Bulgarien will zum Produktionsstandort für Stromautos werden. Der britische Hersteller Zero Carbon 2020 eröffnet spätestens im Herbst eine Autofabrik. Dort sollen die Schweizer Entwicklung Rinspeed und ein Sportauto hergestellt werden.
Stromautos kommen aus der Nische heraus. Das bietet Platz nicht nur für die grossen Autokonzerne, sondern auch für viele kleine Hersteller. Die britische Zero Carbon 2020 will ab Herbst im bulgarischen Stara Sagora am Fuss des Balkangebirges Stromautos herstellen. Das gab Unternehmensgründer und -chef Jamie Roberts in der bulgarischen Hauptstadt Sofia bekannt. Verwandte Themen| { Ökologisch und schön, 04.02.11 } | | { Paris auf Elektro-Überholspur, 15.12.10 } | | { Mit Strom kommt man weiter, 06.12.10 } | | { 5 Minuten Boxenstopp, 16.09.10 } | | { Grün sind alle meine Autos, 23.07.10 } | | { Tesla zieht es an die Wall Street, 30.06.10 } | | { Alpauffahrt mit 60 E-Autos, 30.06.10 } | | { Elektroauto erobert die Alpen , 10.06.10 } | | { Migros fördert E-Mobilität, 11.05.10 } | | { Stromschlag für Autoindustrie, 04.05.10 } | | { Stromträume auf chinesisch, 10.03.10 } |
Die nächsten Stromautos kommen vom Balkan
In der Anlage, in der zunächst 350 Mitarbeiter beschäftigt werden, sollen zwei Modelle montiert werden: die Schweizer Entwicklung Rinspeed und ein Sportauto. Am Anfang wird die Kapazität mehrere hundert Stück pro Jahr betragen. Bis 2015 soll die Kapazität auf 5000 Stück steigen. Bisher hat Zero Carbon 2020, gegründet 2006, erst 20 Stück hergestellt. „Wir bieten Nischenprodukte an", sagt Roberts bescheiden. „Wir haben keine Ambitionen für eine Massenherstellung." Die Investition in Bulgarien ist mit 50 Millionen Euro (66 Millionen Franken) dennoch beachtlich.
Bulgarien will nach vorn
Das Vorhaben von Roberts geniesst die Unterstützung der bulgarischen Regierung. Das Land wolle eine führende Rolle bei der Innovation in der Elektromobilität spielen, sagte Wirtschaftsminister Traicho Traikow an einer internationalen Konferenz zu Stromautos in Sofia. Er setzt darauf, dass Stromautos ein Massenphänomen auf Europas Strassen werden. Bulgarien solle davon profitieren. Daher versucht Sofia auch andere ausländische Unternehmen zur Ansiedlung zu motivieren. So prüft die britische Liberty Electric Cars Produktionsmöglichkeiten in Bulgarien. Das Unternehmen ist auf die Umrüstung herkömmlicher Autos auf Elektroantriebe spezialisiert. Bereits heute besteht in Bulgarien ein Industriecluster Stromautos. Ihm gehören mehrere Hersteller von Stromautos, Solarbatterien und Aufladegeräten sowie die Akademie der Wissenschaften an. Wenige Tage vor der Konferenz in Sofia gab das Cluster bekannt, dass es ein benzinbetriebenes Auto für nur 4000 Euro in ein Stromauto umgewandelt hat.
Einsatz im eigenen Land fördern
Um Bulgarien zu einem führenden Hersteller von Stromautos und -komponenten zu machen, soll die Verbreitung von Stromern ausgeweitet werden. Das Wirtschaftsministerium hat deshalb eine Arbeitsgruppe eingesetzt, die Möglichkeiten zur Förderung der Einführung, des Kaufs und der Benutzung von Stromautos im Land prüfen soll. Auch die Nutzung von Stromautos im öffentlichen Verkehr werde geprüft. Die erste Ladestation wird in einigen Wochen startbereit sein. Bulgarien hat bisher wenig Glück in der Autoproduktion gehabt. Das soll sich nun ändern.
Bild: Rinspeed (Coop).
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