Der deutsch-kanadische Unternehmer Uwe T. Schmidt baut für deutsche Unternehmen in Kalifornien die grösste Solaranlage der Welt in Kalifornien. Nach Fertigstellung soll die solarthermische Anlage 1000 Megawatt Strom produzieren und 800.000 Privathaushalte mit Strom versorgen soll - für sechs Milliarden Dollar.
Uwe T. Schmidt hat eine Schwäche für Superlative. Er glaubt an die grossen Geschäfte, an einen Unternehmergeist, der Horizonte bewegt - und vor allem daran, dass man Gutes tun und gleichzeitig viel Geld verdienen kann. Gutes für die Umwelt zum Beispiel: „Kapitalismus und Umweltbewusstsein müssen einander nicht ausschliessen.”
Derzeit baut Uwe Schmidt die grösste Solaranlage der Welt in der Nähe der Stadt Blythe im Südosten Kaliforniens. Knapp 10.000 Quadratmeter staatliches Land werden sich bald in ein Meer aus glitzernden Parabolrinnen verwandeln. Die solarthermische Anlage soll nach Fertigstellung 1000 Megawatt Strom produzieren, drei Mal so viel wie die derzeit grösste Solaranlage in den USA. Sie kann 800.000 Privathaushalte mit Strom versorgen. 2013 soll das erste von vier Teilkraftwerken fertig sein. Gesamtkosten des Projekts: 6 Milliarden Dollar (4,6 Milliarden Euro/5,8 Milliarden Franken). Die Bauarbeiten haben Ende 2010 begonnen, gerade noch rechtzeitig, damit das Projekt in den Genuss von üppigen Steuerkrediten der US-Regierung kommt.
Mehr Stahl als für die Golden Gate Bridge
Uwe T. Schmidt, vor 49 Jahren in England geborener Deutsch-Kanadier mit Wohnsitz in den USA, ist Chairman und CEO von Solar Trust of America. Die Holding gehört zu 70 Prozent dem Solartechnologie-Konzern Solar Millenium aus Erlangen und zu 30 Prozent dem Essener Industrie-Dienstleister Ferrostaal gehört. Beide Teilhaber gerieten 2010 unter Beschuss: Ferrostaal wegen Schmiergeldvorwürfen, Solar Millenium wegen falscher Unternehmensmeldungen und Streit um die Unternehmensführung.
Stahlmann in der Sonne
Uwe Schmidt hat keinerlei Zweifel am Erfolg des Projekts. Er hat den Unternehmergeist im Blut: Seine Familie ist seit vier Generationen im Stahlgeschäft tätig. Der Vater baute in England ein Handelsunternehmen auf, zog in den 60er Jahren nach Kanada. Schmidt verbrachte seine Jugend in Toronto und studierte in Ontario Betriebswirtschaft.
Nach dem Studium liess er sich von Thyssen Krupp AG anheuern, eröffnete für den Stahl-Giganten Niederlassungen in aller Welt, arbeitete in Australien und Südostasien, übernahm die Recycling-Sparte von Thyssen in New York. Er leitete anschliessend das Amerika-Geschäft der Ferrostaal AG und gründete Stahlschmidt, Inc, eine internationale Handels- und Investmentfirma. Solar Trust of America hob er im August 2009 aus der Taufe. Zu Beginn arbeiteten am Firmensitz in Cleveland, Ohio, gerade einmal 15 Mitarbeiter; jetzt sind es 120.
Der Einstieg ins Solar-Geschäft liege ihm auch „persönlich am Herzen”, sagt Schmidt. Denn: „Wenn wir weiter so wirtschaften wie bisher, dann werden unsere Energie-Ressourcen bald nicht mehr ausreichen.” Das Blythe-Pojekt werde eine Million Tonnen giftiges Kohlendioxyd in der Atmosphäre einsparen. Zwar fühlt sich der Unternehmer nicht wirklich als reinrassiger Umweltritter. „Wir sind ein Business, und wir wollen Geld verdienen”, sagt er lakonisch. Aber wenn das lukrative Geschäft auch der Nachhaltigkeit des Planeten diene, dann sei das doch „eine feine Sache”. Das Unternehmens-Motto des Uwe Schmidt: Gutes tun und dabei Geld verdienen.
Für Schmidt sind diese Querelen Nebenschauplätze. Er denkt in anderen Dimensionen: „Die Solaranlage in Blythe ist das umfassendste Bauprojekt, das derzeit in den USA verfolgt wird.” Ausserdem - der Mann denkt eben gross - werde für die Anlage in Blythe „eineinhalb mal so viel Stahl benötigt wie für den Bau der Golden Gate Bridge in San Francisco”. Doch nicht nur der Bauherr selbst ist begeistert. Es gibt Lob von Regierungs- und Branchenvertretern. Selbst Tierschützer haben gegen das Projekt wenig einzuwenden. Solar Trust sicherte zu, bedrohte Spezies wie die Wüstenschildkröte umzusiedeln. „Verglichen mit anderen Projekten bereitet uns dieses Unterfangen wenig Kopfschmerzen”, sagt Ileene Anderson vom Zentrum für Artenvielfalt in Los Angeles.
Kreditgarantie vom Staat
Nach dem Segen der Politik geht es jetzt darum, die Finanzierung zu sichern. Gut zwei Milliarden Dollar der Projektgelder will Solar Trust über eine Kreditgarantie des US-Energieministeriums einholen, die im Dezember erteilt wurde. Der Rest muss von privaten Investoren kommen. Das Interesse sei gross, sagt Schmidt, vor allem in Amerika und Asien. Solar Trust hat die Citibank und Deutsche Bank als Finanzberater engagiert. „Es wird eine Herausforderung, genügend Investoren zu finden”, sagt Gunar Hering, Experte für erneuerbare Energien bei der Boston Consulting Group mit Sitz in Berlin. Doch habe Solar Trust die Projektentwicklung und die Genehmigungsverfahren „sehr sorgfältg durchgeführt”. Ausserdem gebe es „einige positive Signale in den USA” für eine Finanzierung des Mega-Kraftwerks.
Von Finanzkrise profitiert
So konnte Solar Trust auch von der Finanzkrise profitieren. Mit dem Konjunkturprogramm will US-Präsident Barack Obama vor allem Arbeitsplätze schaffen. Und das tut das Blythe-Projekt ohne Frage: 7.500 Stellen sollen alleine in der ersten Bauphase entstehen.
Die USA, und vor allem Kalifornien, erscheinen als der ideale Ort für die solarthermische Expansion. Hier ist die Sonneneinstrahlung 25 Prozent intensiver als im Süden Spaniens. In einem Radius von 400 Kilometern um Blythe sind 10 Prozent der amerikanischen Bevölkerung zu erreichen: die ideale Kombination von Klima und Marktzugang also. Ausserdem hat Kalifornien ehrgeizige Umweltgesetze: Bereits heute müssen 20 Prozent, im Jahr 2020 ein Drittel des Energiebedarfs durch erneuerbare Energien gedeckt werden.
Energieexperte Gunar Hering ist überzeugt, dass das Unternehmen ein Erfolg wird. Das Kraftwerk in Kalifornien sei ein globales Pilotprojekt: „Die ganze Welt wird nach Blythe schauen und fragen: Bekommen die das hin? Und ich bin sicher: Das werden sie.”
|