Klimarisiken sind für Rückversicher schon lange ein grosses Thema. Für Swiss Re seit 20 Jahren. Am COP16-Klimagipfel in Cancún nahm Swiss Re zum zweiten Mal in Folge als offizielles Mitglied der Schweizer Delegation teil. Laut David Bresch, Leiter der Nachhaltigkeitsabteilung bei Swiss Re, werden Schlüsselpartnerschaften zwischen öffentliche und privater Hand in Klimafragen immer wichtiger.
Brigitte Meier: Sind Sie zufrieden mit dem Ergebnis des Klimagipfels in Cancún?
David Bresch: Ja, ich glaube, dass man die jüngsten Klimaverhandlungen als Erfolg bezeichnen kann – vor allem, wenn man sich bewusst ist, wo wir nach den enttäuschenden Ergebnissen von Kopenhagen standen. In Cancún haben die Verhandlungspartner ihre Differenzen beiseitelegen und sich in einigen Schlüsselfragen einigen können: Sie bestätigten die Absicht, die Klimaerwärmung bei weniger als 2 Grad Celsius zu halten, und beschlossen die Gründung eines neuen Grünen Klimafonds für die Versorgung von Entwicklungsländern mit den nötigen Mitteln.
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Sie bekundeten ausserdem ihre Unterstützung für das Programm der UNO zum Thema Abholzung und legten die Grundlage für Hilfeleistungen an Länder, die vom Klimawandel betroffen sind und effiziente Anpassungsstrategien benötigen. In diesem Zusammenhang wurden Risikomanagement und Versicherung explizit erwähnt.
Selbstverständlich bleibt aber noch viel zu tun. Auch nach Cancún sind die Zusicherungen der Unterzeichnerstaaten hinsichtlich der Reduktion von CO2-Emissionen rechtlich nicht bindend. Ihr Versprechen, bis zum Jahr 2020 für den Klimaschutz 100 Milliarden US-Dollar aufzubringen, ist momentan nicht mehr als ein politisches Ziel. Und auch der Entscheid über die Zukunft des Kyoto-Protokolls wurde auf den nächsten Klimagipfel in Südafrika verschoben.
Brigitte Meier: Und wie wurde Swiss Re Teil der Schweizer Delegation?
David Bresch: Swiss Re vertrat zum zweiten Mal an einem UN-Klimagipfel den Schweizerischen Versicherungsverband als Teil der offiziellen Schweizer Delegation. Aufgrund unserer langjährigen Erfahrung bei der Modellierung und Tarifierung von Klimarisiken sowie unserer Erfolgsbilanz bei der Entwicklung von Lösungen im Umgang mit dem Klimawandel wurden wir von der Schweizer Regierung erneut eingeladen. Mit unserem Beitrag zum Bericht der Schweizer Regierung über Versicherung als eine Möglichkeit zur Anpassung an die UNO-Klimarahmenkonvention (UNFCCC) haben wir ausserdem gezeigt, dass wir mit UNO-Prozessen vertraut sind und als zuverlässiger Partner angesehen werden können. Aber auch für Swiss Re war die Teilnahme an politischen Diskussionen zum Klimawandel strategisch wichtig, da Klimarisiken ein Teil unseres Kerngeschäfts sind.
Brigitte Meier: Wie kam die Mitwirkung von Swiss Re an?
David Bresch: Das Feedback der anderen Delegationsmitglieder war überaus positiv. Während der Verhandlungen schätzte die Delegation besonders den Input von Swiss Re zum Schweizer Vorschlag für die Anpassung an den Klimawandel. Aufgrund unserer Arbeit zu den ökonomischen Aspekten der Anpassung an den Klimawandel (ECA), einschliesslich unserer neuesten Erkenntnisse aus der Karibik und von der US-Golfküste, konnten wir Fakten einbringen, mit denen wir die Verhandlungsposition der Schweiz stärkten und einen Beitrag dazu leisteten, dass die Wichtigkeit eines vorausschauenden Risikomanagements in das Schlussdokument aufgenommen wurde.
Brigitte Meier: Aber was bedeutet das Abkommen von Cancún konkret für Swiss Re?
David Bresch: Swiss Re engagiert sich schon lange für eine deutliche Reduktion der Treibhausgasemissionen. Als Unternehmen sind wir seit 2003 CO2-neutral und haben unsere Treibhausgasemissionen seit 2003 um über 45 Prozent gesenkt. Wir setzen uns für verstärkte Investitionen zur Anpassung an den Klimawandel ein. Das Abkommen von Cancún widerspiegelt den breitesten internationalen Konsens zu diesen zwei Themen. Mit dem Einsatz für erneuerbare Energien und Risikotransfer bei der Anpassung an den Klimawandel ist Swiss Re bereits heute führend auf dem Gebiet der innovativen Klimalösungen. Viele unserer bestehenden Transaktionen, bei denen wir Schlüsselpartnerschaften mit der öffentlichen Hand eingehen, können wiederverwendet und an die spezifische Risikoexponierung verschiedener Regionen und Wirtschaftszweige angepasst werden. Davon ausgehend werden wir auch in Zukunft sowohl bei der Umstellung auf eine CO2-arme Wirtschaft wie auch im Rahmen der klimaresistenten Entwicklung eine bedeutende Rolle spielen.
Brigitte Meier: Wie haben Sie die Konferenz persönlich erlebt?
David Bresch: Für mich persönlich war es eindrücklich zu sehen, welch grossen Einfluss eine vergleichsweise kleine Delegation haben kann. Massgeblich zum Erfolg beigetragen hat die enge Zusammenarbeit zwischen dem öffentlichen und dem privaten Sektor schon innerhalb der Delegation. Es gibt kaum Länder, die wie die Schweizer den rechtssetzenden Auftrag der öffentlichen Hand mit der gewinnorienterten, dadurch auch zwingend effizienten Umsetzungskraft der Privatwirtschaft bereits in ihrer Delegation zu kombinieren verstehen. Daraus hat sich eine glaubwürdige und starke Position ergeben. Dies zeigt auch die Stärke der Schweiz als führender Finanz-, Forschungs-, und Innovationsstandort.
Der Erfolg von Cancún war aber auch das Verdienst von Mexiko, das den Vorsitz innehatte und sich unermüdlich dafür einsetzte, dass der Prozess transparent blieb und alle Parteien berücksichtigt wurden. Dieser Ansatz machte letztlich den Weg frei für ein Abkommen, das von einer Vielzahl verschiedener Akteure mitgetragen wurde.
Zur Person: Dr. David Nikolaus Bresch ist als „Head Sustainability & Political Risk Management" Leiter der Abteilung für Nachhaltigkeit und neu entstehende Risiken des Schweizer Rückversicherers Swiss Re. Nach dem Studium der Physik an der ETH Zürich promovierte David Bresch an derselben Hochschule am Institut für Atmosphäre und Klima. Danach war er als Research Associate am Massachusetts Institute of Technology in Cambridge (Massachusetts, USA) tätig, bis er 2000 zu Swiss Re stiess.
Bild: Swiss Re
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