Neue Realität

Drucken
E-Mail
Geschrieben von: Simon J. Evenett, Universität St. Gallen 07.02.11
Bookmark and Share
Stichworte:           

«Die besten Pläne von Mäusen und Menschen schlagen oft fehl.» Diese Aussage, ein Zitat aus John Steinbecks Roman «Von Mäusen und Menschen», wird durch nichts besser bekräftigt als durch die Begleitereignisse von Davos 2011: Die reale Welt mischte sich unhöflich in die Medienpläne der Wirtschafts- und Politikeliten ein.

Just wenn sich die Regierungen führender Schwellenländer wie China als stabile Bestandteile der «neuen Realität» (das diesjährige Davoser Thema) darstellen, werden die Präsidenten von Tunesien und Ägypten abgesetzt. Dreissig Jahre alte Annahmen betreffend den Nahen Osten und Nordafrika werden auf den Kopf gestellt und damit das Vertrauen in diese schöne neue Welt unterlaufen.

Im noch näheren Umfeld choreografierten die europäischen Spitzenpolitiker in Davos ihre Verteidigung des Euro. Diese Botschaft wurde durch den vorzeitigen Kollaps der irischen Regierung untergraben. Es werden bald frühe Wahlen stattfinden, und man kann hoffen, dass die Neuverhandlung des Rettungspakets die Hauptforderung der Oppositionsparteien sein wird. All dies wird zu weiterer finanzieller Instabilität führen, während die europäischen Regierungen den vollen Einsatz des von ihnen mit Pauken und Trompeten lancierten Rettungsschirms vertrödeln. Wie schade, dass Davos 2011 nicht benutzt wurde, um ein verstärktes Paket europäischer Reformen zu schnüren – doch einmal mehr wurde die Substanz von plakativen Aussagen verdrängt.

Die Banker hatten ebenfalls eine klare Botschaft an die Davoser Zuhörerschaft: Lasst uns in Ruhe, wir haben genug gelitten! Die Nachricht aus London von möglichen Plänen für eine Aufteilung von Universalbanken (alias «too big to fail») wurde von den Bankern mit Unverständnis quittiert. Die letzte Woche von den CEOs vieler Banken angekündigten siebenstelligen Boni passten überhaupt nicht mit den Entbehrungen zusammen, mit denen sich viele Haushalte konfrontiert sehen.

Zur Person:
Der Brite Simon Evenett, Jahrgang 1969, ist Professor für Internationalen Handel und wirtschaftliche Entwicklung der Universität St. Gallen und Direktor des Schweizerischen Instituts für Aussenwirtschaft und angewandte Wirtschaftsforschung. Er ist Initiant des Anfang 2009 gegründeten Global Trade Alerts, der auf die Gefahren des aufkeimenden Protektionismus aufmerksam machen will.

Prof. Simon J. Evenett, Ph.D.
University of St. Gallen
Email: Diese E-Mail-Adresse ist gegen Spambots geschützt, Du musst JavaScript aktivieren, damit Du sie sehen kannst.

 

Bild: (Universität St.Gallen (HSG), Hannes Thalmann)

 

 

Der Kommentar auch in englischer Sprache von Professor Simon Evenett erschien zuerst auf der Internetseite der Universität St. Gallen.

Kommentar schreiben


Sicherheitscode
Aktualisieren

 

Cleantech.ch

cleantech_ch

SCA_LOGO_RGB_marginal
mit swisscleantech ins neue Energiezeitalter

Meistgelesene Artikel

    Abonnieren Sie noch heute Ihren persönlichen Newsletter.
    Noch grössere Aktualität erhalten Sie mit unserem RSS-Feed.

    Kalender

    Deprecated: Function ereg_replace() is deprecated in /home/www-data/nachhaltigkeit.org/components/com_jcalpro/config.inc.php on line 405

    Der Veranstaltungskalender wird vorbereitet.

    {Zum Kalender}

    Magazin Cleantech Switzerland

    Magazin Cleantech Switzerland 2011-1

    Gründungssponsoren