Bienen verdienen Milliarden

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Geschrieben von: Mirjam Stöckel, Brüssel 21.01.11
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Der volkswirtschaftliche Nutzen der Bienen beträgt rund zwei Milliarden Euro (2,8 Milliarden Franken) in Deutschland, europaweit 14,4 Milliarden Euro. Damit liegt die Honigbiene hinter Rind und Schwein auf Platz drei der wichtigsten Nutztiere. Doch anlässlich der Grünen Woche in Berlin wird beklagt: Der Biene geht das Futter aus.

Deutschlands Imker schlagen Alarm: Ihren Bienen gehen die Blüten und damit das Futter aus. „Bunt statt grün”, fordert der Deutsche Imkerbund deshalb zu Beginn der Landwirtschaftsmesse „Grüne Woche” in Berlin. Monokulturen wie Mais für Bioenergieanlagen und eine intensive Gründlandnutzung führten dazu, dass es immer weniger blühende Pflanzen gebe und das Nahrungsangebot für Bienen immer weiter zurückgehe, warnen die Imker. Speziell angelegte Blühstreifen seien zwar ein Schritt in die richtige Richtung, letztlich aber nur ein Tropfen auf den heissen Stein.

Nummer drei nach Rind und Schwein

Die Imker verweisen auf die grosse Bedeutung der Bienen für die Ernteerfolge der Landwirtschaft: Ihren Angaben zufolge hängen rund 80 Prozent der heimischen Nutzpflanzen von der Bestäubung der Bienen ab. Ohne deren Hilfe würden beispielsweise nur noch zwei statt zehn Äpfel wachsen. So betrage der volkswirtschaftliche Nutzen der fleissigen Bienchen rund zwei Milliarden Euro - allein in Deutschland, argumentieren die Imker. Europaweit seien es 14,4 Milliarden Euro - und damit liege die Honigbiene hinter Rind und Schwein auf Platz drei der wichtigsten Nutztiere.

Die fehlenden Blüten machen den Bienen mittlerweile fast überall in der Republik zu schaffen. Diese Erfahrung hat auch der Duisburger Udo Schmelz, Vorsitzender des Imkerverbands Rheinland, gemacht: „Ich imkere seit 46 Jahren. Im vergangenen Jahr habe ich drei Völker verloren, weil auch in meinem Bereich die Blühstreifen nicht existieren”, erzählt er. Udo Schmelz ist nicht alleine: Viele seiner über 5000 Kollegen im Verbandsgebiet berichten Ähnliches.

Bienen hungern auf dem Land

Überall sterben den Imkern die Völker unter den Händen weg. So absurd das klingt: Auf dem „platten Land”, wie Schmelz sagt, hungern die Bienen besonders. Mittlerweile fänden die Insekten in den Städten leichter Nektar und Pollen, weil in Gärten, Parks und Alleen mehr blüht als auf dem Land. Diese Entwicklung fordert ihren Tribut: Den Winter 2009/2010 haben Expertenschätzungen zufolge 200.000 Bienenvölker in Deutschland nicht überlebt.
Vielen davon hat letztlich die Varoa-Milbe den Garaus gemacht, die die Winterbrut befällt. Dass dieser Schädling so leichtes Spiel hat, hängt mit dem schlechten Gesundheitszustand der Völker zusammen. Und daran sind die fehlenden Blüten schuld: Bekomme die Bienenkönigin zu wenig oder zu eintönige Nahrung, lege sie im Herbst weniger Eier, erläutert Udo Schmelz. Dann fehle der Nachwuchs - und die wenigen Jungbienen sind geschwächt, weil auch für sie nicht ausreichend Futter da ist. „Dadurch haben wir sehr schwache Bienenvölker”, sagt Schmelz. „Wenn ein Bienenvolk unter 5000 Stück in den Winter geht, überlebt das Volk nicht.” Grössere Völker mit gut ernährten, gesunden Bienen dagegen halten der Kälte und Milbenangriffen viel besser stand.

Falsche Politik der EU

Der immer grösser werdende Futtermangel hängt mit der Agrarpolitik der Vergangenheit zusammen: Über Jahre förderte die EU mit der Energiepflanzenprämie Monokulturen auf den Äckern. Ist beispielsweise der Mais verblüht, finden die Bienen kaum noch etwas zu fressen. Ausserdem schaffte die Europäische Union 2008 eine Regelung ab, die den Bienenlebensraum geschützt hatte: Sie zahlt den Bauern keine Subventionen mehr dafür, dass sie Teile ihrer Fläche brach liegen lassen. Die Brachen waren Schlaraffenländer für Bienen und andere Insekten - doch mit dem Wegfall der Prämien verschwanden schlagartig etwa 400.000 Hektar solcher Flächen. „Die Ergebnisse der bisherigen Landwirtschaftspolitik sind alles andere als gut”, sagt der EU-Abgeordnete Martin Häusling (Grüne). Um die Landwirtschaftspolitik möglichst ökonomisch auszurichten und zu rationalisieren, habe man Umwelt und Bienen schlicht vergessen.

Brüssel will umsteuern

Doch nun könnte Brüssel nachbessern: Die Agrarpolitik soll naturnaher werden, fordert der zuständige Kommissar Dacian Ciolos. Er will die Subventionen für Bauern an mehr Umweltauflagen knüpfen, wieder eine Brachflächenprämie einführen und den Anbau von wechselnden Pflanzensorten auf den Feldern finanziell belohnen. Die EU-Kommission wisse, wie wichtig es sei, den Verlust von biologischer Vielfalt zu stoppen, sagt Kommissarsprecher Roger Waite. Durch ein umweltfreundlicheres System der Finanzhilfen für Landwirte solle quasi als Nebenprodukt mehr Artenvielfalt entstehen. „Wenn die Bienen davon profitieren, umso besser.”
Noch ist offen, ob sich die EU-Kommission durchsetzen kann. Es zeichnen sich bereits Widerstände und harte Verhandlungen mit den Mitgliedsstaaten ab. Bienenfreundlicher würde Europas Landwirtschaftspolitik ohnehin frühestens 2014, denn erst dann träten die Neuerungen in Kraft.

Bild: sodwana.uni-ak.ac.at

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