 Sie fahren lautlos in 80 Tagen um die Welt und befinden sich gerade auf dem Weg nach Cancun: Die Teilnehmer des Zero Emissions Race. Der Schweizer Frank Loacker ist mit seinem Kollegen Tobias Wülser und dem Elektromobil Zerotracer unter dem Namen Oerlikon Solar Racing Team vorne dabei. Yvonne von Hunnius: Haben Sie einen Stromgenerator Huckepack, oder wie sind Sie von der Schweiz nach China gekommen und fahren nun von Kanada nach Mexiko? Frank Loacker: Wir brauchen keinen Generator. Mithilfe vorhandener Steckdosen sind wir bis nach Asien gefahren. Die Infrastruktur ist zwar noch nicht immer bequem, doch sie ist da. Eigentlich kommt man sogar weiter als mit normalem Benzinfahrzeug. Denn normalerweise gibt es an jeder Tankstelle auch Strom. Und zusätzlich können wir in allen anderen Haushalten tanken. Nur in der Wüste Gobi war auf der Tour Schwitzen angesagt. Wir waren auf tausend Metern gestartet und es ging bergauf, was mehr Energie verbraucht. Plötzlich verschwanden die Stromleitungen. Als wir 3.000 Meter erreicht hatten, ging es auf einem Hochplateau weiter. Bei unter zehn Prozent Kapazität kam endlich eine Tankstelle, die zwar keine Steckdose aber einen Diesel-Generator hatte. Yvonne von Hunnius: Aber das Rennen ist doch ein CO2-freies – Diesel ist verboten… Frank Loacker: Jedes Team muss eine CO2-freie Energiequelle aufweisen, die im Rahmen eines Kompensationsprinzips genauso viel Energie liefert, wie man braucht. Und Oerlikon Solar ist nicht nur der Hauptsponsor, der den Bau des Elektrotöff ermöglicht hat. Das Unternehmen stellt uns auch die Solarenergie ihres Solarkraftwerks zur Verfügung. Nur so geht das Konzept auf: Man sollte als Fahrer eines Elektrofahrzeugs sicherstellen, dass der verbrauchte Strom CO2-frei hergestellt wird und sich gegebenenfalls eine Solaranlage zulegen. Verwandte Themen| { Schweizer Elektroauto startbereit, 09.11.10 } | | { Emissionsfrei um die Welt, 17.08.10 } | | { Grün sind alle meine Autos, 23.07.10 } | | { Alpauffahrt mit 60 E-Autos, 30.06.10 } | | { Mit Holz und Mist vorwärts, 29.06.10 } | | { Elektroauto erobert die Alpen , 10.06.10 } | | { Migros fördert E-Mobilität, 11.05.10 } | | { Klimaschutz gut fürs Portemonnaie, 26.04.10 } | | { Alpentourismus wandelt sich, 17.03.10 } | | { Stromträume auf chinesisch, 10.03.10 } | | { Daimler macht ernst mit E-Autos, 03.03.10 } | | { Öko-Auto im Alltagstest, 16.02.10 } | | { Ecocars erobern Automarkt, 12.02.10 } | | { E-Autos schaden, 03.02.10 } | | { Ampeln für Stromautos auf Grün, 27.01.10 } | | { Die Steckdose lernt fahren, 21.01.10 } |
Yvonne von Hunnius: Nach der ersten von den beiden Etappen war Ihr Kabinenmotorrad an der Spitze – warum ist Ihr Team besser als die anderen? Frank Loacker: Weil wir mit 10.000 Testkilometern mehr als alle anderen Teams zuvor getestet haben, das Gerät ist ausgereifter. Zudem haben wir viel Erfahrung in diesem Bereich. Ich arbeite von der Technik her schon lange daran und war beim Vorgängerprojekt von Louis Palmer dabei. Ich wusste, was mich auf der technischen Seite erwartet. Beispielsweise, welche unterschiedlichen Ladegeräte notwendig sind. Jetzt haben wir ein Ladegerät, das starke Spannungsschwankungen erträgt, was unserem Key Technologiesponsor Brusa zu verdanken ist. Mit unserer Batterie erreichen wir regelmässig 350 Kilometer pro Ladung. Das ist eine ausgezeichnete Effizienz von 65 Wattstunden pro Kilometer. Das Batteriemanagementsystem, das uns Brusa ermöglicht hat, ist sehr weit entwickelt und zuverlässig. Die Konstruktion, die ganze Integration inklusive Berechnung, Verkabelung, Mechanik ist von uns. Yvonne von Hunnius: Welche Teams sind denn übrig geblieben und welche Stärken haben sie? Frank Loacker: Neben uns noch ein Elektroroller aus Deutschland und ein Kabinenfahrzeug mit drei Rädern aus Australien. Die Australier haben durch Ihre drei Räder bessere Offroad Eigenschaften beweisen können. Und der Roller hat die Nachteile eines Rollers, wie zum Beispiel keinen Wind- und Wetter-Schutz, doch dafür ist er wendiger im Vergleich zu unserem recht grossen Wendekreis. Auf Autobahnen und Landstrassen haben wir immer die Nase vorn. Yvonne von Hunnius: Ist das Rennen so sehr von Konkurrenzkampf geprägt, wie man es aus Filmen kennt? Frank Loacker: Keineswegs, wir helfen uns sogar gegenseitig. Es gibt kein Preisgeld und wir alle wollen zeigen, dass die Technik funktioniert und die Infrastruktur vorhanden ist. Konkret gibt es Einzelprüfungen ganz unterschiedlicher Art. Einmal sollten Kinder in einer Schule entscheiden, welches Auto sie am coolsten finden. Einzeln wird aber auch die Leistung gemessen, wie die Höchstgeschwindigkeit in Deutschland auf der Autobahn, als wir mit 183 Stundenkilometern gewonnen haben. Auch bei der Beschleunigung auf 200 Meter waren wir die schnellsten. Sonst punktet auch die Gemütlichkeit des Sitzes, die von unabhängigen Besuchern einer Veranstaltung bewertet wurde. Zudem spielt die Zuverlässigkeit des Fahrzeugs eine grosse Rolle. Und wir hatten technisch gesehen noch keine einzige Panne. Yvonne von Hunnius: Wie sieht es im Zerotracer generell mit der Sicherheit aus? Frank Loacker: Der Zerotracer ist zwar ein Motorrad, jedoch so sicher wie ein Auto. Die Sicherheit ist auch der Struktur des Kevlar-Materials zu verdanken. Es wird auch in der Formel1, im Flugzeugbau und für schusssichere Westen verwendet und ist sehr widerstandsfähig. Kevlar bleibt weich, während Carbon splittert, wenn es überlastet ist. Leider ist es im Moment für normale Strassenwagen noch zu teuer. Yvonne von Hunnius: Ist nicht immer die Angst dabei, dass man Euch das Gefährt stehlen könnte? Frank Loacker: Die Diebe könnten das Fahrzeug nicht wegfahren. Auch wenn man Motorradfahren kann, klappt das erst mit Erfahrung, nach circa 500 Kilometern beherrscht es aber jeder. Mit 640 Kilogramm ist es zur Zeit eines der schwersten Motorräder. Mit dem Wiederverkauf des Fahrzeuges würden sich die Diebe ebenfalls schwertun, da es ja nicht allzu viele Fahrzeuge dieser Bauart gibt. Yvonne von Hunnius: Teil Eurer Aufgabe dürfte wohl auch sein, das Fahrzeug attraktiv für Diebe zu machen… Frank Loacker: Klar, wir wollen unser Kabinenmotorrad bekannt machen. Noch ist der Bekannheitsgrad nich allzu verbreitet. Zu Unrecht, denn es ist mit eines der effizientesten Fahrzeugkonzept, das man durch die dynamische Form und das geringe Gewicht für die Strasse bauen kann. Und die Nutzbarkeit ist selbst bei Glatteis sehr hoch. Eigentlich bieten wir das alles, was ein exklusiver Sportwagen bietet: zwei Plätze, gehobene Ausstattung,einen grossen Kofferraum und alles in bester Verarbeitung. Und eine Beschleunigung, die sich durchaus mit einem Porsche vergleichen lässt. Das rechtfertigt auch den relativ hohen Preis von 100.000 Franken (76.000 Euro). Momentan fahren nur drei Exemplare auf der Strasse, jeweils mit unterschiedlichem Aufbau und Antrieb. Zwei der drei Fahrzeuge konnten sich in diesem Jahr als Gewinner des Automotive X-Prize in den USA durchsetzen. Die Benzinvariante gibt es schon: Sie wird vom Mutterhaus Peraves in Winterthur seit 25 Jahren gebaut. Mein Kollege Tobias Wülser hat vor drei Jahren für Peraves das neue Design entworfen, das momentan mit einem normalen BMW-Verbrennungsmotor in Produktion ist. Aufgrund des neuen Designs wurden im Jahr, in dem das neue Design umgesetzt wurde, 50 Prozent mehr verkauft. Peraves hat das Patent auf das Kabinenmotorrad und ist Distributor und wir von Designwerk übernehmen das Engineering und die Designarbeit. Der Zerotracer wird unter dem Namen E-Tracer „made in Switzerland“ ab 2011 produziert und wir hoffen natürlich, weiterhin erfolgreich zu sein. Zur Person: Frank Loacker ist neben Tobias Wülser zweiter Pilot des Zerotracers im Rahmen des Zero Emissions Race. Er ist Chefingenieur des Fahrzeugs. Als technischer Berater und Chefingenieur ist er für die Designwerk GmbH in Winterthur tätig. Bild1: Yvonne von Hunnius Bild2: Elektromobil Zerotracer (www.zerotracer.com).
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