Erneuerbare Ziele realistischer

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Geschrieben von: Yvonne von Hunnius 11.01.11
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Der bernische Stromkonzern BKW stutzt seine ambitiösen Ziele zum Ausbau erneuerbarer Energien zurück. Nur wenige schelten ihn dafür. Nach dem Boom sei Zeit für Realismus. Doch strategisch liegt der Zeitpunkt vor der Berner AKW-Abstimmung auffällig günstig.

Der bernische Stromkonzern BKW FMB Energie AG (BKW) hat gestern veröffentlicht, dass er um 40 Prozent weniger Strom aus Erneuerbaren Energien anstrebt, als er sich zum Ziel gesetzt hatte. Statt 1000 Gigawattstunden (GWh) rechne man nun mit 600 GWh im Jahr 2030. Als Gründe gibt er den wachsenden Widerstand in der Bevölkerung und die schleppenden Verfahren in der Anlagen-Realisierung an. Während die einen in der Entscheidung das Ende der Goldgräberstimmung sehen, betrachten andere eher den politischen Hintergrund: Am 13. Februar stimmt Bern über die Erneuerung des AKW Mühleberg ab, wobei die BKW von einer Zustimmung profitieren würde.

Dominoeffekt in der Strombranche?

Erst vor Weihnachten letzten Jahres hatten sich die Unternehmen Axpo, Alpiq und BKW auf das weitere Vorgehen bezüglich Planung und Neubau von zwei Kernkraftwerken geeinigt. Sie bringen ihre laufenden Projekte Gösgen, Beznau und Mühleberg in eine gemeinsame Planungsgesellschaft ein, wo sie vorläufig parallel weiter entwickelt werden.

Eigentlich hat die Axpo zugesagt, 40 Prozent der im Energiegesetz festgeschriebenen künftigen Kapazität an erneuerbarer Energie beizusteuern. Das wären rund 2,2 Terawattstunden (TWh). Wird nun auch die Axpo ihre Ziele reduzieren? Auch Heinz Karrer, CEO von Axpo, sprach im vergangenen Jahr über wachsenden Gegenwind für Wind, Wasser & Co: „Der Widerstand gegen Anlagen zu Produktion von neuen erneuerbaren Energien ist unerwartet und erschwert den von uns geplanten Ausbau des Anteils der erneuerbaren Energien.” Axpo-Mediensprecherin Anahid Rickmann sagt nach der BKW-Entscheidung: „Wir wollen bis 2030 insgesamt drei Milliarden Franken in neue Erneuerbare investieren. Doch natürlich überlegen auch wir, wie man angesichts des wachsenden Widerstandes weiterhin vorgeht.” Im Dezember hatte die Axpo noch veröffentlicht, dass man die Ambitionen im Bereich der Geothermie verstärken wolle.

Ziele aus dem „Land der Träume”

Für Raimund Rodewald, Geschäftsleiter der Stiftung Landschaftsschutz, könnte sich Axpo nun als Förderer Erneuerbarer Energien hervortun. Er erwartet keinen Dominoeffekt. Seine Organisation gehört zu denjenigen, die Widerstand gegen Erneuerbare-Projekte leisten: „Die Zukunft ist erneuerbar, doch nicht auf Kosten der Bevölkerung und des Landschaftsschutzes”, sagt er. Den BKW-Entscheid bewertet er als „offensichtliches Mittel, um hinsichtlich der Berner Abstimmung Druck zu erzeugen”.

Aber dass die Zielsetzung der BKW im „Land der Träume” entstanden sei, daran hat er keinen Zweifel. Und am Widerstand seien die BKW selbst schuld: „Viele Projekte, die nicht richtig durchdacht waren, haben dem Image der Erneuerbaren nur geschadet.” Hört man auf den Geschäftsführer von Pro Natura Bern, Jan Ryser, stellt die Reduzierung der BKW-Ziele gar eine gesunde Entwicklung dar: „Durch die Kostendeckende Einspeisevergütung ist eine Goldgräberstimmung entstanden und viele dachten, die Projekte werden einfach durchgewunken. Das war nicht der Fall und nun kehrt man zu realistischeren Zielen zurück.”

Empfehlungen sollen helfen

Eher Verständnis als Schelte hat auch Marianne Zünd, die Leiterin Kommunikation des Eidgenössisches Departement für Umwelt, Verkehr, Energie und Kommunikation (UVEK): „Unternehmen sind verpflichtet, Stakeholdern realistische Ziele zu präsentieren, und die anfänglichen waren dies wohl nicht.” Im Falle der BKW habe man so gut als möglich vom attraktiven Fördertopf des Bundes profitieren wollen und im Rahmen der BKW-Tochtergesellschaft sol-E Suisse AG das Land durchforstet, wo in Erneuerbare-Energien-Kraftwerke investiert werden könnte. Vielleicht nicht immer unter Berücksichtigung aller Aspekte, so Zünd: „Daraus resultierten viele Projekte, deren Umsetzbarkeit nicht gegeben war.”

Sie ist optimistisch, dass das Bundes-Ziel auch trotz der BKW-Entscheidung erreicht wird. Bis 2030 sollen 5,4 TWh Strom aus erneuerbaren Quellen produziert werden. Dabei soll helfen, dass noch im Januar Empfehlungen zur Erarbeitung von Schutz- und Nutzungs-Strategien im Zusammenhang mit Kleinwasseranlagen publiziert werden. Da Bewilligungsverfahren in der Zuständigkeit der Kantone liegen, sind diese nicht bindend. Doch laut Zünd könnten sie dazu beitragen, dass bereits früher als bisher erkannt wird, wenn ein Projekt nicht realistisch ist. „Dadurch wird auch die Bevölkerung entlastet, die sich momentan mit einer Vielzahl an Projekten konfrontiert sieht”, so Zünd.

 

Bild: JUVENT SA

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