Luxus zieht wieder

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Geschrieben von: John Dyer, Boston 22.02.11
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Die USA haben den Weg aus der Krise noch nicht hinter sich. Doch die reiche Oberschicht ist wieder bereit, viel Geld für Luxus auszugeben. Experten hoffen, dass dieses Geld auch die durchschnittlichen Amerikaner erreicht. Denn noch öffnet sich die Einkommensschere und die durchschnittlichen amerikanischen Haushalte haben an Kaufkraft verloren.

Bei einer Arbeitslosigkeit von 9 Prozent sollte man nicht meinen, dass Schweizer Luxusuhren zum Renner werden. Doch weit gefehlt. Der Schweizer Uhrenhersteller Richard Mille hat ausgerechnet jetzt seine Rafael Nadal RM 027 vorgestellt, benannt nach dem spanischen Tennisspieler. Kostenpunkt: 524.000 Dollar (382.000 Euro/597.000 Franken). „Es mag übertrieben sein, mit einem Luxusauto im eigenen Stadtviertel oder vor Kollegen herumzufahren“, sagt Dominique Gerente, Milles Marketingchef für Amerika. „Aber einer Uhr sieht man den Preis ja nicht an. Sie ist viel persönlicher. Mit dieser Uhr werden Sie Mitglied im Klub.“

Deutlich mehr Geld für Luxusgüter

Richard Mille ist nicht allein. Die Beratungsgesellschaft Harrison Group in Connecticut sagt voraus, dass die Ausgaben der Amerikaner für Luxusgüter dieses Jahr um 28 Milliarden Dollar steigen werden. Das spüren etwa auch die Hersteller von Luxuswagen– trotz der Warnung des Uhrenverkäufers. So sind die Verläufe von BMW im vergangenen Jahr um mehr als 20 Prozent gestiegen, diejenigen von Daimler um 11 Prozent. Entsprechend investieren Mercedes-Händler 1,4 Milliarden Dollar, um ihre Schaugeschäfte zu modernisieren. „Das ist eine bedeutende Investition“, sagt Randy Berlin, ein Kenner der Szene in Detroit. „Sie müssen das sichere Gefühl haben, dass am Ende ein Topf Gold auf sie wartet, mit dem sie die Investitionen wieder hereinholen können.“

Die Preise für Ferienhäuser am Cape Cod, der Feriengegend reicher Neuengländer, liegen um 9 Prozent über dem Vorjahresniveau. Auch Luxusketten wie Neiman Marcus, Nordstrom und Saks sind um 10 Prozent gestiegen.

Es darf wieder verschwendet werden

Ein wichtiger Grund für den neuen Hunger auf Luxus ist die Rückkehr der Wall Street, und zwar nicht nur finanziell. „Als Wall Street zusammenbrach, hat das viele der ganz Reichen verunsichert“, sagt Wendy Lieberman, Analyst der Beratungsgesellschaft WSL Strategic Retail in New York. „Dabei ging es nicht nur um Geld. Diese Leute haben aufgehört Geld auszugeben, weil sich das nicht mehr gehörte. Und nun sind sie wieder bereit einzukaufen.“ Mit einem Börsenstand, der um über 80 Prozent über dem Tiefpunkt von 2009 liegt, ist das allerdings auch wieder eher möglich.

Reiche fühlen sich wieder besser

Experten hoffen, dass sich der Kaufrausch der ganz Reichen auf die ganze Wirtschaft auswirkt. Zwar machen die Amerikaner, die mehr als 250.000 Dollar pro Jahr verdienen, nur 5 Prozent der Bevölkerung aus. Aber sie stehen für 40 Prozent des Konsums im Land. Und der Konsum ist der wichtigste Treiber der US-Wirtschaft. Die Reichen fühlen sich auch besser. Nach einer Umfrage vom Merrill Lynch geben 40 Prozent der Wohlhabenden an, dass sie finanziell sicherer dastehen als vor einem Jahr. Allerdings sagten 60 Prozent auch, dass sie nun später in Rente gehen wollten als vor fünf Jahren geplant, als der Aufschwung noch kräftig wirkte. Dennoch, auch diese Leute geben heute wieder Geld aus. Und: „Wenn die Reichen kaufen, dann ist das auch weiter unten zu spüren“, sagt Jim Taylor, Autor des Buches „Verkaufen für die neue Elite“. „Das geht runter bis zum Haushalt, der nur 50.000 Dollar verdient.“

Einkommensschere öffnet sich

Dennoch könnte der neue Kaufrausch zu Spannungen führen. Denn der durchschnittliche Amerikaner hat in der Krise verloren. Das mediane Einkommen sank laut der US-Statistikbehörde 2009 um 2 Prozent auf 50.000 Dollar. In besonders stark betroffenen Städten wie Detroit sank es um 10 Prozent auf 48.500 Dollar.

Die Einkommensschere öffnet sich also wieder. Das wird bei den gegenwärtigen Verhandlungen über eine Reduktion des Haushaltsdefizit eine Rolle spüren. Die USA haben Staatsschulden in Höhe von 14,1 Billionen Dollar angehäuft. Sowohl die republikanische Mehrheit im Repräsentantenhaus als auch Präsident Barack Obama versuchen daher die Ausgaben zu kürzen – nur an unterschiedlichen Stellen. Während die Republikaner die Steuererleichterungen von Obamas Vorgänger George W. Bush erhalten wollen, nennt Obama sie „unfair und unbezahlbar“.

Bild: Der Stardesigner Tom Ford bietet jetzt nicht nur Männerkollektionen, sondern auch Damenkollektionen an - exklusiv und luxuriös (caviar & cashmere).

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