Die Deutsche Bank hat ihren Hauptsitz in Frankfurt zu Leuchttürmen der Klimaneutralität saniert. Und nach knapp drei Jahren im Exil an drei provisorischen Standorten ist es soweit, dass 2.800 Mitarbeiter wieder in die charakteristischen Doppeltürme der Deutschen Bank in Frankfurt einziehen können. Diese werden mit Fug und Recht „Green Towers“ genannt. Kleine Ursache, grosse Wirkung: Zunächst sollten die gläsernen Zwillinge an der Frankfurter Taunusanlage - im Volksmund auch „Soll und Haben“ genannt - nur veränderten Brandschutzbestimmungen angepasst werden. „Uns wurde aber schnell klar, dass wir viel mehr erreichen können“, sagt Projektleiter Ulf Achenbach. Heute spricht der Branchenprimus des deutschen Finanzwesens von der grössten Gebäudesanierung, die in Europa bisher stattgefunden hat. Vollkommen klimaneutral 200 Millionen Euro (266 Millionen Franken) hat es sich das Bankhaus kosten lassen, „Leuchttürme“ für den Unternehmenskurs zu errichten, um dort die weltweiten Geschäftsaktivitäten in wenigen Jahren vollkommen klimaneutral zu betreiben. Vorgaben des Vorstandes habe es keine gegeben - bis auf eine, sagt der für das Projekt zuständige Architekt Nils Noack von der Immobilienverwaltung der Deutschen Bank. Am Erscheinungsbild des Hochhauspaares mit 34 beziehungsweise 36 Stockwerken durfte sich nichts ändern. Zu wichtig sind die Zwillingstürme, deren Abbild die meisten Zeitungsberichte illustriert und die in fast in jedem TV-Beitrag über das Geldhaus auftauchen, als Markenzeichen der Deutschen Bank. Hightech vom Feinsten So wurde zwar Etage für Etage durch eine hochmoderne Doppelverglasung temperaturgedämmt, aber äusserlich ist den spiegelnden Giganten keine Veränderung anzumerken. Doch auch die riesigen Fassaden wurden für die Umgestaltung nach neuesten Erkenntnissen der Gebäudetechnik genutzt. Früher musste im Frühjahr und im Herbst auf der Nordseite oft geheizt werden, während auf der Südseite zur Kühlung die Klimaanlage lief. Inzwischen sorgen Wärmepumpen für einen Luftaustausch. Abgehängte Kühldecken in den einzelnen Etagen absorbieren zudem tagsüber Wärme und geben sie nachts wieder ab. Die “Green Towers” in Zahlen Eingespart werden: - 89 Prozent CO2-Verringerung pro Jahr(entspricht dem Ausstoss von 6.000 Personenwagen mit 12.000 Kilometern jährlicher Fahrleistung)
- 67 Prozent Heizenergie (Verbrauch von 750 Einfamilienhäusern)
- 55 Prozent Strom (Verbrauch von 1900 Einfamilienhäusern)
- 74 Prozent Wasser (Inhalt von 22 Olympischen Schwimmbecken)
Quelle: Deutsche Bank Die riesige Betonmasse der zwischen 1979 und 1984 errichteten Bank-Türme hilft, im Sommer Kühle und im Winter Wärme zu speichern. Nach Angaben der Sanierer müssen die Büros künftig nur noch 60 bis 80 Tage im Jahr geheizt werden - umweltfreundlich mit Fernwärme, versteht sich. „Abwärts“: Aufzugenergie verpufft nicht Damit Computer und Server das Gebäude nicht unkontrolliert aufheizen, werden die Mitarbeiter künftig per Modem mit einem Rechenzentrum ausserhalb verbunden sein. Dimmer messen die Helligkeit an den Arbeitsplätzen und regeln die Beleuchtung - je nachdem wie viel Tageslicht einfällt. Bewegungsmelder verraten der Anlage, ob an einem Schreibtisch überhaupt jemand tätig ist. Bei den Aufzügen - in Hochhäusern selbstredend von grosser Bedeutung - sorgen ausgetüftelte Programme dafür, dass die einzelnen Fahrten möglichst ausgelastet sind. Geht die Reise abwärts, wird die Bremsenergie in Strom umgewandelt und wieder ins Netz eingespeist. Die Dächer der beiden Wolkenkratzer wurden ausser mit Sonnenkollektoren zur Warmwassererzeugung mit einem 32 Kubikmeter grossen Tank versehen, in dem Regenwasser gesammelt wird. Damit werden die Toiletten gespült. Eine hausinterne Wasserrecyclinganlage reinigt Brauchwasser und speist es wieder in den Wasserkreislauf ein. Wiederverwertung von 98 Prozent Dem Ziel Nachhaltigkeit wollten die Sanierer auch auf dem Weg treu bleiben. 30.500 Tonnen altes Material holten Arbeiter im Frühjahr 2008 aus dem Gebäude. 98 Prozent davon wurden laut Projektleiter Achenbach wiederverwertet. Architekt Nils Noack nennt ein Beispiel: „Die Bodenplatten in den einzelnen Etagen wurden neu mit Teppichboden beklebt und wieder verwendet.“ Ausschlaggebend beim ganzen Projekt ist für Noack allerdings, dass der CO2-Ausstoss pro Beschäftigtem schon dadurch beträchtlich gesenkt werden konnte, dass künftig auf einer Netto-Grundfläche von 102.000 Quadratmetern rund 600 Mitarbeiter mehr tätig sein können als vor der Sanierung - unter anderem weil durch Vereinfachung der Technik zwei Stockwerke gewonnen wurden. Stolz verkündet die Deutsche Bank, ihre „Green Towers“ hätten weltweit als erste modernisierte Hochhäuser sichere Aussicht auf eine LEED-Plakette des US-Green Building Council in Platin. Architekt Noack teilt diesen Stolz, ist aber der Ansicht: „In ein paar Jahren wird dieser Stand der Technik bei allen Hochhaussanierungen Standard sein“. Bild: Die renovierte Zentrale der Deutschen Bank erstrahlt in neuem Glanz (Deutsche Bank AG).
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