Obama dreht den Ölhahn auf

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Geschrieben von: John Dyer, Boston 02.03.11
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Kaum sind alle Vögel nach der Öl-Katastrophe im Golf von Mexiko gewaschen, haben die US-Behörden dort wieder eine Tiefseebohrung genehmigt. Der Schock der Deepwater Horizon-Explosion vom April 2010 kommt nicht gegen augenblickliche Öl-Ängste wegen Nordafrikas Unruhen an. Doch die Sicherheitsvorkehrungen seien verstärkt worden, heisst es.

Präsident Obama hat den Weg frei gemacht zu neuen Tiefsee-Ölbohrungen im Gold von Mexiko. Dort hatte sich nach der Explosion und dem Sinken einer Förderplattform vor der Küste von Louisiana die bisher größte Umweltkatastrophe in der amerikanischen Geschichte ereignet, als 790 Millionen Liter Rohöl ins Meer flossen. Die Bohrgenehmigung ist an strengere Sicherheitsauflagen für die Betreiberfirma gebunden. Die gelten auch für die weiteren Anträge von Ölfirmen, die dem Meeresamt der USA, dem United States Bureau of Ocean Energy Management, Regulation and Enforcement, oder BOEMRE, vorliegen.

Bohren mit neuen Sicherheitsstandards

Die Meeresbehörde genehmigte zu Wochenbeginn den Bohrantrag der Firma Noble Energy aus Houston in Texas. Sie will etwa 110 Kilometer vor der Küste Louisianas in fast zwei Kilometern Tiefe (6500 Fuss) aus einer Öllagerstätte Rohöl abpumpen. Damit werden die Arbeiten an dieser Stelle wieder aufgenommen, die im April 2010 begonnen worden waren aber zwei Monate späte auf behördliche Anweisung wegen dem Unglück auf der von BP betriebenen „Deepwater Horizon” eingestellt werden mussten. BOEMRE-Direktor Michael Bromwich sagte, die erneuerte Genehmigung sei möglich geworden, weil die Firma Noble sich an strengere Sicherheitsvorkehrungen gehalten habe. Auch sei die geologische Formation an der Bohrstelle vor der Freigabe intensiv getestet worden. „Die Genehmigung wurde aus einem einfachen Grund erteilt: der Betreiber hat gezeigt, dass er seine Tiefseequelle sicher betreiben kann und dass er in der Lage ist, bei einem Ölaustritt unter Wasser dieses auffangen kann”, sagte Bromwich. „Wir erwarten, dass weitere Tiefsee-Genehmigungen in den kommenden Wochen und Monaten ausgesprochen werden, die auf denselben Grundlagen beruhen wie diese Genehmigung jetzt.”

Sicherheitsvorkehrungen für Unterwasser-Havarie

Noble hat mit der Spezialfirma Helix Well Containment Group aus Houston einen Vertrag geschlossen, der das Auffangen von bis zu 70.000 Barrel (mehr als elf Millionen Liter) pro Tag vorsieht, sollte die unterseeische Quelle ausblasen. Helix bringt entsprechende Schutzmechanismen unter Wasser an. Das Bohren an der jetzt genehmigten Stelle soll noch im März beginnen.
 Die Regierung Obama hat schon fast 40 Bohr-Genehmigungen für Quellen im flacheren Wasser bis etwa 500 Fuss (160 Meter) erteilt. Dafür sind keine extremen Sicherheitsvorkehrungen wie für Tiefseequellen notwendig, weil die Bohrlöcher im Falle einer Havarie leichter zugänglich sind. Weiter sind Modifizierungen an 200 in Betrieb befindlichen Tiefseeplattformen genehmigt worden, mit denen die Sicherheit verbessert werden soll.
Das amerikanische Erdölinstitut American Petroleum Institute (API) begrüßte die Entscheidung, machte aber darauf aufmerksam, dass zahlreiche andere Firmen auf ihre Genehmigungen warteten. Dringlichkeit sei geboten, sagte API-Präsident Jack Gerard. Während die Ölquellen im Nahen Osten durch die Unruhen dort immer unsicherer würden und die Preise stiegen, werde die US-Ölindustrie durch bürokratischen Papierkram und immer neue Sicherheitsauflagen ausgebremst. „Jede Genehmigung ist willkommen”, sagte Gerard. „Aber die heimische Öl- und Gasindustrie zu drosseln während globaler Unsicherheit und wachsender Nachfrage - das ist eine Katastrophenformel.”

Mehr Genehmigungen erwartet

Republikanische Politiker argumentieren in dieselbe Richtung. Endlich sei die Regierung zur Vernunft gekommen, kommentierte der Senator aus Louisiana, Jeff Landry, die Genehmigung für Noble Energy. „Ich hoffe, dass wir in den nächsten Tagen weitere Genehmigungen seien werden und dass wir, in naher Zukunft, wieder zu der Genehmigungspraxis vor der Ölkatastrophe der Deepwater Horizon zurückkehren werden.”
BOEMRE-Direktor Bromwich wies solche Einwände zurück. Einige Unsicherheiten, die es bei manchen Ölfirmen noch gebe, würden durch die klaren Auflagen in der neuen Genehmigung beseitigt, sagte er. Sie könnten ermutigt werden, bisher zurück gehaltene Anträge zu stellen.
Die Genehmigung aus dem Weißen Haus kam, nachdem ein Bundesrichter in Louisiana die Behörden aufgefordert hatte, Genehmigungen nicht weiter zu verzögern. Derselbe Richter hatte im vergangenen Jahr den von Präsident Obama ausgesprochenen Stopp aller neuen Tiefseebohrungen für verfassungswidrig erklärt. Obama ignorierte diesen Richterspruch allerdings weitgehend.

Bild: Reinigungsaktion nach der Ölkatastrophe vor knapp einem Jahr (BP).

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