Sarkozy setzt auf viel Wind

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Geschrieben von: Birgit Holzer, Paris 01.02.11
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Ausgerechnet die traditionelle Atomnation lanciert eines der grössten Windenergie-Projekte der Welt: Bis 2015 sollen 600 Wind-Turbinen im Meer mit einer Kapazität von 3000 Megawatt gebaut werden.

Frankreichs Präsident Nicolas Sarkozy will klotzen, nicht kleckern – neuerdings auch in der Windenergie. Galt der Zweig bislang als weitgehend unbedeutend in der überzeugten Atomnation, die fast 80 Prozent ihres Stroms aus Atomkraftwerken bezieht, kündigte es Sarkozy nun bei einem Besuch in der bretonischen Hafenstadt Saint-Nazaire offiziell an: Noch in diesem Jahr wird die mehrmals verschobene Ausschreibung für eines der ehrgeizigsten Windkraft-Projekte der Welt lanciert.
Bis 2015 werden demnach 600 Wind-Turbinen im Meer gebaut, die insgesamt 3000 Megawatt erbringen sollen. Das entspricht fast der Produktionskapazität von drei kleineren Atomkraftanlagen oder zwei modernen Europäischen Druckwasserreaktoren (EPR). Die Investitionen der Energieunternehmen werden auf zehn bis 20 Milliarden Euro geschätzt. Drei der fünf Windparks sind am Ärmelkanal geplant, nämlich in Le Tréport, Fécamp und Couseulles-sur-Mer, einer im bretonischen Saint-Brieuc und einer in Saint-Nazaire an der Atlantikküste.

ur zwei Prozent Strom vom Wind

Frankreich will so seinen Rückstand auf einem zukunftsträchtigen Gebiet aufholen – denn der ist gewaltig. Obwohl das Land insgesamt über 3500 Kilometer Küstenstrecke verfügt, besitzt es bis heute keinen Offshore-Windpark. Nur knapp zwei Prozent der französischen Stromkapazität werden aus Windkraft gewonnen, aus Wasserkraft gut acht Prozent, der Restanteil entfällt auf Atomkraft. Das stellen auch die neuen Bemühungen nicht grundsätzlich in Frage, auch wenn der Anteil der Windenergie auf 3,5 Prozent steigen soll.

Als Vorbild gilt vor allem Grossbritannien, das mit einer Kapazität von 1341 Megawatt aus Windanlagen im Meer führend in Europa ist, noch vor Dänemark, den Niederlanden und Belgien. Allein im vergangenen Jahr entstanden in Europa 308 Windräder im Meer und damit neue Kapazitäten von 883 Megawatt. Damit Frankreich eine eigene leistungsstarke Branche aufbauen könne, die irgendwann auch reif für den Export sein soll, versprach Sarkozy eine Unterstützung von 100 Millionen Euro. Die Kandidaten für das Mega-Projekt an Frankreichs Küsten sollen im kommenden Jahr ausgewählt werden.

Bis zu 60.000 neue Arbeitsplätze

Die französische Industrie positioniert sich bereits gegen mögliche internationale Bewerber wie den deutschen Turbinenhersteller Repower oder den dänischen  Marktführer Vestas. So haben der Industriekonzern Alstom und die Windkraft-Tochter Énergies Nouvelles („Neue Energien“) des staatlichen Versorgers EDF bereits ein gemeinsames Angebot angekündigt; auch der direkte Rivale GDF Suez mit seiner Windkraft-Filiale „La Compagnie du vent“ bringt sich in Stellung. Laut der französischen Gewerkschaft der Erneuerbaren Energien erhoffen sich fast 200 französische Unternehmen, von dem neuen Energieschub für die Branche zu profitieren.
Als Hauptkriterien zählen der Preis für die Kilowattstunde, den nicht der Staat, sondern der Anbieter festlegen wird, und die Garantie neuer Arbeitsplätze vor Ort. Bis zu 60.000 neue Stellen könnten in der Branche geschaffen werden, die derzeit in Frankreich nur 11.000 Menschen beschäftigt.

Fischer sind einverstanden

Diese Aussicht erklärt für viele Sarkozys Engagement, der nach Versprechungen zu Beginn seiner Amtszeit Umweltschützer enttäuscht hat. So fanden viele Pläne des zunächst ehrgeizigen Umweltgesetze-Pakets „Grenelle II“ letztlich keine Mehrheit. Von der Idee einer Öko-Steuer ging Sarkozy nach Widerstand in der Bevölkerung ab, die Förderung der Solarenergie wurde gesenkt. Soeben ergab eine Studie, dass das Ziel, bis 2020 sogar 23 Prozent des Strombedarfs aus erneuerbaren Energien zu decken, in weiter Ferne liegt.

Dennoch nannte Umweltministerin Nathalie Kosciusko-Morizet das neue Projekt einen „Sieg über alle Klima-Skeptiker und Grenelle-Skeptiker“. Einige Gegner bleiben in den Reihen von Fischern, Lokalpolitikern und Landschaftsschützern. So warnt Christiane Lemasson, Bürgermeisterin des bretonischen Küstenortes Erquy, vor „verheerenden wirtschaftlichen Auswirkungen für eine Gemeinde, die hauptsächlich von Fischfang und Tourismus lebt“. Das zentrale „Nationalkomitee der Fischerei“ hat allerdings angekündigt, sich nicht gegen Windräder im Meer zu stemmen, solange die Bedürfnisse der Fischer berücksichtigt würden.

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