China hat die USA als grösster Energieverbraucher überholt. Das stellt die Internationale Energieagentur fest. Die erneuerbaren Energien verdoppeln ihren Anteil bis 2035. Doch Öl bleibt das Schmiermittel der Wirtschaft.
Das dramatische Wachstum Chinas macht das Reich der Mitte unersättlich in seinem Hunger nach Rohstoffen und Energie. Nach dem gestern, Dienstag, in London vorgestellten World Energy Outlook (WEO) 2010 der International Energy Agency (IEA), hat China im Vorjahr bereits die USA als grösster Energieverbraucher der Welt überholt. Doch damit ist das Ende noch lange nicht erreicht: Nach IEA-Berechnungen wird Chinas Bedarf bis 2035 noch einmal um 36 Prozent zu nehmen. „Man kann Chinas Bedeutung gar nicht gross genug herausstreichen,“ sagte IEA-Chef Nobuo Tanaka bei der Vorstellung des Berichts.
Für die weitere Entwicklung der weltweiten Energienachfrage konstatiert die OECD-Unterbehörde „extreme Unsicherheiten wegen der Folgen der weltweiten Wirtschaftskrise“. Daher bietet der Report mehrere Szenarien der Entwicklung bis 2035 an. Unter dem „New Policies Scenario“, das von der IEA als das realistischste bezeichnet wird und auf den eingegangenen Verpflichtungen der Staaten ausgeht, wächst der weltweite Energiebedarf bis 2035 um 36 Prozent. 93 Prozent dieses Zuwachs wird aus Entwicklungsländern kommen, die grössten Beiträge kommen dabei von China und Indien, das die IEA in der Zukunft bereits auf Platz 3 im Verbrauch hinter den USA sieht.
Fossile Energieträger dominieren
Unter den Energieträgern bleiben fossile Treibstoffe dominierend und stellen rund 50 Prozent des weltweiten Gesamtzuwachses. Wegen der Klimaschutzverpflichtungen erreicht Kohle 2020 ihren Höhepunkt, während alternative Energieformen an Bedeutung gewinnen: Die Atomenergie legt von sechs Prozent 2008 auf acht Prozent 2035 nur minimal zu. Erneuerbare Energieträger wie Wasser oder Solar hingegen steigen von sieben auf 14 Prozent. Öl bleibt aber dennoch das Schmiermittel der Weltwirtschaft, und das drückt sich auch in der Preisentwicklung aus: Die Studie erwartet einen Stand von 113 Dollar pro Barrel im Jahr 2035 im Vergleich zu 60 Dollar 2009. Die Preiszuwächse erfolgen trotz stetig wachsender Produktion. Allein die OPEC-Länder legen bis 2035 um mehr als 50 Prozent an Förderungen zu. Der Mittlere Osten wird als wichtigste Ölregion wesentlich gestärkt durch die Rückkehr des Irak als Ölerzeuger: Bis 2015 soll das Land nach Schätzungen der IEA bereits wieder den Iran einholen und um den dritten Platz weltweit hinter Saudiarabien und Russland ringen.
Kritik an Klimaverhandlungen
Äusserst kritisch zeigen sich die Autoren und IEA-Chef Tanaka zum Scheitern der Kopenhagen-Konferenz zum Klimaschutz im Dezember 2009. Zwar sei es das Ziel noch erreichbar, die Erdwärmung auf zwei Grad Celsius bis 2020 einzudämmen. Dafür seien aber „beispiellose Anstrengungen“ der Regierung weltweit erforderlich, für die es vorerst „wenig Anzeichen“ gebe. Zudem seien schon durch das bisherige Zögern Kosten von einer Billion Dollar entstanden.
Bild: Nordex
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