Albaner reisen visafrei in der EU

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Geschrieben von: Ewald König, Michael Kaczmarek, Daniel Tost, Berlin 20.12.10
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Am 15. Dezember ist die Visapflicht bei Reisen in die EU für die Bürger Bosnien-Herzegowinas und Albaniens gefallen. Das öffne das Tor für Geschäftskontakte und schaffe Chancen für die Jugend, sagt der albanische Aussenminister Edmond Haxhinasto.

Ewald König: Mitte Dezember fällt die Visapflicht für Albaner, die in die EU reisen wollen. Was bedeutet die Visafreiheit für Ihr Land?

Edmond Haxhinasto: Das bedeutet den Albanern sehr viel. Unser Land war in der Vergangenheit isoliert. Es war ein Traum aller Albaner, sich frei in Europa zu bewegen. Visa waren die letzte psychologische Hürde für die Albaner. Zweitens bekommen die Albaner jetzt die Gelegenheit, Europa besser kennenzulernen. Auch können sie jetzt die Werte und das Wissen mit den Europäern austauschen.

Drittens: Es ist eine sehr gute Gelegenheit für die Unternehmen, Geschäftskontakte zu etablieren und mehr Investoren anzuziehen. Die Wirtschaft unseres Landes wächst und wir verbessern unseren Binnenmarkt, um ihn für Auslandsinvestoren attraktiver zu machen. Viertens ist es eine Gelegenheit für Albaner, Europa voranzubringen. Die Reisefreiheit ermöglicht es den Albanern, Europa unser wertvolles kulturelles Erbe und unsere Bräuche zu zeigen. Fünftens ist es eine Chance für die Jugend: Sie wollen sehen, wofür Europa steht und sie wollen die Bildungsmöglichkeiten Europas nutzen.

Ewald König:Welche EU-Länder unterstützen Albanien am stärksten auf seinem Weg in die EU?

Edmond Haxhinasto: Deutschland und Österreich haben Albanien im europäischen Integrationsprozess und bei der Visaliberalisierung sehr stark unterstützt. Aber ich möchte auch Italien, Griechenland und Frankreich erwähnen. Kurz, fast alle haben versucht, die Westbalkan-Region und Albanien näher an die EU zu führen.

Ewald König: Welche Rolle spielt Albanien im EU-Erweiterungsprozess des Westlichen Balkans?

Edmond Haxhinasto:Zunächst wird Albanien seine eigenen Hausaufgaben machen. Das bedeutet, wir werden alle Verpflichtungen für den EU-Beitrittsprozess erfüllen. Albanien hat den EU-Kandidatenstatus beantragt und ist in einem fortgeschrittenen Stadium des EU-Beitrittsprozesses. In ihrem letzten Fortschrittsbericht hat die Kommission die Kriterien und Benchmarks aufgeführt, die Albanien erfüllen muss. Natürlich werden wir daran arbeiten.

Der europäische Beitrittsprozess hat aber auch eine andere Dimension: Wir können in der Region sehr viel dafür tun, diesen europäischen Integrationsprozess voranzubringen. Wir können die Integration und die Kooperation in der Region verstärken und ein Klima des Vertrauens und der Kooperation in der gesamten Region schaffen – einschliesslich Serbiens und des Kosovo. Wir können dazu beitragen, dass sich Serbien und Kosovo an einen Tisch setzen und über praktische Dinge verhandeln. Diese Dinge des Alltags werden das Leben der Serben und der Albaner im Kosovo verbessern.

Ewald König: Ungelöste Probleme zwischen Regierung und Opposition blockieren Albaniens Bemühung, weitere Reformen umzusetzen. Wie wollen sie diesen Stillstand überwinden?

Edmond Haxhinasto: Es hat seine besonderen Gründe, weshalb die EU-Kommission den politischen Dialog in Albanien in ihrem jüngsten Fortschrittsbericht kritisch beurteilt hat. Wir werden eine Lösung für diese Probleme finden, um bald das Tempo im europäischen Integrationsprozess zu erhöhen.

Ewald König: Sind Sie enttäuscht darüber, dass Serbien bei der Balkankonferenz in Berlin (10./11. Dezember 2010) nicht mit einem Minister vertreten war, sondern nur mit dem Botschafter?

Edmond Haxhinasto: Die Erwartung war, einen politischen Vertreter Serbiens hier zu sehen. Ich kenne die Gründe für die Abwesenheit nicht. Dennoch ist jede Vertretung Serbiens bei einer solchen Veranstaltung willkommen, denn es ist gut, sich zusammenzusetzen, zu reden und die Meinungen auszutauschen.  Wir sollten gemeinsame Projekte identifizieren, um unsere bilateralen und regionalen Beziehungen und damit den europäischen Integrationsprozess zu verbessern.

 

Zur Person:
Edmond Haxhinasto ist seit September 2010 Aussenminister Albaniens. Seit Oktober 2009 war er stellvertretender Minister für Öffentliche Arbeiten und Transport. Davor war er Kabinettschef im Aussenministerium bei seinem Amtsvorgängers Ilir Meta.

 

(Das Interview wurde anlässlich der Balkankonferenz in Berlin vom 10./11. Dezember 2010 von Ewald König, Michael Kaczmarek, Daniel Tost geführt, zur Vereinfachung wird im Text nur Ewald König als Fragensteller genannt.)

Bild: nato.int

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