Die Welt muss sich auf die nächste Krise besser vorbereiten, heisst es am Weltwirtschaftsforum in Davos. Doch ein Rezept fehlt. Banker sehen die Verantwortung bei der Politik, Industrievertreter fürchten die Finanzmärkte, die Politik fordert Geschlossenheit.
Die Weltwirtschaft hat gerade die schwerste Krise der Nachkriegszeit hinter sich. Die nächste Krise kommt gewiss. Deshalb wird am Weltwirtschaftsforum in Davos nicht darüber gesprochen, wie künftige Rückschläge zu verhindern wären, sondern ob man sich adäquat darauf vorbereitet kann. Es sieht nicht danach aus.
Banker zeigt auf Politik…
Das Spiel kennen alle: Wenn etwas schief gelaufen ist, war niemand schuld, wenn etwas perfekt war, klopfen wir uns am liebsten selber auf die Schulter. Ähnlich klangen die Argumente auf einem Podium am Weltwirtschaftsforum, das sich mit der Frage beschäftigte, ob die Welt besser auf die nächste Krise vorbereitet sein sind. James Dimon, Präsident der US-Grossbank JPMorgan Chase & Co, beklagte wortreich Ungerechtigkeiten und Pauschalisierungen, die darauf abzielen, die Bankenwelt als Ganzes verantwortlich zu machen für die jüngste Finanzkrise. Er überschüttete stattdessen die Politik mit Vorwürfen, sie habe alles noch schlimmer gemacht. Das klang schwer nach der Fortsetzung des alten Kurses – Lehren gibt es anscheinend keine zu ziehen. Viel Konstruktives, was die Banken dazu beitragen könnten, um solche Krisen künftig zu verhindern, war da nicht herauszuhören.
Die Banken stehen damit nicht allein. Klaus Kleinfeld, einstiger Siemens-Chef und heute oberster Chef des Aluminiumriesen Alcoa, wusste keine rechte Antwort auf die Frage, wie es denn möglich sei, dass die allermeisten Konzerne wieder Rekordgewinne machen, während etwa in den Vereinigten Staaten die Arbeitslosigkeit auf hohen zehn Prozent verharrt. Stattdessen gab er sich selbst angesichts knapper und teurer werdender Rohstoffe als Optimist. Die Fähigkeit des Menschen zur Innovation werde gemeinhin unterschätzt. Er vertraue darauf.
Profit auf Kosten der Beschäftigten
Klare Worte über die jüngere Vergangenheit gab es einzig von Maurice Lévy, Präsident der französischen Publicis Groupe. „Wir haben die Beschäftigten benutzt, um unseren Profit zu mehren. Das war ein grosser Fehler. Ich verstehe, dass viele Menschen uns nun nicht mehr trauen“, streute er sich Asche aufs Haupt. Lévy redete einer deutlich verstärkten gesellschaftlichen Verantwortung der Unternehmen das Wort. Für Dominic Barton, Direktor des Beratungskonzern McKinsey, liegt in der Vertrauensfrage gar der Schlüssel für die Zukunft. Wie indes das Vertrauen zurück gewonnen werden könnte, liess er offen. Das waren pathetische Worte, die indes vor allem eines zu verbergen schienen: Ratlosigkeit.
Der nächste Schock kommt bestimmt
Das lässt nichts Gutes erwarten für den nächsten Schock, der so sicher kommt wie das Amen in der Kirche. Am aussagekräftigsten mochten da noch Antworten auf die Frage sein, was sie persönlich am meisten fürchteten. Für Eckhard Cordes, Direktor der deutschen Metro Gruppe war das „die Überalterung in Europa“. Für Maurice Levy sind es „die Dinge, mit denen wir nicht rechnen“. James Dimon dagegen, ganz der Banker, fürchtet vor allem „schlechte Politik“. Klaus Kleinfeld dagegen, ganz ein Mann der Industrie, gibt den Ball zurück an Dimon; er fürchtet vor allem „die Volatilität der Finanzmärkte“. Dominic Barton fasste die Unsicherheit in einem Bild zusammen: „Es sind viele Torpedos im Meer“.
Sarkozy fordert Geschlossenheit
Und die Politik? Der französische Staatspräsident Nicolas Sarkozy, derzeit auch Vorsitzender der Gruppe der G8 und der G20, der wichtigsten Wirtschaftsmächte, hatte in seiner gestrigen Rede eine klare Botschaft: „Die Probleme sind so gross und vielfältig, dass wir uns keine ideologischen Grabenkämpfe mehr erlauben können, vor allem nicht jene des letzten Jahrhunderts“. Es brauche jetzt ein entschlossenes Vorgehen vor allem der G20. In den vergangenen zwei Jahren habe die Zusammenarbeit gut geklappt. „Wir hatten angesichts der Krise auch keine Wahl“. Da sei jetzt anders. „Manche glauben, jetzt könne man so weitermachen wie zuvor.“ Er sei damit absolut nicht einverstanden. „Das wäre gefährlich für die ganze Welt“. Es gebe drei grosse Risiken: Staatsverschuldung, Währungskrisen und die grosse Volatilität der Rohstoffpreise. „Wir können es uns nicht erlauben, den Kopf in den Sand zu stecken“. Damit gab er indirekt auch dem Ökonomen Nouriel Roubini recht, der die bisherigen Erfolge der G20 als „gleich Null“ taxiert. Es gibt also noch viel, sehr viel zu tun.
Bild: Nicoas Sarkozy dieses Jahr auf dem WEF (swiss-image.ch/Photo by Sebastian Derungs)
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