Ein Fesselballon im Pariser Park André-Citroën dient als schwebende Aussichtsplattform für Touristen und als Kontroll-Leuchte zugleich: Farbsignale zeigen stets den aktuellen Grad der Luftverschmutzung an. Ist die Luft in Paris heute rein? Ein prüfender Blick in den Himmel und gen Stadtwesten soll es zeigen: Wenn das dort schwebende runde Ungetüm, ein Helium-Ballon, grün blinkt, kann man herzhaft durchatmen, bei orange wird es schon bedenklicher und bei rot ist Vorsicht geboten. Dann brettert vermutlich gerade der hektische Berufsverkehr über die Boulevards. Auch ob es windstill ist, lässt sich leicht prüfen, denn bei stärkerer Brise bleibt der Ballon am Boden. „400.000 Menschen sehen ihn jeden Tag", sagt Nicolas Roulier zufrieden. 20 Kilometer weit ist der Fesselballon sichtbar. Von grün bis rot Roulier leitet das Pilotprojekt „Air de Paris" („Pariser Luft") im Park André-Citroën, das anschaulicher Umwelt-Indikator und Touristen-Attraktion zugleich ist. Betrieben wird es von der Stadt Paris, der Luftüberwachungs-Behörde Airparif und der Ballonfirma Aérophile. In dem an der Seine gelegenen Stadtpark steht ein mit 6000 Kubikmetern Helium gefüllter Ballon mit Elektroantrieb, der von Öffnung bis Schliessung des Parks regelmässig alle zehn bis 20 Minuten in die Luft geht. Der Ballon ist zwar als Werbefläche für eine französische Bank grossflächig bedruckt, zeigt aber auch durch Leucht-Signale und eine farbige Fahne an, wie es gerade um die Pariser Luft steht: Die Palette reicht von grün über gelb, orange bis rot - also von sehr sauber bis äusserst verschmutzt. Stündlich werden die Ergebnisse von Stickstoff-, Ozon- und Feinstaub-Auswertungen an elf Messstationen in der ganzen Stadt, von denen fünf an Hauptstrassen stehen, übertragen. „Wir wollen das Bewusstsein der Leute stärken", sagt Roulier. „Das bringt viele dazu, zum ersten Mal Fragen über die Qualität der Luft zu stellen." Drei Millionen Autos kurven täglich durch die französische Metropole. Innerhalb von 15 Jahren hat sich dort der Ozongehalt fast verdoppelt. Ausnahme im Flugverbot Doch der Ballon dient nicht nur als mahnende Kontroll-Leuchte, sondern auch als Aussichtsplattform, die einen weiten Blick über Paris erlaubt und die einzige Möglichkeit, über der Stadt zu schweben. Denn unter 2000 Meter herrscht hier Flugverbot, die Ausnahme hat sich Aérophile vor elf Jahren nach einer langwierigen Schlacht mit den Behörden erkämpft. Aus einer zunächst zeitlich begrenzten Flugerlaubnis ist dank des grossen Erfolgs eine Dauereinrichtung geworden. „Ich sehe den Ballon jeden Tag von meinem Fenster aus", erzählt Louis. „Jetzt wollte ich auch einmal damit fliegen." An der Seite seiner Freundin Joyce blickt der junge Franzose weit über die Dächer der romantischen Stadt und 150 Meter tief in den Abgrund. Pro Jahr 40.000 Passagiere Abhängig von der Windstärke kann der Ballon bis zu 30 Menschen tragen. Aber Pilot Jean-Christophe Chevalier lässt ihn auch für nur eine Person steigen - oder eben auch für ganze Schulklassen. Im Jahr kommen rund 40.000 Passagiere, rund 20 Prozent sind Touristen, sagt Nicolas Roulier. Manchen Reisegruppen ist es für die Planung zu unsicher, dass der Ballon wegen der Windverhältnisse im Durchschnitt nur jeden zweiten Tag fliegen kann. Viele finden auch den Weg nicht bis hierher in den Westen von Paris, gut drei Kilometer vom Eiffelturm entfernt. „Wir wollten am liebsten in den sehr zentralen Tuilerien-Garten beim Louvre", erzählt Roulier. „Aber die Behörden..." Gleichzeitig passe der Ballon sehr gut in den Park auf dem Gelände der ehemaligen Citroën-Automobilfabrik: Mit seinem postmodernen Stil, den Wasserspielen, Bambus-Stauden und thematischen Gärten gilt er als der modernste Park der Stadt. Bild: Ballon Air de Paris (http://de.parisinfo.com)
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