die petrochemische Anlage wird hingegen Polymere, Lösungsmittel und gas-stämmige Düngemittel für den landwirtschaftlichen Sektor produzieren. Damit soll Nigeria rund acht Milliarden Euro an der Einführung von Düngemitteln und anderen Chemikalien sparen.

Die Raffinerien sollen in der Handelshauptstadt Lagos, der Nordostregion Kebbi und in Jonathans Heimatprovinz Bayelsa im Herzen des Niger-Deltas errichtet werden. Zusätzlich sollen in den Provinzen Ogun und Ondo zwei neue Flüssiggasanlagen entstehen. Der Standort der petrochemischen Anlage ist noch nicht festgelegt worden.

Lagos kann wahlentscheidend sein

Jonathan muss vor allem seine Popularität in der Provinz Lagos stärken, wo er momentan nur wenig Unterstützung findet. Am Dienstag hielt der Präsident eine Wahlkampfansprache auf einem nahezu leeren Tafawa Balwea Square in der Großstadt. Die leeren Tribünen verdeutlichten die Unbeliebtheit des ehemaligen Meeresbiologen in einem der wichtigsten der 36 Wahlbezirke des Landes. Der Bundesstaat Lagos hat zwischen 14 und 18 Millionen Einwohner und ist die Hochburg der Oppositionspartei Action Congress of Nigeria.

Trotz der schwachen Zuschauerzahl, zeigte sich Jonathan so selbstbewusst wie immer. „Lagos ist keine Provinz, die wir verspielen werden”, erklärte er. „Wir haben keine Feinde. Wir müssen niemanden bekämpfen.”

Qualität wie libysches Öl

Jonathans Wahlkampf scheint außerdem von den politischen Unruhen Libyens zu profitieren. Nach Monaten niedriger Produktion wird erwartet, dass die Rohölexporte der westafrikanischen Nation im April steil ansteigen werden. Nigerias Rohöl ähnelt der Qualität des libyschen Produkts und hat daher großes Interesse bei den Ölkonzernen geweckt, die in den letzten Wochen Schwierigkeiten hatten, den Rohstoff aus Nordafrika zu beziehen.

Die ansteigende Rohölnachfrage, verbunden mit dem Plan, die nigerianische Öl- und Gasindustrie mit neuen Anlagen zu stärken und tausende von Arbeitsplätzen zu schaffen, könnte Jonathans Ansehen im Land erhöhen.

Bild:  Nigerian Crude Oil and Gas

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