Wer exportieren will, muss das Zielland verstehen. Und dazu zählt neben dem Wissen um Bestimmungen auch, über dortige Farbsymbolik und Kommunikationsregeln bescheid zu wissen. Und immer sollten sich Geschäftsleute des eigenen kulturellen Hintergrunds bewusst sein, sagt Max Wey von Boa Lingua BusinessClass in Zug. Anna Birkenmeier: Weshalb ist es so wichtig, dass Geschäftsleute ausser der Sprache, auch die kulturellen Gepflogenheiten des Landes kennen? Max Wey: Sprache und kulturelles Verständnis funktionieren nur sehr bedingt, wenn diese voneinander getrennt betrachtet werden. Man muss also in beiden Sparten sattelfest agieren können, um in der Geschäftswelt erfolgreich zu sein. Wer beispielsweise nur die Sprache beherrscht, jedoch nichts über kulturelle Hintergründe weiss, läuft Gefahr, in ein Fettnäpfchen zu treten und somit eine Geschäftsbeziehung aufs Spiel zu setzen. Anna Birkenmeier: Wie kann man sich optimal auf ein Land vorbereiten? Max Wey: Neben geographischen, historischen, religiösen und politischen Einflüssen spielen für das kulturelle Verständnis viele weitere Faktoren eine massgebliche Rolle. Beispielsweise Sitten und Bräuche, Wertvorstellungen, Sprache, nonverbale Kommunikation, Geschlechterrollen aber auch Farben und Symbole. Diese Informationen sollte man sich unbedingt vor dem ersten Treffen mit einem Geschäftskontakt zulegen. Dafür gibt es natürlich verschiedenste Möglichkeiten: Gespräche mit Bekannten führen, die Erfahrungen gesammelt haben, Bücher lesen über das besagte Land oder eben ein Cultural Training besuchen. Anna Birkenmeier: Was vermittelt ein Cultural Training konkret? Max Wey: Dabei handelt es sich speziell in unserem Fall um ein kombiniertes Sprachtraining im Ausland. Das bedeutet, dass man in der Regel am Morgen in einem Gruppenkurs die Fremdsprache lernt und am Nachmittag Einzelunterricht besucht. Während diesem Unterricht wird der Fokus auf das kulturelle Training gelegt. Diese kulturelle Komponente kann so den speziellen Bedürfnissen des Teilnehmenden angepasst werden und variiert demnach von umfassender Kulturtheorie bis hin zu spezifischen Eigenheiten einzelner Länder. Die Bildung internationaler Teams, Präsentationen weltweit oder wie man sich in Meetings im Ausland verhalten soll, sind weitere Themenfelder. Schlussendlich geht es darum erfolgreich über kulturelle Grenzen hinweg zu kommunizieren. Anna Birkenmeier: In welche Fettnäpfchen treten Ausländer auf Geschäftsreisen am häufigsten? Max Wey: Das ist natürlich abhängig davon, in welches Land man reist. Und Fettnäpfchen lauern überall genügende. Dies beginnt bei der Begrüssung, geht weiter über Mitbringsel, setzt sich beim Verhalten während Besprechungen fort und endet beispielsweise in Ländern wie Japan erst mit dem Besuch einer Karaoke-Bar und dem damit verbundenen Trinkverhalten. Was oftmals vergessen geht, ist, dass man selber auch über kulturelle Eigenheiten verfügt, die auf das Gegenüber fremd wirken können. Deshalb sollte man nicht nur auf den Geschäftspartner achten, sondern sich auch der eigenen, kulturellen Besonderheiten bewusst sein. Anna Birkenmeier: Haben die Firmen bereits erkannt, wie wichtig kulturelle Verständigung ist, oder herrscht diesbezüglich Verbesserungspotential? Max Wey: Die Erkenntnis, dass interkulturelle Kommunikation immer wichtiger wird, nimmt zwar stetig zu, jedoch hapert es bei der Umsetzung vielerorts noch beträchtlich. Zur Person: Max Wey ist Geschäftsführer von Boa Lingua BusinessClass in Zug, das neben weltweiten Sprachtrainings auch Cultural Trainings anbietet.
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