Weltall ohne Sternenbanner

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Geschrieben von: John Dyer, Boston 03.11.10
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Amerikas bemannte Raumfahrt, zu der John F. Kennedy den Grundstein gelegt hatte, ist so gut wie tot. Obama hat kein Geld für diesen amerikanischen Traum. Zwei letzte Space Shuttle-Flüge von Atlantis und Endeavor werden wohl aus Kostengründen gestrichen.

Mit dem Start des Space Shuttles Discovery diese Woche in Florida scheint das vorläufige Ende der bemannten Raumfahrt der USA eingeläutet, die einst unter dem damaligen Präsidenten John F. Kennedy im Wettlauf mit der Sowjetunion begonnen hatte. Nach der Landung des ersten Menschen auf dem Mond wurde das Space Shuttle entwickelt, die Raumfähre, die flugzeuggleich das Verlassen der Erde und die Rückkehr zur Selbstverständlichkeit machte. Die Schwesterschiffe der Discovery, Atlantis und Endeavor sollten eigentlich auch noch einmal fliegen. Präsident Barack Obama hat sich dagegen ausgesprochen. Aus Kostengründen.

Ins All mit dem russischen Raum-Taxi

Der Discovery-Start ist der 133. eines US-Shuttles in der 26-jährigen Geschichte der Raumtransporter. Sie soll Ersatzteile zur Internationalen Raumstation ISS bringen, darunter einen „robonaut“, einen menschenähnlichen Roboter. Discovery hat die Erde bisher 5628 Mal umrundet. Am 14. November soll sie in Florida wieder landen. „Sie ist ein unglaubliches Fahrzeug und sie beendet eine lange und hervorragende Fluggeschichte mit diesem Start“, sagt NASA-Testdirektor Steve Payne. „Sie hat uns immer erstaunt, mit dem, wozu sie in der Lage war. Wir hoffen, dass das diesmal nicht anders sein wird“, sagte Payne während der Startvorbereitungen.

Die Bemerkungen des Testleiters der US-Raumfahrtbehörde NASA haben einen bittersüssen Beigeschmack. Denn seit Präsident Obama im Kongress die Kürzung der Zuwendungen für die NASA auf 19 Milliarden Dollar durchgesetzt hat, bleibt der nur noch, das Space Shuttle-Programm zu beenden, wenn man langfristig an ein anderes Programm der bemannten Raumfahrt denken will. Um so ein Programm vorzulegen – das Obamas Vorgänger George W. Bush vor sechs Jahren mit dem Auftrag, einen Menschen bis 2020 auf den Mars zu bringen und eine zweite Mondlandung vorzubereiten, in Gang gesetzt hatte – würde die NASA sehr viel mehr Geld brauchen, als Obama und dieser Kongress ihr in der Krise zu geben bereit sind. Um überhaupt noch US-Astronauten ins All, zur ISS, zu bringen, muss man jetzt bei Russland Mitflug-Gelegenheiten in dessen Raketen buchen, für rund 50 Millionen Dollar pro Astronaut.

Zu knappes NASA-Budget

Wenn man sein Auto verkaufe, dann müsse man sicherstellen, dass man genug Geld habe, um ein neues zu kaufen, sagt Mike Moses, der Start-Manager der Space Shuttles im Kennedy-Raumfahrtzentrum in Florida. „Die Realität ist aber, dass die NASA ein knappes Haushaltsbudget hat, so wie die meisten amerikanischen Familien auch. Ohne eine kräftige Finanzspritze können wir nur wenig zur selben Zeit anpacken. Um ein neues bemanntes Raumprogramm auf den weg zu bringen, müssen wir ein anderes schliessen.“

Noch steht nicht fest, wieweit der nächste Kongress Gelder für die NASA freigeben wird. Einige der von der konservativen tea Party unterstützen Kandidaten wollen dort sogar noch einmal 1,7 Milliarden streichen. Solche Kürzungen machen es nach Meinung der Wissenschaftler unmöglich, die von der NASA angestrebte Entwicklung einer Rakete zum Flug in die Tiefen des Weltalls und andere Innovationen zu finanzieren. „Wir können kein stabiles Entwicklungsprogramm haben, wenn die vorgegebene Richtung sind alle 12 oder 18 Monate ändert, wenn Gelder abgezogen und dann wieder zur Verfügung gestellt werden, so wie es im Moment gerade opportun erscheint“, kritisiert Raumfahrt-Professor Barrett Caldwell von der Purdue University in Indiana.

Grosses Interesse am letzten Discovery-Flug

Die Kürzungen bei der NASA könnten auch die Wirtschaft in den Bundesstaaten Florida, Alabama und Texas bremsen, wo NASA-Einrichtungen abreiten. Im Kongress haben die Republikaner deshalb Obama und dessen Kürzungsabsichten kritisiert. „Es ist schon kurios, dass die Senatoren, die immer gegen zu viele Ausgaben des Staates wettern, sich aufregen, wenn Jobs in ihren Staaten gefährdet werden“, meinte Roger Launius, Kurator des Smithsonian’s National Air and Space Museum in Washington ironisch. 

200 Millionen Dollar hat die Regierung privaten Firmen zur Verfügung gestellt, um Raumraketen zu entwickeln. Von erfolgen war bisher nichts zu hören.
Bei den Amerikanern hat der letzte Flug der legendären Discovery jedenfalls grosses Interesse geweckt. Die Tickets für die Beobachtungsplätze des Starts sind seit Monaten ausverkauft, wie Andrea Farmer mitteilt. Die Sprecherin des Besucherzentrums am Kennedy-Weltraumbahnhof in Florida meint: „Die Nachfrage war viel grösser als das Kartenangebot.“ Aber, so tröstet sie alle die leer ausgingen, man könne den hellen Strahl aus den Düsen der startenden Discovery überall an der Atlantikküste von Florida beobachten.

Bild: Der letzte Flug der Discovery (www.nasa.gov).

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