Auch alte Besen kehren gut

Drucken
E-Mail
Geschrieben von: Martina Gyger, Feldmeilen 03.01.11
Bookmark and Share
Stichworte:         

Mit der demografischen Alterung der Bevölkerung werden ältere Erwerbstätige in Unternehmen immer wichtiger. Und diese Entwicklung hat Vorteile, wie Unternehmen feststellen, die schon jetzt auf eine Altersdurchmischung von Teams achten.

Ältere Erwerbstätige werden auch in der Schweiz stärker am Arbeitsleben teilhaben müssen, denn unsere Gesellschaft wird immer älter. Als ein Nachteil für Unternehmen dürfte sich das nicht herausstellen. Ruth Gygax, Inhaberin der Personalberatung „Ruth Gygax Human Resources“ in Zug, sagt, vieles spräche für den Einsatz von älteren Mitarbeitern. Sie seien flexibler als gemeinhin angenommen, verlässlich und stabil. „Gewinner unter den Unternehmen streben schon jetzt einen guten Altersmix an“, sagt sie. Klar ist: In der Zentralschweiz sind alternde Belegschaften bereits Realität. Isa Sandmann, Leiterin des RAV Luzern der Dienststelle Wirtschaft und Arbeit, stellt fest, dass grosse Unternehmen Mitarbeiter länger beschäftigten. Auch einzelne KMU suchten explizit ältere Personen mit Lebens- und Berufserfahrung. Sandmann sagt: „Bald wird ein grosser Teil der erwerbstätigen Bevölkerung über 50 Jahre alt sein. Darauf wird sich die Wirtschaft einstellen müssen.“

Renten unter Druck

Hieran führt kein Weg vorbei, weil weniger Kinder geboren werden und gleichzeitig Menschen ein immer höheres Lebensalter erreichen. Wie in anderen Industrieländern setzt die zunehmende Alterung auch in der Schweiz die Renten unter Druck. Und in den letzten Jahren wurde die Forderung nach einer Erhöhung des formellen AHV-Alters von 64 Jahren bei den Frauen und 65 bei den Männern immer wieder laut, wenn auch bislang im Parlament abgeschmettert.
Der Generationenforscher und Soziologieprofessor am Soziologischen Institut der Universität Zürich Francois Höpflinger stellt in einem Studienbericht fest: „Der Anteil der 50-jährigen und älteren Personen an der Erwerbsbevölkerung hat sich zwischen 1996 und 2007 von 25 Prozent auf 28 Prozent erhöht.“ Laut Szenarien des Bundesamtes für Statistik wird der Anteil der über 50-jährigen Erwerbspersonen bis 2020 voraussichtlich auf gut ein Drittel ansteigen.

RAV hilft auf die Sprünge

Das RAV bereitet sich darauf vor und bietet gezielte Massnahmen für ältere Menschen an, um ihre Arbeitsfähigkeit zu erhalten beziehungsweise zu erhöhen. Zum Beispiel können sie von individuellem Coaching, Kursen kombiniert mit einem Arbeitseinsatz in einem Unternehmen, Projektarbeit oder Einsätzen in Non Profit Unternehmen sowie Programmen zur vorübergehenden Beschäftigung profitieren. Zudem existieren Einarbeitungszuschüsse für Arbeitgeber, welche Personen im fortgeschrittenen Alter unbefristet anstellen und Programme zur vorübergehenden Beschäftigung. So sollen Unternehmen dazu motiviert werden, das vermeintliche Risiko einzugehen, ältere Menschen in Beschäftigung zu nehmen.

Teams profitieren von Durchmischung

Fortschreitende Alterung

Laut Bundesamt für Statistik setzt sich die demografische Alterung der Wohnbevölkerung weiter fort. Der Anteil der Personen ab 65 Jahren steigt von 15,4 Prozent im Jahr 2000 auf 16,8 Prozent im Jahr 2009, während der Prozentsatz der Kinder und Jugendlichen unter 20 im gleichen Zeitraum von 23,1 Prozent auf 21,0 Prozent zurückgeht. Der Anteil der Personen im erwerbsfähigen Alter (20 bis 64 Jahre) hat damit seit 2000 leicht zugenommen (2009: 62,2 Prozent), da in dieser Alterskategorie mehr Personen neu hinzukommen als wegfallen.
In naher Zukunft wird sich dieser Trend allerdings umkehren. Der Altersquotient steigt kontinuierlich (27,0 Prozent), der Jugendquotient (33,8 Prozent) sinkt dagegen seit 2000, nachdem er in den 1970er- und 1980er-Jahren mit einer Abnahme von 16 Prozentpunkten markant zurückgegangen und in den 1990er-Jahren relativ stabil geblieben ist. Damit kommen Ende 2009 61 Personen zwischen 0 und 19 Jahren und ab 65 Jahren auf etwa 100 Personen im erwerbsfähigen Alter.

Vielerorts ist jedoch der demografische Wandel bereits Thema. Bettina Kneubühler, Leiterin Personelles und Ausbildung der Genossenschaft Migros Luzern, sagt: „Bei uns haben die meisten Teams eine gute Altersdurchmischung.“ Der Anteil der 50- bis 59-Jährigen an der Belegschaft beträgt 21,6 Prozent, der über 60-Jährigen 6,8 Prozent. Migros Luzern biete für ältere oder dienstältere Mitarbeitende Weiterbildungen an, die beispielsweise zum Ziel haben, die Veränderungsmöglichkeit sowie die Ressourceneinteilung bis zur Pensionierung hin zu fördern. Bei der Zuger Kantonalbank ist rund ein Viertel der über 440 Mitarbeitenden in der Alterskategorie 51 bis 60. „Wir achten generell auf eine gute Durchmischung der Teams, sowohl in Alter als auch Geschlecht. Während wir uns in der Vergangenheit auf ‚Gleichstellung‘ konzentriert haben, fokussieren wir heute vermehrt auf Demografie und deren Herausforderungen. Der Wissensaustausch zwischen den Generationen und die Versorgung mit erfahrenen Fachkräften stehen dabei im Vordergrund“, sagt Personalleiter Constantino Amoros.

Gemeinsam höhere Produktivität

„Im Gesundheitswesen sind altersmässig gemischte Teams der Regelfall“, sagt Irene Dörig, Leiterin Marketing & Kommunikation am Zuger Kantonsspital, Baar. Dort sind 24 Prozent der weiblichen Mitarbeiter zwischen 50 und 60 Jahre alt, 6 Prozent über 60 Jahre, 20 Prozent der Männer zwischen 50 und 60 Jahre alt und 7 Prozent über 60 Jahre alt. Der Fokus auf eine gute Mischung hat seine Gründe, die Benno Estermann, Konzernsprecher Siemens Schweiz AG auf den Punkt bringt: „Altersdurchmischte und vielfältig zusammengesetzte Teams gehen Probleme aus unterschiedlichen Perspektiven an, erreichen gemeinsam eine höhere Produktivität und finden bessere Lösungen.“ Ältere, die sich kontinuierlich weiterbildeten, seien meist sehr offen gegenüber neuen Konzepten, Ansätzen oder Ideen und keineswegs langsamer oder weniger agil als Junge. Erfahrung und Know-how der „älteren“ Mitarbeitenden werden ebenso geschätzt wie die Ruhe und Gelassenheit, die sie in ein Team bringen können.
Bei der Heineken Switzerland  AG in Luzern  sind bereits 34 Prozent der Mitarbeitenden über 50, zehn Prozent über 60.  Die Leiterin der Unternehmenskommunikation von Heineken Switzerland, Carmen Wyss, sagt: „Ältere Mitarbeitende werden aufgrund ihrer Qualitäten in Zukunft wieder vermehrt umworben werden.“ Vielleicht ein Motto, das die ältere Generation beflügeln könnte.  

Kommentar schreiben


Sicherheitscode
Aktualisieren

 

Cleantech.ch

cleantech_ch

SCA_LOGO_RGB_marginal
mit swisscleantech ins neue Energiezeitalter

Meistgelesene Artikel

    Abonnieren Sie noch heute Ihren persönlichen Newsletter.
    Noch grössere Aktualität erhalten Sie mit unserem RSS-Feed.

    Kalender

    Deprecated: Function ereg_replace() is deprecated in /home/www-data/nachhaltigkeit.org/components/com_jcalpro/config.inc.php on line 405

    Der Veranstaltungskalender wird vorbereitet.

    {Zum Kalender}

    Magazin Cleantech Switzerland

    Magazin Cleantech Switzerland 2011-1

    Gründungssponsoren