Heiligabend unter Polizeischutz

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Geschrieben von: Manfred Maurer, Wien 24.12.10
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Weihnachten bei Christen in Pakistan. Der Oblaten-Missionar Günther Ecklbauer erlebt das Fest hier intensiver als daheim im konsumgetriebenen Reich des Tschinglbellismus. Doch ungetrübt ist die Weihnachtsidylle keinesfalls.

Der aus Österreich stammende Pater wird den Heiligen Abend in seiner Pfarre Derekabad im Südosten Pakistans verbringen, wo 2000 Christen inmitten einer islamischen, oft auch islamistischen Gesellschaft jeden Tag ein mutiges Glaubensbekenntnis ablegen. „Zum ‘lokalen Flair’ unserer Weihnachtsgottesdienste gehört leider die Anwesenheit von Polizei als Vorsichts- und Schutzmassnahme”, schildert Ecklbauer das Bedrohungsszenario.

Christen sind Freiwild

In Pakistan gibt es zwar Kirchen, aber auch islamische Fundis, für die Christen Freiwild sind. Gerade hat ein Imam ein Kopfgeld auf jene Christin ausgesetzt, die wegen angeblicher Beleidigung des Propheten Mohammed im November zunächst zum Tod verurteilt, aber dann doch begnadigt worden war. Das berüchtigte Blasphemiegesetz trifft freilich nicht nur Christen. „Immer wieder werden auch Muslime Opfer dieses Gesetzes, da es als Mittel zum Begleichung alter Rechnungen benutzt wird”, so der Österreicher.

Auch die Sintflut dieses Sommers hat alle - egal, ob Christen, Muslime oder Hindus -gleichermassen getroffen. Pater Ecklbauer kann Dank grosszügiger Spenden aus seiner Heimat die Not der Flutopfer in seiner Pfarre zumindest etwas lindern. Zahlreiche zerstörte Häuser in der Region konnten repariert und Lebensmittel angeschafft werden.

Not nährt und stört eine Idylle

Weil die Menschen hier in bitterster Armut leben, können sie sich den „Luxus” eines von materiellen Wünschen befreiten Weihnachtsfestes gar nicht leisten. „In gewisser Weise steht das Materielle für unsere Leute sogar noch mehr im Vordergrund”, sagt Ecklbauer. Geschenkt wird freilich meist Kleidung, die man sowieso braucht und deren Anschaffung ein Problem ist. Denn meist reicht es nicht einmal für Lebensmittel. Weihnachten ist der „Aufhänger” für Geschenke, über die man sich hierzulande oft nur naserümpfend freut. Ecklbauer: „So wie unsere Eltern als Kinder mit einem Paar warmer Socken und einer Orange glücklich waren, sind die Menschen hier mit wenig zufrieden.” Obwohl es keine Nadelbäume gibt und Adventkränze aus Sträuchern geflochten werden, spürt der Priester das „Ursprüngliche”: Die Armen und Ausgegrenzten sind für ihn „die Hirten, die das Jesuskind als erste gesehen haben”. Ecklbauer: „In dieser Hinsicht haben wir hier Weihnachten das ganze Jahr - das ist es wohl auch, was einen Missionar in die Ferne ziehen lässt.”

Die Ärmsten beneiden weniger Arme

Idyllisch geht es in dieser Ur-Weihnachtsszenerie allerdings nicht zu. Und das hat weniger zu tun mit der Bedrohung durch Extremisten, sondern vielmehr mit einem im satten Westen nicht unbekannten Phänomen: Neid, wenn auch hier auf niedrigstem Niveau. Die Allerärmsten beneiden die etwas weniger Armen. Manche Flutopfer haben schon wieder ein Dach über dem Kopf, andere hausen noch immer in Zelten. Viele Familien haben nicht die paar Dollar, die manche Ortschefs als Schmiergeld verlangen, damit sie Soldaten als Wiederaufbauhelfer abstellen. Daraus entsteht Missgunst.

Enttäuschung eines Missionars

Auch der Missionar bekommt sie zu spüren, obwohl, oder vielleicht weil er nicht nur Christen helfen will. Ecklbauer spricht offen über seine „schmerzhaften Erfahrungen”: Seine arme Herde glaubt, dass er durch seine Verbindungen in die Heimat Geld im Überfluss haben müsse und daher allen viel mehr geben könnte. Jeden Tag stehen die Bettler vor Ecklbauers Tür: „Manchmal kann ich etwas helfen, meist muss ich ablehnen. Manchmal mit ruhiger Stimme, oft tue ich es auch mit harten Worten. Der Neid hat uns von unseren Leuten entfernt und entfremdet.” Der Pater aus Österreich ist enttäuscht. Enttäuscht über die Menschen, die ihre Armut doch nicht als gottgegeben annehmen, wie es das christliche Ideal vorsieht. Enttäuscht aber auch „über mich selbst, weil ich damit nicht zurechtkomme”.

„Trotzdem”, so Pater Ecklbauer, „bin ich immer noch überzeugt, dass es gut ist, hier zu sein”.

Bild: Pater Ecklbauer mit pakistanischen Kindern (privat).

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