Paris auf Elektro-Überholspur

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Geschrieben von: Birgit Holzer, Paris 15.12.10
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Frankreich steht unter Strom. Im Wettrennen um die Weltführerschaft in der Elektromobilität fliessen üppige staatliche Subventionen und Kaufprämien, um die heimische Autoindustrie zum Leitmarkt für Elektroautos zu machen. Laut einer McKinsey-Studie vom Frühjahr hat sich Frankreich in dem wachstumsträchtigen Bereich an zweiter Stelle hinter den USA positioniert. Und Frankreich will die Pole Position.

Bis zum Jahr 2020 visiert die französische Regierung zwei Millionen strombetriebener Fahrzeuge auf Frankreichs Strassen an, im Jahr 2025 sollen es sogar vier Millionen sein. Ein ambitioniertes Ziel, das ihr rund 2,2 Milliarden Euro wert ist: Ein Bonus-Malus-System, das nach CO2-Ausstoss gewichtet, unterstützt den Neukauf umweltfreundlicher Elektroautos mit einer Kaufprämie von 5000 Euro. Daneben gibt es Finanzspritzen für Forschung und Entwicklung in Infrastruktur, Batterien und Mobilitätskonzepte, für Pilotanlagen von Ladestationen und den Bau eines Renault-Batteriewerks in Flins bei Paris.

Innerhalb von fünf Jahren sollen eine Million Ladestationen entstehen, davon 90 Prozent in Privathäusern und Unternehmen, aber auch an Supermärkten und Tankstellen zum kurzzeitigen Aufladen. Auch das Gesetz hilft nach: Ab 2012 werden Elektroladesteckdosen in allen Neubauten Pflicht.

Grossauftrag soll Produktion ankurbeln

Um die Elektroauto-Produktion auf industrieller Basis anzukurbeln, gab im Frühjahr eine Gruppe aus 20 staatlichen und privaten Firmen bei den französischen Autobauern eine Grossbestellung von 50.000 Elektroautos auf. Indem der Staat Einrichtungen wie die Post, den Energiekonzern EDF, Air France sowie Städte und Gemeinden mit E-Wägen ausstattet, wird er selbst zum Grossabnehmer. Renault und PSA Peugeot Citroën verpflichteten sich, in den kommenden beiden Jahren 60.000 strombetriebene Fahrzeuge auf den Markt zu bringen.

Eine Führungsrolle beansprucht Renault, das in der Allianz mit Nissan als erster Elektroautos in der Masse herstellen und 2013 weltweit 500.000 Exemplare produzieren will. In zehn Jahren sollen zehn Prozent der Neuwägen weltweit elektrisch fahren, so die firmeninterne Prognose – und einen satten Anteil davon möchte man selbst liefern.

Kaum teurer als herkömmliche Autos

Rund 30 Partnerschaften im In- und Ausland von Stadtverwaltungen bis zu grossen Stromunternehmen, darunter Spanien, Portugal Israel und der Schweiz, sollen eine Basis-Kundschaft sichern. In den kommenden beiden Jahren bringt Renault-Nissan neben dem Leaf (Nissan) Elektro-Versionen der Stufenhecklimousine Fluence, des Kleintransporters Kangoo, des Kleinwagens Twizy und der kompakten Zoë heraus.

PSA Peugeot Citroën zieht mit seinen Elektro-Modellen nach: Dem Peugeot iOn auf der Basis des Mitsubishi i-MiEV, der für 499 Euro im Monat inklusive Wartungskosten und Batterien geleast werden kann, sowie dem Citro C-Zero. Bis 2015 soll Mitsubishi 100.000 Elektroautos an PSA Peugeot Citroën liefern.

Der jeweilige Kaufpreis soll nicht deutlich über dem eines vergleichbaren herkömmlichen Wagens liegen, heisst es. In Frankreich wird der Leaf für 30.000 Euro verkauft, der Zoë und der Kangoo Z.E. für 15.000 Euro – dank der Öko-Prämien, die nicht nur einen Kaufanreiz schaffen, sondern auch die Zusatzkosten für die Elektrobatterien kompensieren sollen. Beim Kangoo Z.E. liegen sie bei rund 72 Euro pro Monat.

„Autolib“ elektrisiert Paris

Auch Frankreichs Hauptstadt will sich als Vorreiter in der Elektromobilität profilieren: Geht es nach Bürgermeister Bertrand Delanoë, wird im kommenden Herbst im Grossraum Paris ein in diesem Ausmass bislang einzigartiges Leihauto-System namens „Autolib“ mit strombetriebenen Kleinwägen eingeführt. Es soll nach dem Selbstbedienungsprinzip funktionieren und über 3000 Elektroautos in 1000 Stationen auf die Stadt und das weitere Umland verteilen. Machen genügend Abonnenten mit, könnte Paris so dem Ideal einer CO2-freien Stadt näherkommen – die es noch längst nicht ist.

 

Bild: Renault Fluence Z.E. (Renault/P. Curtet)

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