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Offener Brief an AKW-Partner

Geschrieben von: Florian Kasser, Energiecampaigner Greenpeace 22.12.10
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AKW Beznau und Gösgen beziehen radioaktives Brennmaterial aus der Atomanlage Mayak. Heute richtet Greenpeace einen offenen Brief an Aktionäre und Strombezüger des AKW Gösgen. Sie werden aufgefordert, sich für Transparenz einzusetzen und Verantwortung für die massiven Schäden zu übernehmen, die für Menschen und Umwelt vor Ort entstehen.

 

Offener Brief an die Aktionäre und Strombezüger des Kernkraftwerks Gösgen:

 

Sehr geehrte Damen und Herren,

Seit Anfang September 2010 ist bekannt, dass das Kernkraftwerk Gösgen Brennmaterial aus der kerntechnischen Anlage Majak in Russland bezieht. Im November besuchte eine Greenpeace-Delegation gemeinsam mit Schweizer Medienschaffenden die Umgebung von Majak. Die Umweltorganisation hat Messungen durchgeführt und an verschiedenen Standorten Strahlungswerte so hoch wie in Tschernobyl gemessen. Die Gewässer und der Boden sind verseucht mit den radioaktiven Abfällen aus 60 Jahren Majak-Betrieb, die auch zu schweren Umweltkatastrophen führten. Greenpeace liegen zudem Dokumente u.a. der Anlagebetreiber selbst vor, die belegen, dass auch der aktuelle Betrieb neue Radioaktivität in die Umwelt bringt. Die Krebsrate in der Region Tschelyabinsk ist überdurchschnittlich hoch, ebenso die Zahl der Fehlgeburten. Viele Kinder kommen mit genetischen Schäden und zum Teil schwersten Behinderungen zur Welt. Aus Sicht von Greenpeace besteht keine Perspektive, in der Anlage innert nützlicher Frist eine saubere Produktion zu ereichen. Einzig eine gründliche Sanierung des gesamten Gebiets würde die Menschen vor der radioaktiven Gefahr schützen.

Ihr Unternehmen bzw. Ihr Kanton ist am KKW Gösgen beteiligt. Deshalb fordern wir Sie auf, Rechenschaft gegenüber der Öffentlichkeit über folgende Problemstellungen abzulegen:

Zur Transparenz:

1. Über welche Informationen verfügt das KKW Gösgen bezüglich der Einhaltung von Sicherheits- und Umweltschutzstandards in den Produktionsprozessen der Majak-Anlage?

2. Können die heutigen Geschäfte mit Majak mit Umweltauflagen verknüpft werden, im Wissen dass die Schweizer KKW-Betreiber keine direkten Verträge mit Majak haben und dass die Verträge bereits abgeschlossen wurden?

3. Wie kann garantiert werden, dass in der Majak-Anlage und in ihrer Umgebung Schutz für Mensch und Umwelt sichergestellt ist?

4. Kann aus Ihrer Sicht der Bezug von Brennmaterial aus Majak verantwortet werden kann oder werden die Verträge jetzt aufgelöst? Wenn ja, ab wann?

5. Sind die KKW Gösgen AG und ihre Aktionäre bereit, ab jetzt eindeutige und vollständige Angaben zur Herkunft des Brennmaterials auf freiwilliger Basis öffentlich zu machen, wie der Bundesrat es anregt?

6. Wann stellen die KKW Gösgen AG und ihre Aktionäre eine umfassende Information über die Problemlage ins Internet?

Zu Menschenrechtsaspekten:

7. Welche Haftungs- und menschenrechtlichen Verantwortungen ergeben sich aus dem Bezug der Brennelemente für die Lieferanten sowie die KKW Gösgen AG und ihre Aktionäre?

8. Welche sofortigen und langfristigen Massnahmen werden die KKW Gösgen AG und ihre Aktionäre zur Verantwortungsübernahme ergreifen?

9. Wie sind die KKW Gösgen AG und ihre Aktionäre gewillt, diese moralische Verantwortung gegenüber den Direktbetroffenen zu tragen?

 

Wir bitten Sie um eine Stellungsnahme zu diesen Fragen und bitten Sie, uns einen Gesprächstermin zur Erörterung zu geben.

Mit besten Dank und freundlichen Grüssen

Florian Kasser, Energiecampaigner

Kaspar Schuler, Leiter Bereich Klima & Energie

 

Weitere Informationen:
Florian Kasser, Energiecampaigner Greenpeace
Tel.: 0041 / 44 / 447 41 23
Greenpeace
Heinrichstrasse 147,
Postfach, CH-8031 Zürich
Tel.: 0041 / 44 / 447 41 41


Geht an:

Aktionäre der KKW Gösgen AG

Alpiq Holding AG Hans E. Schweickardt, Verwaltungsratspräsident
Alpiq Holding AG Giovanni Leonardi, CEO
Energie Wasser Bern ewb Daniel Kramer, Verwaltungsratspräsident
Stadt Zürich Corine Mauch, Stadtpräsidentin
Axpo AG Philipp Stähelin, Verwaltungsratspräsident
Centralschweiz. Kraftwerke CKW AG Heinz Karrer, Verwaltungsratspräsident

Beteiligte über Alpiq

EOS Holding SA Guy Mustaki, Président du conseil d'administration
FMV SA Jean Pralong, Président du conseil d'administration
Etat du Valais Jean-Michel Cina, Président du Conseil d'Etat
Groupe E SA Michel Pittet, Président du conseil d'administration
Etat de Fribourg Beat Vonlanthen, Président du Conseil d'Etat
Etat de Neuchâtel Claude Nicati, Président du Conseil d'Etat
Ville de Lausanne Daniel Brélaz, Syndic
BKW FMB Energie Urs Gasche, Verwaltungsratspräsident
Kanton Bern Philippe Perrenoud, Regierungspräsident
Romande Energie Holding SA Guy Mustaki, Président du conseil d'administration
Etat de Vaud Pascal Broulis, Président du Conseil d'Etat
Service industriels de Genève SIG Daniel Mouchet, Président du conseil d'administration
Etat de Genève Mark Muller, Président du Conseil d'Etat
Ville de Genève Madame Sandrine Salerno, Maire
Aziende Industriali di Lugano AIL Andrea Prati, Président du conseil d'administration
EBM Dr. Alex Stebler , Verwaltungsratspräsident
EBL Reinhold Tschopp, Verwaltungsratspräsident
Kanton Solothurn Walter Straumann, Landammann
Aufsichtsrats
IBA Dr. Marcel Guignard, Verwaltungsratspräsident
Stadt Aarau Dr. Marcel Guignard, Stadtammann
Wasserwerke Zug WWZ Christoph Luchsinger, Verwaltungsratspräsident
EnBW Dr. Claus Dieter Hoffmann, Vorsitzender des
EDF Henri Proglio, Président directeur général

Beteiligte über ewb

Stadt Bern Alexander Tschäppät, Stadtpräsident

Beteiligte über CKW

Kanton Luzern Anton Schwingruber, Regierungspräsident
Kanton Uri Markus Züst, Landammann
Kanton Zug Heinz Tännler, Vorsteher der Baudirektion

Beteiligte über Axpo

Kanton Aargau Peter C. Beyeler, Landammann und Vorsteher des Departements Bau, Verkehr und Umwelt
Kanton Glarus Robert Marti, Landammann und Vorsteher des Departements Bau und Umwelt
Kanton Schaffhausen Dr. Reto Dubach, Vizepräsident und Vorsteher des Baudepartements
Kanton Zug Heinz Tännler, Vorsteher der Baudirektion
Kanton Zürich Dr. Markus Kägi, Vorsteher der Baudirektion
EKZ Rolf Sägesser, Präsident
AEW Energie AG Ernst Werthmüller, Präsident
EKT Holding AG Rainer Sigrist, Präsident
St. Gallisch-Appenzell. Kraftwerke AG Dr. Josef Keller, Präsident

 

Bild: zvg

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