Optimismus in den Schwellenländern, Pessimismus in den Industrieländern: Die Jugend der Welt sieht der Zukunft geteilt entgegen. Die französische Stiftung Fondapol hat junge Erwachsene in 25 Ländern befragt. Während junge Chinesen oder Brasilianer eine glorreiche Zukunft vorhersehen, sitzen Japaner und Griechen im Stimmungstief. Auch junge Deutsche gehören zu den Pessimisten. Jeder vierte junge Inder träumt davon, berühmt zu werden, aber nur jeder 17. der jungen Erwachsenen weltweit. Nur 39 Prozent der jungen Griechen sind bereit, die Rente der älteren Generationen zu bezahlen, aber fast drei von vier jungen Russen. Und am meisten besorgt über die globale Umweltverschmutzung sind vor Schweden und Kanadiern - die Chinesen. Keine einheitliche Jugend Es finden sich überraschende und aufschlussreiche Ergebnisse in der internationalen Jugend-Studie des französischen Forschungsinstituts Fondapol („Fondation pour l`innovation politique”) über die Befindlichkeit der Generation der 16- bis 29-Jährigen weltweit. 32.700 junge Frauen und Männer in 25 Ländern wurden im vergangenen Sommer vom Meinungsforschungs-Institut TNS Opinion befragen. Das Resultat: Es gibt nicht „die Jugend” an sich. Ihre Ängste, Träume und Ziele hängen eng zusammen mit kulturellen Normen und der wirtschaftlichen Dynamik ihrer Heimat. Wer also sind sie, „die Jugenden” der Welt? Eines zumindest eint sie: Insgesamt erscheinen die jungen Frauen und Männer optimistisch, und erwartungsvoll. Eine große Mehrheit glaubt an eine vielversprechende persönliche Zukunft, doch in der Einschätzung der Entwicklungschancen des eigenen Staates driften sie auseinander in hoffnungsfrohe Optimisten und desillusionierte Pessimisten, die enttäuscht von ihren Regierungen sind; auch von den Medien, denen nur 28 Prozent der jungen Europäer vertrauen. Für viele Politiker sei das ein Schlag ins Gesicht, folgert Fondapol-Direktor Dominique Reynié: „Die Gesellschaft gilt als vielversprechender als der Staat.” Erasmus-Jugend ist europaskeptisch Er gibt auch ein Alarmsignal für die Europäische Union: Sie begeistert nicht einmal mehr die Hälfte der „Generation Erasmus”, die doch oft von erleichterten Studien-, Arbeits- und Reisebedingungen in den Nachbarländern profitiert. Während sich Osteuropäer noch eher als „EU-Enthusiasten” begreifen, leben die größten EU-Skeptiker in Großbritannien, Griechenland, Frankreich - und der Türkei: 62 Prozent der jungen Türken misstrauen der EU. Das geringste Vertrauen in den eigenen Staat haben die jungen Bewohner von Griechenland und Japan, aber auch Deutschland und Frankreich. Rundum-Optimisten in Schwellenländern Ihnen stehen die „Rundum-Optimisten” der aufstrebenden Schwellenländer gegenüber, die Bestnoten für ihr Land wie auch für ihre persönlichen Chancen vergeben: Inder, Brasilianer, Chinesen. Sie illustrieren das Potenzial, das sie ihren an Wirtschaftskraft und Selbstbewusstsein erstarkenden Nationen zutrauen: So ist eine deutliche Mehrheit der Chinesen unter 30 überzeugt, einen gut bezahlten Job zu finden. 40 Prozent wollen sogar ein eigenes Unternehmen gründen - gegenüber nur 17 Prozent in den USA. Und während viele Europäer das Stichwort Globalisierung auch mit Bedrohungen assoziieren, verstehen sie Chinesen, Inder, Brasilianer und Südafrikaner als Chance. Zugleich gestehen auch diese Nationen Einwanderern zu, ihre eigene Kultur zu bewahren und sehen „Multikulti” positiv, während junge Spanier, Deutsche und Franzosen mehr Anpassung von Immigranten erwarten. Eines aber eint „die Jugend”: „Der Triumphzug der Familie ist universell”, sagt Stiftungsdirektor Reynié. Eine eigene Familie zu gründen, gehört zu den wichtigsten Zielen, nicht aber die Frage, ob sexuelle Abenteuer vor oder außerhalb der Ehe erlaubt sein sollen: Während Marokkaner und Inder dies zu 85 bzw. 74 Prozent ablehnen, geben sich die Franzosen, ihrem Ruf entsprechend, weitaus freizügiger: Nur jeder Zehnte hat damit ein Problem. Bild: Yvonne von Hunnius
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