Mir fiel letzte Woche das Wort «Lebensqualität» ein, als ich mit meinem Mitbewohner einige Erneuerungen in unserer Wohnung machte und wir mit dem Resultat sehr zufrieden waren. Weil es einfach schöner ist, wenn Wände, die schon lange einen neuen Anstrich nötig hatten, wieder in frischer Farbe leuchten. Weil es gut tut, Sachen, die man nicht mehr braucht, auszumisten. Und weil Wände ohne Bilder langweilig wären. Lebensqualität ist heute ein Begriff, den man oft hört. Lebensqualität im Zusammenhang mit Städten, Wohnsituationen, Versicherungen, Hochschulen, Gesundheit etc. Es gibt Lebensqualität-Rankings, in welchen die Lebensqualitäten verschiedener Städte verglichen werden. Zürich hat da die Nase vorne. Gemäss dem Ranking vom Lifestyle-Magazin «Monocle» war die Stadt mit ihrer tollen Lage zwischen See und Bergen letztes Jahr auf Rang 1, dieses Jahr auf Rang 3. Folgende Bereiche wurden in die Bewertung miteinbezogen: Gesundheitsversorgung, Kultur, Umwelt und Bildungsangebot. Diese machen also «Lebensqualität» aus. Die Definition ist nicht unzutreffend und auf gewisse Indikatoren muss man sich bei einem Ranking aus objektiver Sicht ja stützen. Es ist aber fraglich, ob die Definition ausreichend ist; hätte man beispielsweise auch noch die Wohnungssituation miteinbezogen, hätte Zürich mit seiner Wohnungsknappheit wahrscheinlich schlechter abgeschnitten. Verwandte Themen| { Mit Innovationen Spitze bleiben, 08.11.10 } | | { Die Welt neu vermessen, 26.10.10 } | | { Sinnvolle Verbesserungen , 28.09.10 } | | { Energieautonomie am Bodensee, 17.08.10 } | | { Minergie braucht null Energie, 24.06.10 } | | { Umwelt schützen lernen, 17.06.10 } | | { Arbeitstempo ist selbstmörderisch, 02.06.10 } | | { Die Welt braucht Schweizer Design, 03.05.10 } | | { Armutsfallen vermeiden , 08.04.10 } | | { Liechtenstein auf gutem Kurs , 22.03.10 } | | { Umweltschutz belohnen, 12.03.10 } | | { Alarm für Griechenlands Tierwelt, 01.03.10 } | | { Saubere Luft in kleinen Schritten, 25.02.10 } | | { Biodiversität braucht einen Preis, 15.02.10 } | | { Vielfalt fördert Lebensqualität , 09.02.10 } | | { Biodiversität stärken, 27.01.10 } | | { Nachhaltig im eigenen Haus, 08.01.10 } | | { Klimaneutrale Produkte sind gefragt, 22.12.09 } | | { Für eine grüne Wirtschaft, 18.11.09 } |
Wie also wählt man die Parameter und wie gewichtet man sie? Und ist Lebensqualität etwas, das nur von äusseren Umständen beeinflusst wird? Die Weltgesundheitsorganisation definiert Lebensqualität folgendermassen: «Lebensqualität ist die subjektive Wahrnehmung einer Person über ihre Stellung im Leben in Relation zur Kultur und den Wertsystemen, in denen sie lebt, und in Bezug auf ihre Ziele, Erwartungen, Standards und Anliegen.» Diese Definition stellt klar den Menschen und sein Verhältnis zum Umfeld in den Mittelpunkt. Lebensqualität ist auch subjektiv, hat auch mit unserem persönlichen Befinden zu tun, also mit Fragen wie: Bin ich zufrieden mit mir und meinem Leben? Geht es mir gesundheitlich gut und habe ich Menschen um mich, die sich regelmässig nach mir erkundigen? Habe ich meine Ziele erreicht oder bin ich dran, diese zu erreichen? Stimmt diese persönliche Lebensqualität nicht, dann ist man wohl auch in einer Stadt mit hoher Lebensqualität nicht wirklich glücklich. «Qualität» auf lateinisch ist «qualitas» und bedeutet: Beschaffenheit, Eigenschaft, Zustand, Merkmal. «Zustand des Lebens», das suggeriert schon eher die Frage: Wie lebt es sich? Diese Frage, wie es sich in Zürich so lebt, würde jeder von uns wohl anders beantworten und würde Dinge aus der objektiven sowie subjektiven Sicht über Lebensqualität beinhalten. Das können Zürichs Ausgehmöglichkeiten, das Angebot an Vorlesungen, der ASVZ oder die Infrastruktur der heimlichen Hauptstadt sein. Zudem kann die Unterstützung von Freunden und Familie das Gefühl von Lebensqualität steigern, ein entspanntes Verhältnis zu seinen Nachbarn, wenn man ohne Erkältung durch den Winter kommt, ein unkomplizierter Waschküchenplan, ein GA, eine schnelle Internetverbindung (oder Internet überhaupt), ein Balkon gegen Süden, e-banking oder Youtube. Was würden Sie zu den Dingen zählen, die Ihre Lebensqualität ausmachen? Zur Autorin: Julia Moser absolvierte von Mitte Februar bis Juni 2010 in Rom ein Austauschsemester im Rahmen des Erasmus-Programms und schrieb bereits als Globetrotter für ETH Life. Die 25-jährige hat soeben ihren Bachelor in Maschinenbau an der ETH Zürich abgeschlossen. Bevor sie mit ihrem Studium begann, reiste sie als Au-pair nach Amerika und als Volunteer nach Madagaskar, wo sie Kinder unterrichtete. Mit 15 entdeckte sie ihre Leidenschaft für Flugzeuge, was ihre Studienwahl massgeblich beeinflusste. Ursprünglich wollte sie Linienpilotin werden, entschied sich aber nach ihrer Matur für ein Maschinenbau-Studium an der ETH. Julia Moser interessiert sich für Kunst und das Malen. Zurück in Zürich, widmet sie sich wieder einer Sportart, die sie bereits früher betrieben hat: dem Rugby-Spielen.
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