Leverkusen – Neue Wege zur Produktion hochwertiger Kunststoffe mithilfe von Kohlendioxid (CO2) aus der Energiewirtschaft hat Bayer gezeigt. Im Chempark Leverkusen wurde nach Angaben des Konzerns eine Pilotanlage in Betrieb genommen, um das neue Verfahren im technischen Massstab zu erproben. Dort entsteht der Pressemeldung von Bayer zufolge ein chemisches Vorprodukt, in das CO2 eingebunden wird. Diese Substanz werde zu Polyurethanen weiterverarbeitet, die in vielen Dingen des täglichen Lebens Verwendung finden. Das klimaschädliche Abgas CO2 finde so nachhaltige Verwertung als Rohstoff und Erdöl-Ersatz. Das innovative Verfahren sei Ergebnis des gemeinsamen Projekts "Dream Production" von Wirtschaft und Wissenschaft. Bayer arbeite mit dem Energieunternehmen RWE zusammen, von dem das eingesetzte CO2 stamme. Das neue Verfahren leiste in verschiedener Hinsicht einen Beitrag zur Nachhaltigkeit. So könne sich der Einsatz von Kohlendioxid unter anderem als Alternative zum Erdöl erweisen, aus dem die Chemieindustrie bislang hauptsächlich das wichtige Element Kohlenstoff gewinnt. Auch Polyurethane selbst hätten einen positiven Effekt für die Einsparung von Energie und den Schutz des Klimas. Bei der Dämmung von Gebäuden gegen Kälte und Wärme etwa sparen sie rund 70 Mal mehr Energie ein, als für ihre Herstellung aufgewendet wird, schreibt Bayer. Das Land Nordrhein-Westphalen unterstütze – gemeinsam mit Bayer – das Katalysezentrum CAT. Das Projekt "Dream Production" werde mit Bundesmitteln von rund fünf Millionen Euro gefördert. Inklusive der Beteiligung von Bayer und RWE betrage der Gesamtetat für dieses Projekt etwa neun Millionen Euro. Wenn die Erprobungsphase positiv verläuft, soll ab 2015 die industrielle Produktion von Kunststoffen auf CO2-Basis anlaufen, heisst es. Das im Rahmen des Projekts eingesetzte Kohlendioxid stammt aus dem Braunkohlekraftwerk von RWE Power in Niederaußem bei Köln, schreibt Bayer. Dort betreibe der Stromerzeuger in seinem Innovationszentrum Kohle eine CO2-Wäsche, mit der Kohlendioxid aus dem Rauchgas abgetrennt wird. In der Pilotanlage werde mithilfe des Kohlendioxids im Kilogramm-Massstab eine der beiden Komponenten hergestellt, die zur Herstellung von Polyurethanen nötig sind. An einer bereits bestehenden anderen Anlage teste Bayer MaterialScience diese Materialien, aus denen vor allem weicher und harter Schaumstoff gewonnen wird. Der effiziente Einsatz von CO2 sei nur möglich, weil zuvor ein geeigneter Katalysator gefunden wurde, nach dem die Fachwelt vier Jahrzehnte gesucht hatte. Diesen Forschungserfolg hätten Wissenschaftler von Bayer und dem CAT in dem ebenfalls vom Bund geförderten Vorläuferprojekt "Dream Reactions" erreicht. In der aktuellen Initiative "Dream Production" werde am CAT unter anderem die Kompatibilität des Katalysators mit dem Kraftwerks-CO2 geprüft. Die RWTH Aachen University unterziehe das neue Verfahren über alle Stufen einer ökologischen und ökonomischen Gesamtbetrachtung und vergleiche es dabei auch mit herkömmlichen Prozessen und Produkten. (eg)
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