Optimismus mit Bodenhaftung

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Geschrieben von: Urs Fitze, Davos 26.01.11
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Die global agierenden Manager blicken wieder fast so optimistisch wie in den Boomjahren in die nahe Zukunft. Das zeigt die zum WEF-Beginn vorgestellte Umfrage von Pricewaterhouse Coopers. Doch die aktuelle Wachstumseuphorie fusst nun auf einer anderen Grundlage.

Die schwerste Krise der Nachkriegszeit steckt den Managern noch in den Knochen. "Die Rezession hat uns alle daran erinnert, was geschieht, wenn die Kapitalmärkte zusammenbrechen”, sagt John V. Faraci. „Selbst mit einer gesunden Bilanz können Sie Ihre Schulden nicht mehr refinanzieren.” Am wenigsten Risiken ginge ein Unternehmen ein, wenn es gar keine Schulden hätte, fügt der Präsident und Direktor des weltgrössten Papierherstellers International Paper hinzu. Aber so könne man keine Firma führen. „Deshalb gibt es nur eine Lehre aus der Krise: Wir müssen so flexibel sein, dass wir auch auf das Unvorhersehbare reagieren können.”

Die Hälfte ist sehr zuversichtlich

International Paper musste vor allem im Krisenjahr 2008 böse untendurch, der Schock wirkt bis heute nach. Faraci, der im Bericht „Wachstum neu gedacht” des Beratungsunternehmens PriceWaterhouse Coopers (PWC) zitiert wird, steht stellvertretend für eine neue Nachdenklichkeit und Vorsicht in den Chefetagen - trotz guter wirtschaftlicher Perspektiven. PWC befragte schon zum 14. Mal Direktoren weltweit zu ihren Erwartungen an die nahe und mittlere Zukunft. Die nackten Zahlen könnten zur Euphorie verleiten. 48 Prozent der 1206 Unternehmensführer aus aller Welt geben sich „sehr zuversichtlich” hinsichtlich der Wachstumsperspektiven für 2011. Noch im vergangenen Jahr waren nur 31 Prozent so optimistisch gewesen. Kurz vor Ausbruch der weltweiten Rezession 2008 hatte sich ebenfalls die Hälfte der Befragten trotz durchaus sichtbarer Schlechtwetterwolken am Horizont als „sehr zuversichtlich” geäussert, nur um dann umso härter in der Realität zu landen. Das liess damals Zweifel an der Fachkompetenz mancher Manager aufkommen und war wohl auch Ausdruck eines ausgeprägten Herdentriebes.

Aus der Vergangenheit gelernt

Zwei Jahre später ist der Optimismus zurück. Doch nun scheint er mehr Bodenhaftung zu haben, scheint die harte Lektion der Rezession aus betriebsblinden Opportunisten nachdenkliche Zeitgenossen gemacht zu haben. In den Worten von Gregory R. Pager, Präsident und Direktor des Lebensmittel-Multis Cargill: „In der Vergangenheit mag es genügt haben, einfach seinen Geschäften in einer Art nachzugehen, die wir als angepasst und verantwortlich empfanden.” Heute reiche das nicht mehr aus. „Unsere wichtigsten Kunden habe signalisiert, dass unsere Reputation auch die ihrige beeinflusst. Das heisst, wir werden künftig in unserer Wertschöpfungskette auch Themen wie Wasserverbrauch, Umweltschutz, Arbeitsmethoden viel stärker zu berücksichtigen haben”. Das sind neue Töne aus einem Unternehmen, das bislang vor allem für Profit-Maximierung bekannt war. Es ist diese neue Bereitschaft, über die Gewinnmarge hinaus zu denken, die den aktuellen, hohen Wachstumserwartungen mehr Bodenhaftung verleihen könnte.

Kundenorientierung als Schlüssel

Kein global agierender Manager zweifelt daran, dass China in den kommenden Jahren der grosse Motor sein wird. Doch auch den Vereinigten Staaten, Brasilien und Indien wird einiges zugetraut, während Europa, mit der Ausnahme Deutschlands, weit hintennach hinkt. Die Verschiebung der ökonomischen Gewichte fordert den Unternehmensführern einiges an strategischen Fähigkeiten ab. Wo sollen neue Werke errichtet werden? Und mit welchen Produkten lassen sich die rasch wachsenden Mittelschichten in den neuen Märkten am ehesten ansprechen? Gleichzeitig gilt es die Kunden in den „reiferen” Märkten der Industriestaaten, denen andere Bedürfnisse zugeschrieben werden, zu halten. Diese starke Kundenorientierung gilt bei der überwiegenden Mehrheit als Schlüssel für eine erfolgreiche Zukunft.

Zu Partnerschaft mit Regierungen bereit

Partnerschaften der Wirtschaft mit Regierungen scheint laut Pricewaterhouse Coopers eine Renaissance bevorzustehen. So sind drei Viertel der Befragten heute bereit, eine Regierungspolitik aktiv zu unterstützen, die „gutes Wachstum” nicht mehr nur unter ökonomischen Prämissen definiert, sondern gleich berechtigt auch ökologische und soziale Aspekte berücksichtigt. Unilever-Direktor Paul Polman bringt das neue Denken auf den Punkt: „Wir brauchen unabdingbar ein neues Geschäftsmodell, das uns auf den Wachstumspfad zurückhilft. Aber es muss ein Wachstum sein, das gerecht und nachhaltig für die ganze Gesellschaft ist. Dazu braucht es auch viel politischen Willen”. Fast scheint es, als sei die Wirtschaft gerade dabei, sich neu zu erfinden. Die jüngere Vergangenheit zeigt indes auch, dass eine gehörige Portion Skepsis gegenüber solchen Verlautbarungen aus den Chefetagen angebracht ist. Papier ist geduldig. Der Schwarze Peter auch, der hier gerade in Richtung der Regierungsbänke geschoben wird.

Bild: Sonnenaufgang im All

www.internationalpaper.com

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