Liechtenstein macht sich fit

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Geschrieben von: Steffen Klatt, Vaduz 22.12.10
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Das Fürstentum Liechtenstein gibt sich ein neues Steuergesetz, führt einen einheitlichen Unternehmenssteuersatz von 12,5 Prozent ein und schafft mit zahlreichen Doppelbesteuerungsabkommen Sicherheit für Finanzplatz und Unternehmen. Das Land am Alpenrhein will seine Offenheit und seinen Wohlstand auch im kommenden Jahrzehnt bewahren, sagt Regierungschef Klaus Tschütscher.

Steffen Klatt: Die Krise ist fast vorbei. Wo steht Lichtenstein?

Klaus Tschütscher:Wir haben einen grossen Weg hinter uns. In den letzten drei Jahren haben wir hart an unserer Reputation gearbeitet und aktuell auch wiederum eine Triple-A-Bewertung erhalten. Wir sehen uns durch die Bewertung in dem von uns eingeschlagenen Weg bestätigt. Diesen Kurs werden wir weiterhin beibehalten.

Steffen Klatt: In der Finanzkrise haben die G-20 das Bankgeheimnis aufgeweicht. Kann der Finanzplatz Liechtenstein mit dieser Regelung leben?

Klaus Tschütscher:Wir sollten die Energie darauf verwenden, was wir in der Zukunft machen können und uns nicht die Frage stellen, was hat die Vergangenheit uns gebracht. Ich glaube, wir haben mit der Steuerreform, die ab dem 1. Januar in Kraft treten wird, eines der modernsten Steuergesetze in Europa. Damit haben wir einen wichtigen Ansporn für den Finanzplatz Liechtenstein geschaffen.

Steffen Klatt: Was bringt die Steuerreform?

Klaus Tschütscher:Das neue Steuergesetz bringt mehr Transparenz, Attraktivität und ist europarechtskonform. Im Bereich der Unternehmensbesteuerung führen wir verschiedene Neuerungen ein. So konnte mit dem Eigenkapitalzinsabzug die Ungleichbehandlung von Fremd- und Eigenkapital beseitigt werden. Zudem werden mit der neu eingeführten "Flat-Rate" von 12,5 Prozent künftig alle Unternehmen gleich besteuert.

Steffen Klatt: Liechtenstein hat also aktiv alle möglichen Auslöser für Konflikte mit den G20 aus dem Weg geräumt?

Klaus Tschütscher:Wir verfolgen im Bereich unserer Steuerpolitik konsequent eine Drei-Säulen-Strategie. In den letzten Monaten konnten wir zwei Säulen sehr stark vorantreiben. Da wäre zum Einen die internationale Steuerkooperation. In den letzten eineinhalb Jahren haben wir 18 Abkommen abgeschlossen. Das war harte Arbeit. Und im Bereich der zweiten Säule, der nationalen Steuersouveränität, konnten wir eine moderne Steuerreform verabschieden, die hohe Attraktivität für die Wirtschaft bringt. Aber auch im dritten Pfeiler, der Steigerung der Dienstleistungsqualität, konnten wir gerade in der Verwaltung einiges bewegen.

Steffen Klatt: Welche Rolle wird der Finanzplatz in Zukunft spielen?

Klaus Tschütscher:Er ist einer der tragenden Säulen unserer Volkswirtschaft. Das war in der Vergangenheit so und wird auch in der Zukunft so sein. Die heutigen Finanzplätze weltweit sind in einem Wandel, der sicherlich mit den Ereignissen in der Vergangenheit etwas zutun hat. In Zukunft geht es vor allem um Stabilität, Qualität und um verlässliche Zusammenarbeit. Und im Bereich der Stabilität haben wir in den Jahren der Krise nie stabilisierend eingreifen müssen.

Steffen Klatt: Die Regierung hat Pate gestanden sowohl bei der Mikrofinanzstiftung als auch bei der Klimastiftung. Warum?

Klaus Tschütscher:Ich bin ein grosser Anhänger der Zusammenarbeit zwischen der öffentlichen Hand und der privaten Wirtschaft. Im Bereich der Nachhaltigkeit ist es notwendig, dass der Staat sich gerade in diesen Zeiten entsprechend engagiert.

Steffen Klatt: Beide Projekte sind inhaltlich relativ nah am Fondgeschäft. Soll das ein neues Standbein für den Finanzplatz Lichtenstein sein?

Klaus Tschütscher:Das Fondstandbein ist schon in den letzten Jahren stark gewachsen. Und mit dem Projekt Fondsplatz Lichtenstein 2011 wollen wir auch diesen Bereich nochmals stärker vorantreiben.

Steffen Klatt: Sie sind Mitglied des Patronatskomitees von swisscleantech. Warum?

Klaus Tschütscher:Erstens, weil mich das Thema sehr interessiert  und zweitens, weil ich direkt angefragt wurde. Es hat sicherlich auch damit zu tun, weil es inhaltlich meiner persönlichen und politischen Grundhaltung entspricht.

Steffen Klatt: Welches Potential hat die Industrie Liechtensteins in Sachen Cleantech?

Klaus Tschütscher:Unser Ziel ist es, in der Zukunft vermehrt auf die Wirtschaft zuzugehen. In diesem Bereich kann sicherlich immer noch mehr getan werden. Das wollen wir auch.

Steffen Klatt:Liechtenstein ist auch ein Industrieland. Wie kann Industrie in einem solchen Hochlohnland überleben?

Klaus Tschütscher:Durch sehr fleissige Leute, hohe Arbeitproduktivität, hohe Technologisierung und durch offene Märkte. Das sind die zentralen Elemente unseres Landes. Beispielsweise sind unsere Direktinvestitionen etwa in Deutschland höher als die Polens, Ungarns und der Tschechischen Republik zusammen genommen oder auch die der Türkei. Das ist ein gewaltiges Markenzeichen unseres Industriestandorts und klare Argumente für die wirtschaftlich Kraft desselben.

Steffen Klatt:Wie wichtig sind Innovationen für den Industriestandort Liechtenstein?

Klaus Tschütscher:Da gibt es eine einfache Antwort: Innovationen sind unerlässlich für den wirtschaftlichen Erfolg.

Steffen Klatt:Kann das kleine Liechtenstein auch genügend Forschungs- und Entwicklungsarbeit leisten?

Klaus Tschütscher:Wir sind in der komfortablen Lage, dass die Forschungsaktivitäten von der Wirtschaft und von Privatpersonen selbst unterstützt und geleistet werden, was auch gut ist. Denn das ist gut investiertes Geld.

Steffen Klatt:Und was für eine Rolle spielt da die Hochschule Liechtenstein?

Klaus Tschütscher:Sie nimmt hier eine Vermittlerrolle im Bereich des Wissens- und Know-how-Transfers ein. Und deswegen sieht die Regierung auch die Richtung, die die Hochschule eingenommen hat, sehr positiv.

Steffen Klatt:Werden die Synergien zwischen der Wirtschaft und dem Finanzplatz genutzt oder sind das zwei Säulen, die nebeneinander bestehen?

Klaus Tschütscher:Mindestens einmal im Monat findet bei mir ein Treffen mit den Spitzenvertretern der Industrie, Banken, Versicherungen, der Treuhandbranche und des Gewerbes statt. Hier tauschen wir uns zu verschiedenen Themen wie der Strategie des Finanzplatzes, der Steuerpolitik oder auch der Potentiale künftiger Produkte und Märkte aus. Diese Gespräche sind sehr befruchtend.

Steffen Klatt:Wo sehen Sie Liechtenstein in einen Jahrzehnt?

Klaus Tschütscher: Mir ist es wichtig, dass wir in der nächsten Zeit einen weiteren grossen Mosaikstein unserer Politik verabschieden können. Und das ist die Agenda 2020. Damit haben wir uns über die Legislaturperiode hinaus Gedanken gemacht. Unser Ziel ist es, für Liechtenstein und die kommenden Generationen das zu erhalten, was wir heute haben – nämlich ein offenes und wirtschaftlich erfolgreiches Land.


Zur Person:
Klaus Tschütscher, Jahrgang 1967, ist seit März 2009 Regierungschef Liechtensteins. Zuvor war er vier Jahre Justizminister und Regierungschef-Stellvertreter. Vor seiner Wahl in die Regierung war er Amtsvorstand-Stellvertreter der Steuerverwaltung und hat für die Regierung internationale Steuerverhandlungen geführt. Klaus Tschütscher hat an der Universität St. Gallen Jus studiert und an der Universität Zürich ein Nachdiplomstudium im Bereich Internationales Wirtschaftsrecht absolviert..

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