Afrika den Afrikanern

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Geschrieben von: Kristin Palitza, Kapstadt 09.02.11
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In Dakar findet derzeit das Weltsozialforum statt. Das Forum war einst als Antwort der Globalisierungsgegner auf das Weltwirtschaftsforum in Davos entstanden. Hauptthema ist in diesem Jahr, wie die Dominanz der Industrieländer in Afrika gebrochen werden kann. Nicht nur Bodenspekulanten stehen am Pranger.

Der Kampf für die gerechtere Verteilung von Ressourcen ist der Kern der Debatte des elften Weltsozialforums, das derzeit in Senegal stattfindet. Möglichkeiten zu finden, die wirtschaftliche Dominanz von Industrieländern in Afrika zu stutzen standen auch auf dem Programm. Das Weltsozialforum - die soziale Antwort auf das WEF - ist inzwischen zu einem Treffpunkt der weltweiten Bürgergesellschaft geworden, der jedes Jahr auf einem anderen Kontinent stattfindet.

Lula preist Brasilien als Vorbild

Afrikanische Länder sollen Brasiliens Beispiel folgen und eine „grüne Revolution” anstiften, um sich vor steigenden Nahrungsmittelpreisen zu schützen, sagte der ehemalige brasilianische Präsident Luiz Inácio Lula da Silva am Dienstag zu mehr als 50.000 Teilnehmern aus 123 Ländern. Der Begriff „grüne Revolution” bezeichnet gemeinhin die Einführung neuer Technologien in der Landwirtschaft in Entwicklungsländern. „Ohne Nahrungsmittelsouveränität kann es keine Souveränität (im Land) geben”, sagte Lula „Ich bin überzeugt, dass Afrika alle Vorraussetzungen hat, um Brasiliens Weg und seiner grünen Revolution zu folgen.”

Lulas Rede bezog sich auf die jüngste Lebensmittelkrise. Die Preise von 55 Lebensmitteln waren in nur vier Wochen zwischen Dezember und Januar um 3,4 Prozent anstiegen. 2010 waren die Nahrungsmittelpreise schon um ein Viertel teurer geworden. Bereits zwei Jahre zuvor hatte eine Lebensmittel-Krise in einigen Ländern für Unruhen gesorgt. Lula ermutigte Afrikas Länder, sich politisch zu verbünden und Beziehungen mit Entwicklungsländern anderer Kontinente aufzubauen, um sich vom Einfluss der Industriemächte zu distanzieren. „Diejenigen, die uns Lektionen über die Lenkung unsere eigenen Wirtschaften erteilen, waren nicht in der Lage, die Krise, die die gesamte Menschheit betrifft, in ihren eigenen Ländern abzuwenden”, sagte er.

Bodenspekulation ist Neo-Kolonialismus

Das Weltsozialforum sprach sich ausserdem vehement gegen Bodenspekulationen in Afrika durch ausländische Gruppen aus. Dies sei eine Form des Neokolonialismus, hiess es, und besonders mit Hinblick auf die globale Nahrungsmittelkrise verwerflich. Denn die Investoren des Nordens seien hauptsächlich an finanziellen Spekulationen interessiert anstatt in Landwirtschaft zu investieren. Es handele sich um einen zweiten „Wettlauf um Afrika”, der dem Landerwerb europäischer Kolonialmächte im 19. Jahrhundert ähnele. Zwischen August 2008 und Oktober 2009 seien laut Angaben der Weltbank bereits 42 Millionen Hektar Land in Entwicklungsländern aufgekauft worden.

Delegierte von Gewerkschaften kritisierten, dass der Kampf um die Ressourcen des afrikanischen Kontinents zum Nachteil von dessen 680 Millionen Einwohnern sei. „Die Gehälter bleiben niedrig, da Globalisierung keine soziale Dimension hat. Es geht vor allem um den Wettbewerb zwischen und innerhalb von Ländern, multinationales und ausländisches Investment anzuziehen”, sagte Kwasi Adu-Amankwah, Generalsekretär des afrikanischen Zweigs der Konföderation Internationaler Gewerkschaften. „Es ist mehr als dringend, das derzeitige Model der Globalisierung zu ändern und dem Neoliberalismus ein Ende zu setzen, der Millionen Afrikanern in unterfinanzierte Bildungssysteme, schlechte Gesundheitsversorgung und praktisch menschenunwürdige Arbeitsbedingungen gezwungen hat”, fügte er hinzu.

Morales: Kapitalismus stirbt

Das Weltsozialforum, das 2001 als Antwort der Globalisierungsgegner auf das Weltwirtschaftsforum gegründet wurde, das jedes Jahr im Schweizer Skiort Davos stattfindet, beschreibt sich selbst als „anti-neoliberale, anti-kapitalistische und anti-imperiale Plattform”. Die Teilnehmer hatten das sechstägige Treffen am Sonntag mit einem Protestmarsch in Senegals Hauptstadt Dakar begonnen, um Demokratie und bessere Lebensumstände zu fordern. Das Forum findet zum zweiten Mal auf afrikanischem Boden statt. 2007 wurde es in Kenias Hauptstadt Nairobi abgehalten.

Die Unruhen in Ägypten und Tunesien seien klare Anzeichen einer Krise des Kapitalismus, sagte Boliviens Präsident Evo Morales zu den mehr als 10.000 Demonstranten, die das Ende autokratischer Regierungen forderten. Kapitalismus „ist aufgrund von rebellierenden Völkern am Sterben”, meinte Morales. Er bezeichnete Neoliberalismus und Neokolonialismus als menschenfeindlich, da diese entworfen wurden, um die Bodenschätze von Entwicklungsländern zu stehlen.

Bei der Eröffnung des Forums sagte der aus Tunesien stammende Taoufik Ben Abdallah, Afrika sei nicht als „Schlachtfeld einflussreicher Nationen” gedacht. „Afrika kann ein reicher Kontinent sein, wenn ihm erlaubt wäre, seine eigenen politischen und entwicklungspolitischen Richtlinien festzusetzen.”

Bild: Beim Weltsozialforum präsentieren sich dutzende Gruppierungen. (wsftv)

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