Eine Umweltkatastrophe wie bei der Explosion der Ölplattform Deepwater Horizon im Golf von Mexiko im vergangenen April kann sich wiederholen, wenn die beteiligten Firmen ihre Technik nicht verbessern.
Fehlverhalten von gleich drei Firmen hat die Umweltkatastrophe im Golf von Mexiko im vergangenen April ausgelöst. Bisher sind keine Schutzvorkehrungen getroffen worden, um eine Wiederholung des Desasters an andere Stelle zu verhindern. Zu diesem Schluss kommt der vergangenes Jahr von US-Präsident Barack Obama eingesetzte unabhängige Untersuchungsausschuss. Demnach haben sowohl der Öl-Multi BP als auch der Plattform-Eigner Transocean und der amerikanische Konzern Halliburton versagt. Bei BP ist man erleichtert, dass man nicht der allein Schuldige ist. Unglück wäre zu verhindern gewesen In dem jetzt in Teilen vorgelegten Untersuchungsbericht hält fest: „Ein besseres Management von BP, Halliburton und Transocean hätte das Ölleck mit grosser Wahrscheinlichkeit verhindert.” Der gesamte Bericht soll in der kommenden Woche veröffentlicht werden. Der „Blowout” sei nicht die Verkettung von falschen Entscheidungen einer verantwortungslosen Firma oder von Regierungsbeamten gewesen. Die Katastrophe sei voraussehbar gewesen. „Die Gründe sind systemisch und das Fehlen von wesentlichen Veränderungen sowohl auf Seiten der Industrie als auch in den Abläufen bei der Regierung könnte zu einer Wiederholung führen.” Bei der Explosion auf der Plattform Deepwater Horizon, die Transocean gehört, von BP betrieben und mit Hilfe von Halliburton eingerichtet wurde, sind elf Arbeiter getötet worden. Millionen Liter von Rohöl traten nur 40 Meilen vor der Küste des US-Bundesstaates Louisiana in 1500 Metern Tiefe aus der Macondo-Quelle aus und verursachten die größte Umweltkatastrophe in der amerikanischen Geschichte. Verwandte Themen| { "Erdölindustrie wird unterschätzt", 08.12.10 } | | { Eldorado der Ölbohrer, 28.09.10 } | | { BP kämpft um seine Zukunft, 21.09.10 } | | { BP-Schlachtross an der Golffront, 28.07.10 } | | { Obama will Amerikas Meere retten, 21.07.10 } | | { BP fährt wieder volles Risiko , 14.07.10 } | | { Ölunternehmen gegen Klimaschutz, 09.06.10 } | | { BP kämpft um seine Zukunft, 31.05.10 } | | { Beim Öl wird Obama konservativ , 31.03.10 } | | { Biodiversität braucht einen Preis, 15.02.10 } | | { Biodiversität schützen , 13.02.10 } | | { Biodiversität stärken, 27.01.10 } |
Erst nach drei Monaten konnte das Leck völlig abgedichtet werden. BP hatte in einer ersten Maßnahme einen Fonds von 20 Milliarden Dollar (15 Milliarden Euro/19 Milliarden Franken) zur Begleichung von Schadensersatzforderungen eingerichtet. Transocean im Visier Besondere Verantwortung wird in dem Bericht der ursprünglich amerikanischen, heute in der Schweiz ansässigen Eignerfirma Transocean zugewiesen. Schon 2009 hatte sich auf einer Transocean-Plattform in der Nordsee ein ähnlicher Vorfall wie an der Macondo-Quelle im Golf von Mexiko ereignet. Auch dort funktionierte ein Sicherheitsventil nicht richtig, dass ein Ausblasen der Ölquelle verhindern soll. Allerdings kam es in der Nordsee nicht zu einem größeren Ausfließen von Rohöl. „Die Basisfakten beider Zwischenfälle sind dieselben”, heisst es in dem Bericht. „Hätte man die Besatzung (der Deepwater Horizon) von dem früheren Zwischenfall informiert und anhand der daraus gezogenen Lehren trainiert, so hätten sich die Dinge bei Macondo wesentlich anders entwickeln können.” In der Anhörung der Kommission hatten Transocean-Manager allerdings den Zwischenfall in der Nordsee als irrelevant eingestuft. Dagegen wiesen sie BP die Schuld an den Problemen der Deepwater Horizon zu. „Wie in der Industrie üblich wurden die Maßnahmen in den letzten Stunden von BP geplant und durchgeführt und zuvor von den Beamten der Bundesaufsicht genehmigt”, heißt es in einer Erklärung von Transocean. Aufatmen bei BP Trotz der Vorwürfe von Transocean wird der Bericht als Entlastung für BP gesehen, das bisher als allein Schuldiger angesehen worden war. Der Bericht zeige, dass das Unglück „mehrere Ursachen hatte, an denen mehrere Firmen beteiligt waren”, kommentierte BP den ersten Bericht. An der Londoner Börse legten die BP-Aktien um mehr als zwei Prozent zu, vor allem, weil die erwartete Strafe für BP sich von 17,5 Milliarden Dollar als Alleinschuldiger auf 4,5 Milliarden reduzieren würde, wenn es mehrere Schuldige gibt. „Es ist schwieriger, nur eine Firma als grob fahrlässig darzustellen, wenn der Bericht besagt, dass systemische Fehler vorlagen”, sagte Analyst Richard Griffith von Evolution Securities in London. Drei Firmen, drei Fehler Der Bericht beurteilt die Phasen der Plattform vom Bau bis zum Unglück. BP hat demnach die Röhren im Meeresboden nicht ausreichend fixiert. Transocean testete das Sicherheitsventil gegen Ausblasen der Ölquelle nicht ordentlich und Halliburton testete den so genannten Schlamm, eine Art Spezialzement, zum Auskleiden der Quelle nicht genügend. Auch Halliburton griff BP an. Hätte die Ölfirma die Testergebnisse richtig interpretiert, hätte man die Schwächen des Zements erkennen müssen. Der Bericht fordert, bei Tiefseebohrungen die Quellen künftig besser zu sichern. Auf Regierungsseite müsste die Verantwortung der für Umweltschutz und Genehmigungen zuständigen Beamten von denen für die Ahndung von Fehlverhalten Zuständigen getrennt werden. Bild: Eine Umweltkatastrophe wie bei der Explosion der Ölplattform Deepwater Horizon im Golf von Mexiko im vergangenen April kann sich wiederholen, wenn die beteiligten Firmen ihre Technik nicht verbessern (BP).
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