Schweizer Elektroauto startbereit

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Geschrieben von: Yvonne von Hunnius, Zweidlen-Glattfelden 09.11.10
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Mindset soll im November 2011 endlich auf die Strasse rollen: Das Schweizer Elektroauto wird seit drei Jahren hoch gehandelt. Doch Finanzierungsprobleme haben den Serienstart stets verhindert. Ein US-Investor ermöglicht nun die Produktion der ersten 1.500 Exemplare.

In aller Munde, auf allen einschlägigen Veranstaltungen stolz präsentiert – doch auf den Strassen war er bislang nicht zu finden: das Elektroauto Mindset, made in Switzerland. Genauso bekannt wie das Automobil ist mittlerweile Mindset-Gründer Lorenzo R. Schmid, der es als David nie unterliess, den Automobilkonzernen in der Rolle des Goliath auf die Füsse zu treten. Bislang nur verbal. Das soll sich ab November 2011 ändern, wenn der erste Mindset die Werke des Partners Xenatec verlässt und in sieben Sekunden von null auf hundert kommen soll.

US-Investor sichert Finanzierung

Nach langer Investorensuche ermöglicht nun eine Finanzierungs-Vereinbarung über einen Maximalbetrag von 183 Millionen Franken (136 Millionen Euro) mit der US-amerikanischen Finanzierungsgruppe Global Emerging Markets (GEM) die Produktion der ersten 1.500 Exemplare. Nicht in der Schweiz: Xenatec sitzt in Weinsberg bei Heilbronn. Das Xenatec Coupé auf Basis der Maybach 57S Limousine für 900.000 Franken (675.000 Euro) hat erst im Oktober für Furore gesorgt. Und nun muss Xenatec lernen, dem Anspruch von Mindset gerecht zu werden. Xenatec-Vertriebsrepräsentant und -Mitinhaber Peter Mähling sagt: „Bis zum 25. Februar werden wir gemeinsam mit Mindset schauen, wie die Ressourceneffizienz auch in der Produktion auf ein Optimum gesteigert werden kann.“ Doch er ist fest der Meinung, der Aufwand lohne: „Die Nachfrage ist vorhanden – nur das geeignete Auto fehlt.“

Mindset hat es plötzlich eilig

Die Ressourceneffizienz ist nicht die einzige Herausforderung. Bei der Probefahrt ruckelt das Auto noch, es surrt etwas ungleichmässig und die Armaturen kommen arg minimalistisch daher. Der Chauffeur beschwichtigt: „Das müssen wir noch überarbeiten.“ Dadurch, dass man nun ankündigt, in einem Jahr mit der Serienproduktion loszulegen, haben sich die Unternehmer selbst unter Druck gesetzt. Ende November ziehen sie zunächst ins beschauliche Zweidlen-Glattfelden nahe Winterthur um. Schmid: „Von hier aus sind unsere baden-württembergischen Partner, der ganze deutsche Markt und auch Zürich in Windeseile erreichbar.“

Alles muss nun schnell gehen. „Das wird knapp“, sagt ein Ingenieur. Aber nach der langen Anlaufphase wollen Schmid und Co. nun keine Zeit mehr verlieren. Denn die Konkurrenz schläft nicht: „Wir sehen natürlich, welche Anstrengungen Smart und andere Autohersteller leisten. Doch was bis dato auf den Markt kam, waren entweder Seifenkisten, potthässliche Dinger oder technische Krüppel.“

Handschrift des Designstars Günak

Schönheit ist Geschmacksfrage. Doch die Harmonie der Formen hat dem Mindset schon seit seiner Geburt Fans eingebracht. Geschaffen wurde er von einem Meister seines Fachs – dem ehemaligen VW-Chefdesigners Murat Günak. Günaks Design und dessen Rolle als Mindset-Geschäftsführer kam 2007 einer Sensation gleich. Von Wolfsburg brachte er die Aufmerksamkeit der Medien an den Vierwaldstättersee, wo der Mindset in klimatisierten Vitrinen präsentiert wurde. Autojournalisten bewunderten die grossen 22-Zoll-Räder mit den schmalen 155er-Reifen und das ausladende Hinterteil des Autos. Doch dann blieben Geldgeber aus, Differenzen in der Chefetage kamen hinzu. Günak ist heute in Frankreich bei der Konkurrenz mia electric tätig. Das Unternehmen hat die Elektroauto-Sparte des Fahrzeugherstellers Heuliez übernommen und mit Günak den preiswerten Elektro-Minibus Mia entwickelt.

Mia sei keine Konkurrenz für den Mindset, meint Schmid. Mindset soll durch Kraft, Raum und Eleganz Akademiker, Frauen und Selbständige ansprechen. Betucht müssen sie sein, denn die ersten Mindset sollen 100.000 Franken, 2012 dann 75.000 Franken kosten.

Industriepartner in der Schweiz

Mindset hat sich namhafte Industriepartner ins Boot geholt – auch aus der Schweiz: Mit der Brusa Elektronik AG in Sennwald sind die führenden Spezialisten der Leistungselektronik für Stromfahrzeuge dabei. Arno Mathoy von Brusa bestätigt, man habe lange auf ein solches Automobil gewartet, doch exklusiv gibt es keine der Motorenkomponenten: „Sonst ist ja der Skaleneffekt nie erreicht“, sagt er. BMW und andere Hersteller setzen auch auf Brusa.

Desweiteren sorgt die swissauto Wenko AG aus Burgdorf bei Bern dafür, dass die Reichweite des Elektroautos auf über tausend Kilometer verlängert werden kann – durch einen sehr kleinen Verbrennungsmotor. Damit wird Mindset optional zu einer Art Hybrid.

Nun braucht Schmid nur noch den Erfolg. Die Konkurrenz jedenfalls hat nicht gewartet: Der Tesla-Roadster fährt schon durch Zürich und die nächste Tesla-Generation  ist in Vorbereitung.

 

Bild: Yvonne von Hunnius

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