Die LGT bietet ihren Kunden und an Philanthropie interessierten Menschen an, das globale Team der LGT Venture Philanthropy zu nutzen, um selber philanthropisch tätig zu werden. Vor drei Jahren mit Mitteln der Bank gebildet, stehen die LGT Venture Philanthropy Stiftungen seit einem guten halben Jahr nun auch Interessenten ausserhalb der fürstlichen Familie offen. Den Kunden bleibt dabei viel Spielraum für individuelles, wirkungsvolles philanthropisches Engagement, sagt Wolfgang Hafenmayer.
Steffen Klatt: Warum sollte ein vermögender Kunde zu Ihnen kommen, wenn er philanthropisch tätig werden will?
Wolfgang Hafenmayer: Weil er auf die Erfahrungen und die Expertise des 15-köpfigen LGT Venture Philanthropy Teams, das in fünf Kontinenten lebt und arbeitet zurückgreifen kann; und dies auf eine sehr individuelle, kosteneffiziente und wirkungsvolle Art und Weise. Wenn ein Kunde zu uns kommt, dann erstellen wir erst einmal ein persönliches Philanthropie-Profil: In welchen Regionen und Themen will er helfen, basierend auf welchen Werten und mit welchem Ansatz möchte er aktiv werden? Wieviel will er einsetzen? Aufgrund dieser Antworten und unserer praktischen Investitionserfahrung können wir ablesen, welche Form für ihn empfehlenswert ist. Denn es macht wenig Sinn, den Kunden zu sagen, dass sie alle in den gleichen Stiftungstopf einzahlen sollen. Die Menschen möchten selber entscheiden, wie und wo sie philanthropisch tätig werden, welche Themen und Zielgruppen Sie wirklich emotional berühren. Gleichzeitig können sie bei uns auf eine internationales Team zurückgreifen, dass seit Jahren philanthropische Engagements für die fürstliche Familie kompetent auswählt und langfristig vor Ort betreut. Verwandte Themen| { Die Banken sind schuld, 29.09.10 } | | { Liechtenstein setzt auf Werte, 20.09.10 } | | { Ein Banker, der nicht spekuliert, 25.08.10 } | | { Bankgewerkschaft will Respekt, 14.07.10 } | | { Armutsfallen vermeiden , 08.04.10 } | | { Liechtenstein auf gutem Kurs , 22.03.10 } | | { Auf die Stärken besinnen, 18.03.10 } | | { Der Prophet als Risikomanager, 12.01.10 } | | { Für eine grüne Wirtschaft, 18.11.09 } |
Steffen Klatt:Sie können also sicherstellen, dass möglichst viel Geld ankommt bei denen, die Hilfe brauchen?
Wolfgang Hafenmayer:Mit dem LGT Venture Philanthropy Team in 8 Ländern haben unsere Kunden die Möglichkeit, dort aktiv zu werden, wo auch die Bank und damit letztlich die fürstliche Familie philanthropisch tätig sind. Durch den intensiven Prüfprozess (mit einer Due Diligence von sechs bis zwölf Monaten) von Teammitgliedern vor Ort und deren kontinuierliches Controlling nach einem Engagewment können wir sicherstellen, dass das eingesetzte Geld dort eine grosse Wirkung erzielt, wo es dringend benötigt wird.
Steffen Klatt:Wo sind Ihre geografischen Schwerpunkte?
Wolfgang Hafenmayer:Sie sind in Lateinamerika, in Afrika, Indien, China, Europa und Südostasien. Dabei werden jeweils Teile der Regionen von einzelnen Teammitgliedern bearbeitet. Es gibt aber neben den geografischen auch inhaltliche Schwerpunkte. Da gehören ökologische Themen wie Wasser, erneuerbare Engerien und Ressourcen Management ebenso dazu wie soziale Themen wie Bildung, aber auch das Gesundheitswesen. Es geht um Ernährungsthemen etwa bei der Unterstützung von Organisationen im Landwirtschaftsbereich oder im Bereich der kostengünstigen Tröpfchenbewässerung von Kleinanbauflächen. Es geht um Investitionen in die Infrastruktur für soziale Investitionen. Das geht bis hin zu Mikrofinanz. Hier sind wir aber nur in den Fällen aktiv, in denen das kommerzielle Geld sich zurückhält.
Steffen Klatt:Sie gehen also nur dorthin, wo andere Marktteilnehmer nicht hinwollen?
Wolfgang Hafenmayer:Wo andere Finanzierungsmechanismen häufig nicht greifen, ja. Für die Banken sind die Risiken für die Kreditvergabe zu gross, für Private Equity Gesellschaften der finanzielle Rturn zu gering. Stiftungen können hier einen grossen Mehrwert leisten. Wo wir eine Möglichkeit sehen, einer guten sozialen oder ökologischen Lösung für benachteiligte Menschen zum Wachstum zu verhelfen, dort sind wir gerne aktiv, um die nachhaltige Lebensqualität dieser Menschen zu verbessern.
Steffen Klatt:Können Ihre Kunden die Projekte frei wählen, für die sie spenden wollen?
Wolfgang Hafenmayer:Wenn jemand mit einer kleineren Summe philanthropisch tätig werden will, dann ist die Wahlmöglichkeit etwas beschränkt. Bis zu einer Grössenordnung von 100.000 Schweizer Franken empfehlen wir den Menschen, in die gleichen Organisationen zu investieren wie die LGT. Dann ist die Effizienz sehr viel grösser, da administrative Kosten minimal sind. Ab 100‘000 CHF kann der Kunde eine Organisation wählen. Der Kunde könnte dann etwa sagen, dass er eine Organisation im Bildungsbereich in Peru unterstützen will. Dann würde unser Kollege in Peru seine Netzwerke nutzen und prüfen, welche Organisationen in Frage kämen. Erst wenn der Kunde sich entscheidet, wo er sein Geld anlegen möchte, fällt eine geringe Gebühr an, damit das LGT Venture Philanthropy Teammitglied während des Engagements sicherstellen kann, dass das erreicht wird, was im Drei- bis Fünfjahresplan versprochen wurde. Eine eigene Stiftung oder einen eigenen sozialen Venture Fund empfehlen wir erst ab einer Summe von fünf Millionen. Der administrative Aufwand für die Struktur wäre sonst schlicht zu gross.
Steffen Klatt:Warum engagiert sich eine Bank in Philanthropie? Sie soll doch zunächst für ihre Eigentümer und Kunden Geld verdienen.
Wolfgang Hafenmayer:Das ist richtig. Gleichzeitig sagte sich Prinz Max von und zu Liechtensteinals er CEO der LGT wurde, dass er selbst gerne mehr Verantwortung übernehmen wolle, damit die Schere zwischen arm und reich nicht noch weiter aufgeht. Er hat sich damals selbst intensiv informiert, wo er sein Vermögen einbringen könnte. Er kam er zum Schluss, dass ein Service fehlt, der den Vermögenden kompetent zeigt, wo das Geld effizient für soziale und ökologische Lösungen für Benachteiligte eingesetzt werden kann. Auch seine Kollegen taten sich schwer, die relevanten Informationen zu finden. Das waren Menschen, die sich mit oberflächlichen Jahresberichten von Spendensammlern nicht zufrieden geben wollten. Prinz Max hat daraus geschlossen, dass Kunden der LGT aller Wahrscheinlichkeit nach ein ähnliches Problem haben. Deshalb inititierte er LGT Venture Philanthropy mit einem langfristigen Commitment der fürstlichen Familie.
Steffen Klatt:Wie haben die Kunden reagiert?
Wolfgang Hafenmayer:Sie haben sehr positiv reagiert. Man muss aber dazu sagen, dass in den ersten zwei Jahren bewusst nicht über unsere Arbeit gesprochen wurde, da wir erst mit eigenen Mitteln philanthropisch aktiv werden wollten. Die LGT gibt pro Jahr zwischen fünf und zehn Millionen Franken in junge, stark wachsende Organisationen, die die nachhaltige Lebensqualität benachteiliter Menschen verbessern. Wir haben erst vor einem guten halben Jahr begonnen, unsere Investitions- und Beratungskompetenz anderen, an Philanthropie interessierten Menschen anzubieten . Die Reaktionen seither waren sehr positiv. Ohne Marketing für unsere Arbeit haben wir inzwischen erste externe Kunden.
Steffen Klatt:Wieviel Geld ist jetzt im Fonds/in den Stiftungen?
Wolfgang Hafenmayer:Das wird nicht kommuniziert.
Steffen Klatt:Woran können Sie den Erfolg Ihres Fonds messen?
Wolfgang Hafenmayer:Nur einen Teil unserer Mittel vergeben wir als Spenden. Rund 65 Prozent vergeben wir als Eigenkapital und Darlehen. Und das muss auch verzinst werden, Rückflüsse gehen allerdings zurück in die Stiftung.
Steffen Klatt:...und damit kann man den Erfolg betriebswirtschaftlich messen.
Wolfgang Hafenmayer:Damit kann man den finanziellen Erfolg messen. Um den sozialen Erfolg zu messen, haben wir ein eigenes Messsystem entwickelt. So berücksichtigen wir einerseits die Anzahl der Menschen, die wir erreichen – Ende 2009 waren es etwa drei Millionen benachteiligte Menschen. Wir sind aber ständig daran, unsere Beurteilung zu verbessern, wie die Tiefe der Wirkung gemessen werden kann, also wie stark wir die Lebensqualität der Menschen verbessern. Hierfür nutzen wir augenblicklich ein selbst entwickeltes System.
Steffen Klatt:Welchen Stellenwert hat die Philanthropie in der LGT? Ist sie ein fünftes Rad am Wagen?
Wolfgang Hafenmayer:Einerseits ist es ein Service, der momentan in dieser Form noch von keiner anderen Bank angeboten wird, zumindest nicht mit dieser Glaubwürdigkeit und Intensität. Andererseits haben wir von vornherein gesagt, dass der Kapitalstock der Stiftung nachhaltig angelegt sein muss. Dafür haben wir mit LGT Capital Management Produkte für nachhaltige Investitionen entwickelt, die LGT Venture Philanthropy einerseits ermöglichen seinen Kapitalstock der Mission entsprechend anzulegen und gleichzeitig sehr interessant für Kunden sind, die finanziellen Gewinn und positive Wirkung miteinander in Einklang bringen möchten. Auch hier hat die fürstliche Familie mit einer signifikanten eigenen Investition dazu beigetragen, dass diese Produkte erfolgreich im Markt plaziert werden konnten. Nachhaltiges Investieren war für die Familie schon immer ein Grundsatz gewesen, denn als Familienunternehmen denkt sie schon immer langfristig. Mit LGT Venture Philanthropy ist sie sich aber der ökologischen und sozialen Themen sehr viel bewusster geworden. Es ist deutlich geworden, dass gleichzeitig Geld verdient und etwas Gutes bewegt werden kann. Das kann auch anderen Stiftungen helfen, ihr Kapital ihrer Mission entsprechend anzulegen. Andererseits kann es Kunden helfen, Positives zu bewegen.
Steffen Klatt:Wollen Sie zu einem Dienstleister rund um Philanthropie und Stiftungen werden?
Wolfgang Hafenmayer:Genau. Wir möchten durch unsere Arbeit weitere Menschen für Philanthropie begeistern, sie umfassend beraten und sie unterstützen ihr philanthropisches Engagement professionell und vor allem wirkungsvoll umzusetzten. Insofern ist die Philanthropie nicht ein fünftes Rad am Wagen, sie ist vielmehr eine der Kernkompetenzen der LGT. Kerngeschäft ist natürlich das Wealth und Asset Management. Aber darin hat die Philanthropie ihren Platz.
Steffen Klatt:Ist Philanthropie derzeit ein Trend oder bleibt sie eine Nische für Reiche?
Wolfgang Hafenmayer: Sie ist jedenfalls keine Nische nur für vermögende Menschen. Wenn jemand mit weniger Geld philanthropisch tätig werden will, kann er sich in einer bestehenden Stiftung engagieren oder aber sein Know-how im Rahmen unseres iCats Programs einsetzten. Wir haben in der Bank auch ein Spendenprogramm, bei dem unsere Mitarbeiter auch kleine Spenden einzahlen können. Ist es ein Trend? Ich glaube, es gab schon immer Menschen, die philanthropisch tätig waren. Früher ist vielleicht mehr Geld bei grossen Institutionen abgegeben worden ohne viele Fragen zu stellen. Heute schauen viele Menschen genauer hin, was mit Ihrem Geld passiert, was es wirklich bewirkt. Heute wird professionalisierter geholfen. Das motiviert Andere, mehr zu geben und sich stärker philanthropisch zu engagieren. Wir beobachten, dass Menschen, die erlebt haben, welche Freude es in Ihr Leben bringt, zu sehen, was mit philanthropischem Engagement Positives bewegt werden kann, davon gerne mehr machen.
Zur Person: Wolfgang Hafenmayer ist Managing Partner der LGT Venture Philanthropy Foundation in Zürich.
|