AKW Beznau und Gösgen beziehen radioaktives Brennmaterial aus der Atomanlage Mayak. Heute richtet Greenpeace einen offenen Brief an Aktionäre und Strombezüger des AKW Gösgen. Sie werden aufgefordert, sich für Transparenz einzusetzen und Verantwortung für die massiven Schäden zu übernehmen, die für Menschen und Umwelt vor Ort entstehen.
Offener Brief an die Aktionäre und Strombezüger des Kernkraftwerks Gösgen:
Sehr geehrte Damen und Herren,
Seit Anfang September 2010 ist bekannt, dass das Kernkraftwerk Gösgen Brennmaterial aus der kerntechnischen Anlage Majak in Russland bezieht. Im November besuchte eine Greenpeace-Delegation gemeinsam mit Schweizer Medienschaffenden die Umgebung von Majak. Die Umweltorganisation hat Messungen durchgeführt und an verschiedenen Standorten Strahlungswerte so hoch wie in Tschernobyl gemessen. Die Gewässer und der Boden sind verseucht mit den radioaktiven Abfällen aus 60 Jahren Majak-Betrieb, die auch zu schweren Umweltkatastrophen führten. Greenpeace liegen zudem Dokumente u.a. der Anlagebetreiber selbst vor, die belegen, dass auch der aktuelle Betrieb neue Radioaktivität in die Umwelt bringt. Die Krebsrate in der Region Tschelyabinsk ist überdurchschnittlich hoch, ebenso die Zahl der Fehlgeburten. Viele Kinder kommen mit genetischen Schäden und zum Teil schwersten Behinderungen zur Welt. Aus Sicht von Greenpeace besteht keine Perspektive, in der Anlage innert nützlicher Frist eine saubere Produktion zu ereichen. Einzig eine gründliche Sanierung des gesamten Gebiets würde die Menschen vor der radioaktiven Gefahr schützen.
Ihr Unternehmen bzw. Ihr Kanton ist am KKW Gösgen beteiligt. Deshalb fordern wir Sie auf, Rechenschaft gegenüber der Öffentlichkeit über folgende Problemstellungen abzulegen:
Zur Transparenz:
1. Über welche Informationen verfügt das KKW Gösgen bezüglich der Einhaltung von Sicherheits- und Umweltschutzstandards in den Produktionsprozessen der Majak-Anlage?
2. Können die heutigen Geschäfte mit Majak mit Umweltauflagen verknüpft werden, im Wissen dass die Schweizer KKW-Betreiber keine direkten Verträge mit Majak haben und dass die Verträge bereits abgeschlossen wurden?
3. Wie kann garantiert werden, dass in der Majak-Anlage und in ihrer Umgebung Schutz für Mensch und Umwelt sichergestellt ist?
4. Kann aus Ihrer Sicht der Bezug von Brennmaterial aus Majak verantwortet werden kann oder werden die Verträge jetzt aufgelöst? Wenn ja, ab wann?
5. Sind die KKW Gösgen AG und ihre Aktionäre bereit, ab jetzt eindeutige und vollständige Angaben zur Herkunft des Brennmaterials auf freiwilliger Basis öffentlich zu machen, wie der Bundesrat es anregt?
6. Wann stellen die KKW Gösgen AG und ihre Aktionäre eine umfassende Information über die Problemlage ins Internet?
Zu Menschenrechtsaspekten:
7. Welche Haftungs- und menschenrechtlichen Verantwortungen ergeben sich aus dem Bezug der Brennelemente für die Lieferanten sowie die KKW Gösgen AG und ihre Aktionäre?
8. Welche sofortigen und langfristigen Massnahmen werden die KKW Gösgen AG und ihre Aktionäre zur Verantwortungsübernahme ergreifen?
9. Wie sind die KKW Gösgen AG und ihre Aktionäre gewillt, diese moralische Verantwortung gegenüber den Direktbetroffenen zu tragen?
Wir bitten Sie um eine Stellungsnahme zu diesen Fragen und bitten Sie, uns einen Gesprächstermin zur Erörterung zu geben.
Mit besten Dank und freundlichen Grüssen
Florian Kasser, Energiecampaigner
Kaspar Schuler, Leiter Bereich Klima & Energie
Weitere Informationen: Florian Kasser, Energiecampaigner Greenpeace Tel.: 0041 / 44 / 447 41 23 Greenpeace Heinrichstrasse 147, Postfach, CH-8031 Zürich Tel.: 0041 / 44 / 447 41 41
Geht an:
Aktionäre der KKW Gösgen AG
Alpiq Holding AG Hans E. Schweickardt, Verwaltungsratspräsident Alpiq Holding AG Giovanni Leonardi, CEO Energie Wasser Bern ewb Daniel Kramer, Verwaltungsratspräsident Stadt Zürich Corine Mauch, Stadtpräsidentin Axpo AG Philipp Stähelin, Verwaltungsratspräsident Centralschweiz. Kraftwerke CKW AG Heinz Karrer, Verwaltungsratspräsident
Beteiligte über Alpiq
EOS Holding SA Guy Mustaki, Président du conseil d'administration FMV SA Jean Pralong, Président du conseil d'administration Etat du Valais Jean-Michel Cina, Président du Conseil d'Etat Groupe E SA Michel Pittet, Président du conseil d'administration Etat de Fribourg Beat Vonlanthen, Président du Conseil d'Etat Etat de Neuchâtel Claude Nicati, Président du Conseil d'Etat Ville de Lausanne Daniel Brélaz, Syndic BKW FMB Energie Urs Gasche, Verwaltungsratspräsident Kanton Bern Philippe Perrenoud, Regierungspräsident Romande Energie Holding SA Guy Mustaki, Président du conseil d'administration Etat de Vaud Pascal Broulis, Président du Conseil d'Etat Service industriels de Genève SIG Daniel Mouchet, Président du conseil d'administration Etat de Genève Mark Muller, Président du Conseil d'Etat Ville de Genève Madame Sandrine Salerno, Maire Aziende Industriali di Lugano AIL Andrea Prati, Président du conseil d'administration EBM Dr. Alex Stebler , Verwaltungsratspräsident EBL Reinhold Tschopp, Verwaltungsratspräsident Kanton Solothurn Walter Straumann, Landammann Aufsichtsrats IBA Dr. Marcel Guignard, Verwaltungsratspräsident Stadt Aarau Dr. Marcel Guignard, Stadtammann Wasserwerke Zug WWZ Christoph Luchsinger, Verwaltungsratspräsident EnBW Dr. Claus Dieter Hoffmann, Vorsitzender des EDF Henri Proglio, Président directeur général
Beteiligte über ewb
Stadt Bern Alexander Tschäppät, Stadtpräsident
Beteiligte über CKW
Kanton Luzern Anton Schwingruber, Regierungspräsident Kanton Uri Markus Züst, Landammann Kanton Zug Heinz Tännler, Vorsteher der Baudirektion
Beteiligte über Axpo
Kanton Aargau Peter C. Beyeler, Landammann und Vorsteher des Departements Bau, Verkehr und Umwelt Kanton Glarus Robert Marti, Landammann und Vorsteher des Departements Bau und Umwelt Kanton Schaffhausen Dr. Reto Dubach, Vizepräsident und Vorsteher des Baudepartements Kanton Zug Heinz Tännler, Vorsteher der Baudirektion Kanton Zürich Dr. Markus Kägi, Vorsteher der Baudirektion EKZ Rolf Sägesser, Präsident AEW Energie AG Ernst Werthmüller, Präsident EKT Holding AG Rainer Sigrist, Präsident St. Gallisch-Appenzell. Kraftwerke AG Dr. Josef Keller, Präsident
Bild: zvg
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