Nobelpreisträger in der Kritik

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Geschrieben von: von Georg Ackermann, Singapur 02.02.11
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Als „Banker der Armen” wurde Muhammad Yunus 2006 mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnet. Jetzt werden in seinem Heimatland schwere Vorwürfe gegen ihn erhoben. Es geht um gepanschten Joghurt, Verleumdung und die Krise der Mikrofinanz.

Muhammad Yunus kämpft um sein Lebenswerk. Der “Banker der Armen”, 2006 mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnet für eine Idee, die Millionen von Menschen der mittellosen Schichten in Indien und Bangladesh aus der Armut half, steht in seinem Heimatland unter Beschuss.

Kritik von der Regierungschefin

Erst vergangene Woche sprach ihn ein Gericht in Bangladeschs Hauptstadt Dhaka vom Vorwurf frei, über ein Tochterunternehmen der von ihm geleiteten Grameen Bank gepanschten Joghurt vermarktet zu haben. Yunus selbst konnte kein Fehlverhalten nachgewiesen werden. Die Grameen Danone Foods wurde gegründet, um den Ärmsten Zugang zu billigen Nahrungsmitteln zu schaffen, ganz im Sinne der Philosophie des Gründers der Mikrofinanz-Idee.
Wegen der Verleumdungsklage eines Lokalpolitikers musste sich Yunus bereits ein paar Tage zuvor vor Gericht verantworten. Die Vorwürfe gehen zurück ins Jahr 2007, als Bangladesh von einer Militärjunta regiert wurde. Yunus bezeichnete in einem Interview die einheimische Politikerklasse damals als korrupt und „nur an Macht und Geld interessiert”. Nun scheint es, als setze diese zum Gegenschlag an.

„Die Mikrofinanzbranche saugt den Armen das Blut aus, unter dem Vorwand ihre Situation verbessern zu wollen,” sagt keine andere als Ministerpräsidentin Sheikh Hasina Wazed und ordnet Ende Dezember eine Untersuchung in die rund 30 Unternehmen an, die mit Grameen verflochten sind. Der Bank selbst wurden unsaubere Geschäfte vorgeworfen, als ein Teil von 100 Millionen Dollar (72 Millionen Euro/94 Millionen Franken) norwegischer Hilfsgelder an eines der Sub-Unternehmen überwiesen wurde, anscheinend um Steuern zu sparen.

Mikrokredite in der Kritik

Das Geld wurde inzwischen wieder gefunden und die norwegische Regierung stellte sich hinter Yunus. “Es gibt keine Indizien für korrupte Praktiken oder Unterschlagung”, entgegnet Minister Erik Solheim auf Vorwürfe des norwegischen Fernsehens.

Bangladeshs Führung ist die Popularität Yunus’ seit langem ein Dorn im Auge. Für die Parlamentswahlen 2008, die Sheikh Hasina gewann, erwog auch Yunus eine Kandidatur. Bei seinem Kreuzzug gegen das politische Establishment, das in Bangladesh aus zwei rivalisierenden Familien besteht, ging er offenbar zu weit. Die Regierung hat es nun auf die Bank abgesehen, an der sie bereits 25 Prozent besitzt und zwei Aufsichtsräte stellt. Die 8,3 Millionen Kunden zählende Institution hat im Land eine enorme wirtschaftliche und soziale Bedeutung.

Ministerpräsidentin Sheikh Hazira profitiert dabei auch davon, dass die Mikrokredit-Branche insgesamt in Verruf geraten ist. Aus Indien, wo die Kleinstkredite ähnlich beliebt sind, wurden Fälle von Selbstmorden gemeldet, als Folge von Überschuldung. “Als ich die Idee entwickelte, hatte ich nicht gedacht, dass die Mikrokredite eines Tages ihre eigene Zucht von Lohnhaien hervorbringen würde”, schreibt Muhammad Yunus auf seiner Internetseite.

In Indien zur Geschäftsidee verkommen

In Indien gedeiht das Geschäft so gut, dass Marktführer SKS Microfinance kürzlich sogar den Sprung an die Börse wagte. Verleiher wurden auf Effizienz gedrillt und die Vergabe der Darlehen forciert. Die Folge: Einige Kunden nahmen Zwei- und Drittkredite auf, um den Anfangskredit zurückzuzahlen. Als bekannt wurde, wie gut es den Instituten dadurch ging, weigerten sich viele Schuldner einfach, ihre Darlehen zu bedienen.

„Die Armut sollte ausgerottet werden und nicht als Gelegenheit zum Geldverdienen dienen”, so Yunus. „Wir müssen die Idee der Mikrokredite wieder in die rechte Spur bringen.” In der Grameen Bank seien die meisten der 2500 Filialen eigenständig. Die Profite werden an die Kunden, die zu 97 Prozent aus armen Frauen bestünden, ausgeschüttet. Indien brauche nun eine Regulierungsbehörde, so wie Bangladesh. „Es muss Schluss sein mit dem Kommerz und wir müssen wieder den Armen dienen.” Muhammad Yunus gibt die Richtung vor. Wenn man ihn denn lässt.

Bild: Yunus Centre

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