Noch nichts für Kleinsparer

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Geschrieben von: Ulrich Glauber, Frankfurt 23.11.10
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Noch wenden sich hauptsächlich Profi-Anleger nachhaltigen Geldanlagen zu
Kriterien wie Umweltkonformität und soziale Verantwortung sind bei Investoren im Kommen. Doch beim schwammigen Begriff Nachhaltige Geldanlage bleiben bei Normalsparern und deren Beratern noch Nüsse zu knacken.

Erol Bilecen von der Basler Privatbank Sarasin wählt ein anschauliches Beispiel: Der erste serientaugliche Airbag sei 1980 für Mercedes-Limousinen der luxuriösen S-Klasse angeboten worden. Heute sei der Sicherheitssack zur Abmilderung eventueller Unfallfolgen nahezu in jedem Automodell Standard. Nachhaltigkeitskriterien - das wollte der Leiter Client Services Sustainable Investment der auf nachhaltige Geldanlage spezialisierten Schweizer Bank damit sagen - seien auf dem Weg, die traditionellen Faktoren wie Rendite, Sicherheit und Liquidität bei der Suche nach den günstigsten Konditionen auf dem Kapitalmarkt zu ergänzen.

Anfangs nur für Grossanleger

Tatsächlich - so lässt sich aus der Tagung „Nachhaltige Geldanlagen 2010″ des Frankfurt School Verlags am letzten Mittwoch in der deutschen Bankenmetropole schliessen - haben institutionelle Anleger wie Versicherungen, Pensionsfonds, Verbände oder Stiftungen und sehr vermögende Kunden insbesondere im deutschsprachigen Raum das Thema für sich entdeckt. In Europa werden mehr als 90 Prozent der nachhaltigen Anlagen durch institutionelle Investoren getätigt, trug Stefan Scholz von der Warburg Invest Kapitalanlagegesellschaft Daten des European Sustainable Investment Forum (Eurosif) vor. In Deutschland seien allerdings schon 45 Prozent Privatanleger; in der Schweiz ist das Verhältnis sogar noch ausgewogener.

Spezialität für Superreiche

Allerdings scheint das Anlagekriterium Nachhaltigkeit beim breiten Publikum noch nicht angekommen zu sein. Insbesondere Privatpersonen mit einem Vermögen ab einer Million US-Dollar engagieren sich zunehmend in „Responsible Investments”. Laut den Erfahrungen der auf diesen Anlegerkreis spezialisierten Bank Sarasin sind es vor allem Unternehmer, Frauen und Erben, die zumindest bei einem Teil ihrer Investments nicht nur nach Rendite schielen, sondern auch ihrer ökologischen und sozialen Verantwortung gerecht werden wollen, resümierte Experte Bilecen.

Dabei blieb bei der Tagung in Frankfurt einmal mehr offen, was die Geldhäuser unter nachhaltiger Geldanlage im Einzelnen verstehen und welche Auswirkungen verantwortungsbewusste Geldanlage hat. Dass solche Investments jenseits des „Gutmenschentums” bei der Rendite durchaus mit klassischen Anlageformen mithalten können, darüber waren sich die Teilnehmer einig. Empirische Analysen fehlen hier allerdings ebenso wie die Frage, welche Auswirkungen eine gute Bewertung nach Nachhaltigkeitskriterien auf einzelne Unternehmen und deren Bonität hat.

Spitze Finger bei Beratern

Die Verschwommenheit des Begriffs Nachhaltiges Investment und die Unsicherheiten darüber, was sich damit wirklich bewirken lässt, machen sich in der Beratung der Kleinsparer bemerkbar. So sieht es jedenfalls Professor Martin Faust von der Frankfurt School of Finance & Management, der mit Stefan Scholz unter dem Titel
„Nachhaltige Geldanlagen - Produkte, Strategien und Beratungskonzepte” sozusagen das Buch zur Veranstaltung herausgegeben hat. „Das Thema Nachhaltigkeit ist in der Beratung deutlich komplexer als klassische Anlagethemen”, meint Faust. Es gebe eben keine klare Abgrenzung, was ist nachhaltig und was nicht. Deswegen fühlten sich viele Berater nicht gut gerüstet, mit dem Kunden über nachhaltige Produkte zu sprechen. Mit einem Weiterbildungsprogramm für Bankberater und -Manager will die Frankfurt School diesen Missstand beseitigen helfen.

Transparenz bei den Auswahlkriterien

So wollte das Achim Gilbert von Dexia Asset Management in Deutschland bei der Konferenz nicht stehen lassen. Zwar verfolgten die Anbieter verschiedene Ansätze, die meisten böten allerdings - anders als traditionelle Vermögensverwalter und Fondsanbieter - maximale Transparenz bei den Auswahlkriterien. Gerade die Vielfalt der Ansätze bringe Mehrwert in den Markt. Michael Diaz von der Schweizer Nachhaltigkeitsbewertungsagentur Inrate ging noch einen Schritt weiter. Er äusserte die „Vision”, dass es bald belastbare Ergebnisse zu den Auswirkungen nachhaltiger Investments geben werde. „Wurde im Vergleich zu einer traditionellen Benchmark weniger CO2 verursacht oder weniger Ressourcen verbraucht”, nannte der Schweizer als Beispiele für die Fragen, die es da noch zu beantworten gilt.

 

Bilder:
Frontseite: Nachhaltigkeitskriterien seien auf dem Weg, die traditionellen Faktoren wie Rendite, Sicherheit und Liquidität bei der Suche nach den günstigsten Konditionen auf dem Kapitalmarkt zu ergänzen, so Erol Bilecen (http://instantgreenliving.com).

Tetxtseite: Erol Bilecen von der Basler Privatbank Sarasin bei seinem Vortrag auf der Tagung „Nachhaltige Geldanlagen 2010″ (Frankfurt School Verlags).

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