Wer die Energie der Sonne nutzt, belastet die Umwelt nicht. Das ist Klimaschutz konkret. Deshalb werden Bauherren in dieser Hinsicht auch finanziell unterstützt. Wo aber noch Stolpersteine liegen, erklärt David Stickelberger von Swissolar.
Nathalie Schoch: Wie hoch liegt derzeit der Anteil Sonnenenergie am produzierten Strom in der Schweiz? David Stickelberger: Solarstrom – Photovoltaik - liefert zurzeit knapp 0.1 Prozent des schweizerischen Strombedarfs. Zum Vergleich: In Bayern sind es bereits drei Prozent - Sonnenkollektoren liefern in der Schweiz rund 0.3 Prozent des Wärmebedarfs (in Form von Warmwasser und Heizenergie). In Österreich sind es schon weit über einem Prozent. Nathalie Schoch: Was wird unternommen, damit der Anteil noch weiter steigt? David Stickelberger: Was den Solarstrom betrifft, so braucht es weitere Anstrengungen bei der Forschung mit den Zielen höhere Wirkungsgrade und tiefere Kosten einerseits und dem Aufbau funktionierender Märkte andererseits. Die wirksamste Massnahme für letzteres ist die kostendeckende Einspeisevergütung. Wer Solarstrom ins Netz einspeist, erhält während 20 bis 25 Jahren pro Kilowattstunde einen fixen Preis. Leider hat die Schweiz dieses Instrument nur halbherzig eingeführt: Die verfügbaren Mittel sind zu knapp. Bei der Solarwärme gibt es seit diesem Jahr in allen Kantonen Förderbeiträge. Überall ausser in Luzern sind zudem Steuerabzüge möglich. Das reduziert die Anlagekosten um durchschnittlich rund ein Drittel. Verwandte Themen| { Solarthermie auf Erfolgskurs, 22.02.11 } | | { Ökostrom wird wettbewerbsfähig, 13.01.11 } | | { Wüstenschildkröten müssen umziehen, 10.01.11 } | | { Solarstrom wird billiger, 19.11.10 } | | { Der Wind dreht sich, 21.10.10 } | | { Solarmarkt bereit zu explodieren, 18.10.10 } | | { Solarstrom soll die USA erobern, 07.10.10 } | | { Solarpreis geht an die Migros, 07.09.10 } | | { Schweiz droht Abhängigkeit , 19.04.10 } | | { Solarinseln kommen aufs Dach, 29.03.10 } | | { Erfolgreich wachsen mit Sonne, 12.03.10 } |
Nathalie Schoch: Ist man heute bereits an der Grenze der technischen Möglichkeiten bei der Solarenergie?
David Stickelberger: Bei der Photovoltaik ist eine rasante technische Entwicklung zu erwarten. Neue Technologien, die jetzt erst im Labor funktionieren, werden breit angewendet. Die Entwicklung neuer Produktionstechnologien wird die Preise senken, jährlich mindestens um 10 Prozent. Bei der Solarwärme sind in nächster Zeit hingegen keine grossen Technologiesprünge zu erwarten. Nathalie Schoch: Bund wie Kantone unterstützen Bauherren mit Förderprogrammen, um den Bau oder die Sanierung mit Sonnenkollektoren zu forcieren. Gibt es diesbezüglich noch Handlungsbedarf? David Stickelberger: Die kostendeckende Einspeisevergütung für Solarstrom auf Bundesebene hat aufgrund der begrenzten Mittel einen Konstruktionsfehler. Wir müssten wie in Deutschland den Deckel aufheben, wodurch ein rasantes Wachstum zu erwarten wäre. Es gibt Tausende von Bauherren, die jetzt ihre eigene Photovoltaik-Anlage bauen möchten. Die Förderung von Sonnenkollektoren auf Kantonsebene ist zurzeit zufriedenstellend. Verbesserungsbedarf gibt es bei der Förderung grosser Anlagen sowie teilweise bei der Bewilligungspraxis. Nathalie Schoch: Mit welchen Vorteilen kann die Sonnenenergie überzeugen? David Stickelberger: Sie ist fast unbegrenzt verfügbar und kann praktisch ohne Emissionen genutzt werden. Sie ist die wichtigste Stütze der zukünftigen weltweiten Energieversorgung. Nathalie Schoch: Wo liegen heute noch die Stolpersteine? David Stickelberger: Leider sind die Kosten der Solarenergie immer noch hoch – jedenfalls im Vergleich zu den Kosten der nichterneuerbaren Energien, die jedoch die durch ihre Nutzung verursachten Schäden nicht widerspiegeln, etwa den Klimawandel. Benzin und Heizöl müssten sehr viel teurer sein. Ein weiterer Stolperstein ist die zeitliche Verfügbarkeit der Solarenergie: Hier braucht es Lösungen zur Speicherung von Wärme und Strom. Nathalie Schoch: Wo steht die Sonnenenergie in zehn Jahren? David Stickelberger: Solarstrom vom eigenen Dach ist in zehn Jahren für den Hausbesitzer in fast ganz Europa billiger als der Strom vom Netz. Das wird zu einem enormen Boom führen. Die Promotoren neuer Atomkraftwerke werden in einen grossen Argumentationsnotstand geraten – zusätzlicher Atomstrom wird nicht mehr nötig und zudem preislich nicht mehr konkurrenzfähig sein. Es wird eine Vielfalt neuer Kollektoren und Module erhältlich sein, die sich auch für die Integration in bestehenden Gebäuden eignet. Zur Person: David Stickelberger ist Geschäftsleiter von Swissolar. Swissolar ist der Schweizerische Fachverband für Sonnenenergie. Hier laufen die verstärkten Aktivitäten zur Nutzung der Sonnenenergie. Der Verband zählt mittlerweile rund 250 Mitglieder und ist der Dienstleister für Information, Bildung und Qualitätssicherung. Zudem ist er das Sprachrohr für politische Anliegen.
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