Die Fussball-Weltmeisterschaften in Russland und Qatar finden in Staaten statt, die sich durch Ressourcenreichtum - insbesondere bei Erdgas – auszeichnen. Das hat sie nicht gerade zu Hochburgen von Energieeffizienz werden lassen. Qatar hält sogar den zweifelhaften Weltrekord der höchsten CO2-Emissionen pro Kopf.
Beide Länder haben allerdings auch die Risiken einer einseitigen Abhängigkeit ihrer Volkswirtschaft von den Exporten fossiler Brennstoffe erkannt, und so hat sich Ministerpräsident Medwedew in Russland ebenso die Diversifikation auf die Fahnen geschrieben wie seine Amtskollegen in Qatar, die unlängst zum Doha Carbon and Energy Forum einluden. Beide Länder haben auch sehr gute geographische Voraussetzungen für die Nutzung erneuerbarer Energien - Russland hat viel Platz zum Aufstellen von Windturbinen, Qatar ist mit einer ganzen Menge Sonnenschein gesegnet. Doch wie so oft ist Reichtum auch mit einer gewissen Zufriedenheit, gepaart, die nicht unbedingt die ideale Voraussetzung für Innovation sind.
Nichtsdestotrotz ist sich Qatar der Notwendigkeit bewusst, den Grundstein für den Wohlstand der nächsten Generation im postfossilen Zeitalter zu legen, und so gibt es beispielsweise ein Pilotprojekt für den Test von Solartechnologien unter den rauhen Wüstenbedingungen. In der Zwischenzeit ist man auch End-of-Pipe-Lösungen nicht abgeneigt, und so hat Qatar kürzlich der UNO vorgeschlagen, den Clean Development Mechanism (CDM) auch auf Carbon Capture and Storage (CCS) auszuweiten - wovon dann Qatar profitieren könnte, weil es in seine Gaslagerstätten CO2 pumpen könnte.
Die Fussball-WM könnte eine gute Gelegenheit sein, weitere Meilensteine bei der Nutzung erneuerbarer Energien zu setzen. Offensichtlich wäre ja die Ausstattung der Stadien mit Solardächern wie beim Stade de Suisse in Bern eine Möglichkeit. Denkbar wäre aber auch, dass man ein kürzlich in Qatar lanciertes Pilotprojekt zu District Cooling für die Stadionkühlung nutzt. Hierbei handelt es sich um das Pendant zur Fernwärme im Bereich Kühlung - mit höherem Wirkungsgrad als normale Klimaanlagen dank Kraft-Wärme-Kopplung, also einer parallelen Erzeugung von Strom und Kälte. Heute kommt für das District Cooling Erdgas als Brennstoff zum Einsatz, es gibt jedoch auch erste Konzepte für Solar Cooling. Die Kühlung ist sicherlich ein keineswegs triviales Problem, denn sonst könnten Fussballspieler und Zuschauer bei 50 Grad Aussentemperatur kollabieren.
Bild: Robert Stürmer
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