GM kehrt Spritfressern den Rücken und bringt ein sparsames Elektroauto auf den Markt. Der Verkauf des ersten Elektroautos von General Motors beginnt spätestens im Dezember. Der „Volt“ soll zunächst in New York, dann in Kalifornien, Michigan, und Texas verkauft werden. Die neuen Sparsamkeitskriterien des Umweltamtes helfen GM. Das neue Ratingsystem für in den USA verkaufte Autos hilft General Motors beim Verkaufsstart seines ersten Elektroautos „Volt“ auf die Sprünge. Bei diesem System wird aufgrund der Meilenleistung pro Gallone (3,8 Liter) Benzin gemessen. Und der Volt verfügt über einen Hybrid-Antrieb. Die Umweltbehörde EPA gab die neuen Ratings am Mittwoch bekannt und stufte den Volt von GM – das noch immer zu grossen Teilen dem Staat gehört – sehr positiv ein. Am Mittwoch gab die EPA die Einstufung für den GM-Volt und das neue Elektroauto „Leaf“ von Nissan bekannt. Beide Kompaktfahrzeuge werden als Konkurrenzmodelle auf dem amerikanischen Markt angesehen. Das Rating, so sehen es die Marketingexperten, wird dabei helfen, umweltbewusste Käufer von dem einen oder anderen Modell in der Klasse der kompakten Fahrzeuge zu überzeugen. Zwar hat der Leaf mit einer Fahrleistung von 99 Meilen (159 Kilometer) pro Gallone – kostenmässig umgerechnet, da es ja ein Elektroauto ist – die Nase vor dem Volt mit 93 Meilen (149 Kilometer). Aber der Leaf hat einen reinen batteriebetriebenen Antrieb und deshalb nur eine Reichweite von 73 Meilen (118 Kilometer) pro Ladung. Der Volt kann sowohl mit Batterie fahren, als auch mit einer Mischung aus Benzinmotor und Elektroantrieb oder mit dem herkömmliche, wenn auch sparsamen Motor. Damit erzielt er eine Reichweite von etwa 611 Kilometern. Er entspricht damit mehr dem amerikanischen Fahrverhalten, das oft bis zu 100 Meilen am Tag reicht. GE will 12.000 Volts Seit die Markteinführung des Volt, voraussichtlich Anfang Dezember, näher rückt, hat GM eine Reihe von guten Nachrichten erhalten. Das reicht von zahlreichen Auszeichnungen für das erste GM-Elektromobil, bis zu der Mitteilung der General Electric (GE) Holding, die für ihren weltweiten Fuhrpark 12.000 Volts ankaufen will. Und das, obwohl GM eigentlich für 2011 nur die Produktion von 10.000 dieser Fahrzeuge eingeplant hat. Sie sollen in Regionen mit bekannt liberaler, progressiver und umweltbewusster Bevölkerung verkauft werden wie Kalifornien, Michigan, in der Stadt New York, in Austin in Texas und in der Bundeshauptstadt Washington. Für 2012 ist eine USA-weite Verkaufsoffensive geplant. Man prognostiziert den Verkauf von 45.000 Volt-Modellen in diesem Jahr. Schleichwerbung durch Kritik Amerikanische Autozeitschriften überschlagen sich seit Wochen mit Lobeshymnen auf den Volt aus Detroit. „Wir erwarteten ein wissenschaftliches Experiment“, schrieb das vielgelesene Magazin Motor Trend. „Stattdessen erlebten wir einen Flug zum Mond“, heisst es in der Januar-Ausgabe des Monatsmagazins. „Der Volt hält die Versprechen, die GM für das Konzeptauto abgegeben hatte. Er kombiniert das weiche, geräuschlose, effiziente, schadstoffarme Verhalten eines Elektromotors mit der Reichweite und der Flexibilität eines Verbrennungsmotors. Er ist ein voll funktionsfähiges, kompromissloses Kompaktauto, das dem Verbraucher echte Vorteile bietet.“ Mehr konnte GM von einem als unabhängig geltenden Automagazin nicht erwarten. Die öffentliche Wirkung wurde noch verstärkt, als der bekannte, überall in den USA gehörte erzkonservative Radio-Talkmaster Rush Limbaugh sowohl Motor Trend als auch den Volt kritisierte. Das sei das Ende für Motor Trend, wenn das Magazin wirklich kein anderes Fahrzeug finde, um es zum „Auto des Jahres“ zu erklären, spöttelte Limbaugh. „Wie in aller Welt soll das glaubwürdig sein? Es ist noch nicht ein einziges Fahrzeug verkauft worden.“ Da alle Kommentare von Limbaugh bei Liberalen, Progressiven und Ökologiebewussten ohnehin die Zornesadern schwellen lassen, kam sein Angriff einer indirekten Werbung bei der einschlägigen Klientel gleich. Fahrgewohnheiten entscheidend In der seriösen Auseinandersetzung um die beiden Neueinführungen Volt und Leaf, der spätestens ab Januar zum Verkauf steht, wird vor allem die Differenz der Reichweite beider Modelle diskutiert. „Die Verbraucher müssen sich über ihre Fahrgewohnheiten im Klaren sein, um zu entscheiden, welches das richtige Fahrzeug für sie ist“, schrieb Analyst Brandy Schaffels von TrueCar.com in Kalifornien. „Wenn Sie nur 15 oder 20 Meilen hin und zurück zur Arbeit fahren, dann ist die Reichweite des Leaf kein Problem.“ Die Mehrzahl der Amerikaner fährt allerdings weiter, als es der Leaf zulässt. Oder zumindest will man sich die Freiheit offen halten, weiter zu fahren, ohne nachladen zu müssen. GM jedenfalls ist von diesem und anderen Argumenten für den Volt überzeugt. Das Unternehmen will mehr als 163 Millionen Dollar in zwei neue Fabriken in Michigan und in Ohio stecken, wie Kathleen Dillworth, GM-Werksdirektorin in Flint in Michigan, mitteilte. Bild: Der Volt fährt hier bei einer Probefahrt Anfang November 2010 durch New York (Emile Wamsteker für Chevrolet)
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