Frauen sind ihre beste Werbung

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Geschrieben von: Ulrich Glauber, Frankfurt 07.02.11
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Deutschlands Familienministerin von der Leyen hat eine verbindliche Frauenquote für Unternehmensvorstädte gefordert. Doch das ist in ihrer eigenen CDU umstritten. Die Wirtschaft bewegt sich unterdessen: Eine Zürcherin sitzt als erste Frau im Siemens-Vorstand.

Barbara Kux ist nicht mehr ganz allein. Unter den 184 Vorstandsmitgliedern deutscher DAX-Unternehmen sind ausser der Zürcherin, die als erste Frau in der mehr als 160-jährigen Siemens-Geschichte in den Vorstand des Konzerns einzog, inzwischen noch andere Damen aufgetaucht. Darunter ist die Österreicherin Brigitte Eder, die im Sommer vergangenen Jahres - ebenfalls bei Siemens - zur Personalchefin gekürt wurde. Angelika Dammann verantwortet nach internationaler Karriere seit Mitte vergangenen Jahres das Personalressort des Software-Riesen SAP, und Regine Stachelhaus ist im Vorstand des Energieunternehmens E.on ebenfalls unter anderem für Personalfragen zuständig.

In den Vorstandsetagen der Unternehmen unterhalb der im DAX versammelten 30 grössten deutschen Aktiengesellschaften sieht es offensichtlich nicht anders aus. Eine Studie des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) kam Mitte vergangenen Jahres zu dem Schluss, dass lediglich 2,5 Prozent aller Vorstandsmitglieder der 200 grössten Unternehmen ausserhalb des Finanzsektors Frauen sind. In den 100 grössten Banken lag der Frauenanteil im Spitzenmanagement bei 2,6 bei den 62 grössten Versicherungen bei 2,8 Prozent.

Freiwillige Pflicht

Die deutsche Arbeitsministerin Ursula von der Leyen hielt den Zeitpunkt vor sich häufenden Wahlen in den deutschen Bundesländern für geeignet, sich für eine gesetzlich festgelegte Frauenquote von 30 Prozent in den Vorstandsetagen stark zu machen. Sofort ruderte ihre Unions-Parteikollegin Kristina Schröder zurück. Die Unternehmen sollten sich ihre Frauenquote per freiwilliger Selbstverpflichtung selbst aussuchen.

Wirtschaftsminister Rainer Brüderle vom wirtschaftsfreundlichen Koalitionspartner FDP setzte noch eins drauf. Er wolle im Dialog mit den Wirtschaftsverbänden „für einen Pakt für Frauen in Führungspositionen werben”. Die Kanzlerin Angela Merkel - nicht gerade als Quotenfrau bekannt - erkannte sofort die Brisanz der Debatte: Eine gesetzlich vorgeschriebene Frauenquote für die Führungsetagen der deutschen Wirtschaft wird es laut ihrer Aussage vorerst nicht geben.

Frauen als Reservearmee

Angesichts von zurückgehender Geburtenrate und zunehmenden Sorgen bei der Rekrutierung qualifizierter Arbeitskräfte ist die Wirtschaft jenseits der politischen Aufgeregtheiten bereits viel weiter. Der Energiekonzern E.on etwa will den Anteil seiner weiblichen Führungskräfte auf mehr als 22 Prozent verdoppeln, nennt aber keinen Zeitraum. Daimler strebt 20 Prozent bis 2020 an, BMW im selben Zeitraum 15 bis 17 Prozent. Bosch will 15 Prozent schon bis Ende 2012 erreichen, Airbus 30 Prozent bis 2015, die Telekom im gleichen Zeitraum sogar 33 Prozent.
Arbeitsmarkexperten sind nämlich der Auffassung, dass den Personalchefs in den entwickelten Ländern schon lange nichts mehr anderes übrig bleibt, als sämtliche Ressourcen auf dem Arbeitsmarkt zu nutzen. Dazu gehöre neben verstärkten Investitionen in die Ausbildung vor allem eine Strategie, Familien zu unterstützen und damit auch Frauen eine Karriere zu ermöglichen.

Bild: Barbara Kux hat die Leitung Supply Chain Management inne und ist Mitglied des Vorstands der Siemens AG (Siemens).

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