Nie wieder Krise

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Geschrieben von: Marc Engelhardt, Genf 20.01.11
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Mit neuen Regeln für eine veränderte Weltwirtschaft will Klaus Schwab, Gründer und Chef des Weltwirtschaftsforums (WEF) die Globalisierung retten. Auf dem jährlichen Treffen der Entscheider in Davos sollen diese in der kommenden Woche diskutiert werden. Was aussergewöhlich ist: Noch nie waren so viele Teilnehmer aus Indien und China mit von der Partie.

Den Panoramablick auf den Genfersee und das Juragebirge trüben an diesem sonnigen Tag nur die Kräne, die sich unschön vor dem Hauptquartier des Weltwirtschaftsforums in Genfs Villenviertel Cologny erheben. Doch der Ausblick passt zu dem Bild, das WEF-Gründer Klaus Schwab eine Woche vor dem Startschuss in Davos zeichnet: Die globale Ökonomie und Politik ist eine Baustelle, und es braucht dringend neue Wege, um mehr als nur die Fassaden zu flicken. “Die globalen Systeme und Modelle der Entscheidungsfindung werden dem Tempo und der Komplexität der Veränderungen nicht mehr gerecht”, glaubt Schwab. Der 72-jährige hat eine neue Wirklichkeit ausgemacht, die durch sich rasant entwickelnde neue Technologien und die Verlagerung der politischen und wirtschaftlichen Macht von West nach Ost und von Nord nach Süd gekennzeichnet ist. Gemeinsame Normen für eine neue Realität, so das Motto der 41. Auflage des WEF, sollen helfen, die von der globalen Wirtschaftskrise gebeutelte Globalisierung wieder in Schwung zu bringen.

Rekordbeteiligung aus China und Indien

Die von Schwab beschriebene neue Realität spiegelt sich nicht zuletzt in der Gästeliste wieder. Von den mehr als dreissig Staats- und Regierungschefs kommen zahlreiche aus Asien, Afrika und Lateinamerika. “Aus China und Indien gab in der Geschichte des WEF noch nie so viele Teilnehmer”, freut sich Schwab. Ausser den Handelsministern beider Länder werden auch zahlreiche chinesische und indische Unternehmer in Davos erwartet. Mexikos Präsident Felipe Calderón kommt ebenso wie sein südafrikanischer Amtskollege Jacob Zuma. Russlands Präsident Dmitri Medwedew hält sogar die Eröffnungsrede. Auch die Gästeliste aus dem Westen kann sich sehen lassen: Neben Frankreichs Präsident Nicolas Sarkozy und der deutschen Kanzlerin Angela Merkel, die gleich mit vier Bundesministern anreist, ist die Schweiz mit Bundespräsidentin Micheline Calmy-Rey, Bundesrat Johann Schneider-Ammann und den Bundesrätinnen Doris Leuthard und Eveline Widmer-Schlumpf prominent vertreten. Auch der Präsident des Direktoriums der Schweizer Nationalbank, Philipp Hildebrand, wird in Davos erwartet. Ex-UN-Generalsekretär Kofi Annan, der ehemalige US-Präsident Bill Clinton oder der deutsche Fussballer Olli Kahn sorgen für den Hauch von Glamour.

Frühwarnsystem für Krisen geplant

Selbstzweifel plagen die Organisatoren des Treffens, zu dem jeder Teilnehmer eine persönliche Einladung vorweisen muss, vor diesem Hintergrund nicht. Als “einzigen Weltgipfel, der all die Herausforderungen der globalen Agenda in ihrer Gesamtheit behandelt”, feiert WEF-Gründer Schwab das diesjährige Zusammensein. Ausser Ideen und Lösungen für den G20-Prozess soll in Davos auch ein „Risk Response Network” vorgestellt werden, in dessen Rahmen Politik und Wirtschaft gemeinsam frühzeitig Warnsignale analysieren sollen, um neue Krisen im Keim zu ersticken.

Obama schickt Finanzminister

Ob die ehrgeizigen Pläne gelingen, ist freilich ungewiss. Mehr als der Willen der Teilnehmer dürfte für den Erfolg entscheidend sein, wer warum nicht nach Davos reist. So wird die US-Regierung, die massiv unter der globalen Rezession leidet, gerade einmal von Finanzminister Timothy Geithner vertreten. Weder Präsident Barack Obama noch US-Aussenministerin Hillary Clinton nehmen teil. Während Schwab dies achselzuckend abtat - “die USA sind hochrangig vertreten” - stellt sich sehr wohl die Frage, wie ohne Zustimmung der USA neue Regeln für globales Wirtschaften eingeführt werden sollen. Ökonomen der UN-Konferenz für Wirtschaft und Entwicklung (UNCTAD) hatten erst am Dienstag vor einem nachlassenden globalen Kooperationswillen gewarnt, der im schlimmsten Fall eine zweite Rezession auslösen könnte. Namentlich wurden die USA kritisiert.

Doch selbst Kooperationswillige dürfen sich die Frage stellen, ob das WEF, letztlich ein Zusammenschluss globaler Grosskonzerne, das richtige Forum für Wege aus der wirtschaftlichen Krise ist. Denn viele der Vorstandschefs, die sich kommende Woche in Davos treffen, haben in den vergangenen Wochen zwar brilliante Geschäftsergebnisse vorgelegt. Für mehr Arbeitsplätze, die die Politik dringend fordert, haben sie aber nicht gesorgt, kritisierten wiederum die UNCTAD-Experten.

Bild: World Economic Forum/swiss-image.ch

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